Full text: Hessenland (28.1914)

SOUL. 191 9WtL> 
Er zitterte am ganzen Leibe. Dann sagte er mit 
tränenerstickter Stimme: 
„Wenn düt dat Enge von dem nijen* Fromm 
sten is, Philipp?" 
Sie lösten die Tote und legten sie auf das Stroh 
und saßen stumm daneben. 
' neuen. 
-»■ 
Aus Heimat 
Hundert Jahre sind am 30. Juni verflossen, 
seit Franz Dingelstedt zu Halsdorf im Kreise Kirchhain 
geboren wurde. Er selbst hat uns nur wenig über sein 
Leben überliefert, dagegen haben uns seine Freunde 
Oetker(„Lebenserinnerungen") und Rodenberg, der 
in seinen „Heimaterinncrungen" uns in erster Linie den 
Menschen Dingelstedt von seiner gemütvollen Seite nahe 
zu bringen suchte, reiches biographisches Material über 
mittelt. Hier im „Hessenland" hat vor Jahren F. 
Zw enger eine aufschlußreiche biographische Skizze über 
den Dichter geschrieben, der cs, nichts weniger als un 
empfänglich gegen glänzende Äußerlichkeiten, vom Sohn 
eines schlichten Obergensdarmen zum Freiherrn und 
k. k. Hofrat gebracht hat. Leider besitzen wir noch 
keine Monographie über diesen von seinen Zeitgenossen 
recht zwiespältig beurteilten Hessen. 
Die Grundsteinlegung zum Dingel st edt- 
Pressel-Denkmal wird am 30. Juni in Münden 
erfolgen. Der Entwurf stammt vom Architekten Grosch, 
die Reliefbilder des Dichters und Komponisten von Pro- > 
fessor Eberlein. — Bekanntlich nehmen fast alle Weser 
städte, besonders aber Hameln und Münden, Dingelstedts, 
von Presse! verballhornisiertes Weserlied für sich in An 
spruch. Wir haben schon früher einmal darauf hingewiesen, 
daß für dieses Lied nur die Umgebung von Rinteln in 
Betracht kommen kann, wo der Dichter seine Jugendzeit 
und Gymnasialjahre verbrachte. 
Marburger Hochschulnachrichten. Die theo 
logische Fakultät ernannte die Superintendenten Wisse 
mann- Hofgeismar und H a p p i ch - Marburg sowie 
den Pfarrer a. D. S ch e f f e r - Marburg zu Ehren 
doktoren. 
Personalchronik. Zu Ehren des früheren kom 
mandierenden Generals Frhn. Reinhard v.Scheffer- 
B o y a d e l erhielt der zwischen der Fulda und der 
Frankfurter Straße liegende Teil der Roonstraße in Kassel 
die Bezeichnung General Scheffer-Straße. — Am 1 . Juni 
schied der Senatspräsident vr. jur. h. c. Coing in 
Celle aus dem Dienst. Bei dem Übertritt in den Ruhe 
stand wurde ihm der Charakter eines Wirklichen Ge 
heimen Oberjustizrats mit dem Rang der Räte erster 
Klasse verliehen. Das Oberlandesgericht überreichte ihm 
ein prachtvolles Abschiedsgeschenk, wobei der Oberlandes- 
erichtspräsident mit warmen Worten der vielen Ver- 
ienste Coings um die Rechtsprechung und seiner lang 
jährigen Tätigkeit als Vorsitzender der Prüfungskom 
mission für das erste juristische Examen gedachte. Mit 
Coing ist wohl der letzte hessische Jurist aus dem 
Der Abend kam wie ein Gericht. 
„Wil Du denn nu auk nau weggahn.?" fragte 
der Bauer traurig. 
„Nei Vedder», ik bliewe terheme." 
„Dal do^, Du west, ik hawe gigen dal Tille 
nix." 
* Das tu. 
und Fremde. 
Staatsdienst geschieden, der noch in kurhessischer Zeit 
beide juristische Examina abgelegt hat. Geboren 1837, 
legte er das erste Examen vor der juristischen Fakultät 
in Marburg und im Anschluß daran das zweite Examen 
in Kassel vor der aus dem Obergerichtsdirektor Ende 
mann und den Oberappelationsgerichtsräten Schellen 
berg und Gleim bestehenden Prüfungskommission mit 
bestem Erfolge ab. Dann war er als Referendar in 
Friedewald und am Obergericht in Fulda tätig und 
wurde im Jahre 1867 Amtsrichter in Fritzlar, darauf 
im Jahre 1871 Kreisrichter in Rinteln, 1879 Land 
gerichtsrat in Hannover, 1886 Overlandesgerichtsrat in 
Celle und 1897 Senatspräsident am dortigen Ober 
landesgericht. 1905 wurde er zum Geheimen Oberjustiz 
rat mit dem Rang der Räte zweiter Klasse ernannt 
und erhielt 1907 von der Universität Göttingen den 
voetor jurm donoris oau 8 L. — Die Familie Coing 
ist eine der französischen Familien, die unter Landgraf 
Karl in Kassel Aufnahme gefunden haben. Ein Enkel 
des nach Kassel eingewanderten Coing war von 1751 
bis 1792 Professor der Philosophie in Marburg. Dessen 
älteste Tochter Elisabeth verheiratete sich am 19. No 
vember 1790 mit dem Dichter Jung Stilling, der in 
seiner Lebensgeschichte wiederholt die Schicksale der 
Familie Coing berührt. — Sein 50 jähriges Dienst 
jubiläum beging am 11. Juni der Oberregierungsrat 
und Direktor des Kgl. Provinzialschulkollegiums in 
Kassel vr. Robert Paehler. 1842 in Essen ge 
boren, wurde er 26 jährig Rektor des Progymnasiums 
in Montabaur, war dann 20 Jahre hindurch Direktor 
des Wiesbadener Gelehrten-Gymnasiums und kam 1894 
als Provinzialschulrat nach Kassel, wo er 1901 Geh. 
Regierungsrat und 1905 Oberregierungsrat wurde. 1890 
nahm er an der bekannten Schulkonferenz in Berlin 
teil. Seit 9 Jahren ist Paehler als Nachfolger Lah- 
meyers der eigentliche Leiter des höheren Schulwesens 
in Hessen-Nassau. 
Todesfall. Ein ehemaliger kurhessischer Offizier 
ist in dem zu Wilhelmshöhe im 84. Lebensjahre ver 
schiedenen Oberstleutnant a. D. Leopold v. Hun 
delshausen aus dem Leben geschieden. 1830 zu 
Marburg geboren, besuchte er die Kasseler Kriegsaka 
demie, wurde Leutnant im 1. Infanterie-Regiment Kur 
fürst und 1859 Premierleutnant im Leibgarderegiment. 
Nach 1866 trat er in preußische Dienste, machte als 
Hauptmann im Infanterie-Regiment Nr. 80 den Feld 
zug gegen Frankreich mit, wo er sich das Eiserne Kreuz 
2 . Klasse erwarb, wurde 1871 als Major zum Grena 
dierregiment Nr. 10 versetzt, wo er 1874 zum Bataillons 
kommandeur befördert wurde. Im folgenden Jahr trat 
er in den Ruhestand und verzog nach Kassel. 
Aus Witzen hausen. Hier wurde auf dem „Motz 
platz" unter den Weinbergen ein Denkmal für den Obristen
	        

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