Full text: Hessenland (28.1914)

118 S*3S¿> 
M. L. E. Graf von Lynar entstammte zwäk 
einer ursprünglich italienischen, bei seiner Geburt 
aber bereits in Preußen naturalisierten Familie, 
kann also als Italiener nicht mehr bezeichnet werden. 
3. Schweizer?) Karl Heinrich von der Lith 
war kein Schweizer. Er stammte aus einer bremischen 
Familie und war am 16. Januar 1754 in Ans 
bach geboren. Er stand seit 1799 in Marburg in 
lebhaftem Verkehr mit den geistig angeregtesten 
Universitätskreisen, war erklärter Weltbürger unbf 
Atheist. Er erschoß sich am 16. November 1806 
in Marburg, weil er die Schande, nach Auflösung 
der hessischen Armee als Gefangener nach Mainz 
abgeführt zu werden, nicht ertragen konnte. 
4. Dänen?) Zu erwähnen ist noch: Christoph 
von Wakenitz, einer sonst pommerischen Familie 
entstammend, wurde 9. September 1745 Fähnrich 
im Grenadierregiment. 
') .Hessenland' 1913, S. 60. 
4 ) .Hessenland' 1913, S. 358. 
5. Schweden?) Weiter sind zu erwähnen: 
JohannHolger von Mormann aus Schonen 
wurde 16. August 1745 Fähnrich im Regiment 
Donop. Er wurde bei Rocour 11. Oktober 1746 
gefangen^ Johann vonBöhmenaus Schonen 
wurde 28. Juli 1745 Fähnrich im Grenadier 
regiment. Der Fähnrich rstorws JohannGideon 
v o n G r ü s s e aus Enhammer in Südermannland 
wurde 1. Juli 1746 Fähnrich conformé im Re 
giment Garde, der Fähnrich Otto Christoph 
von Berg aus Schonen 1. September 1745 
Leutnant im Regiment Grenadier, 13. Miki 1751 
Kapitän darin, 22. Oktober 1753 verabschiedet. 
Für Mitteilung dieser Berichtigungen und Er 
gänzungen bin ich der Frau Anna Bölke, geb. 
Gissot in Melsungen und den Herrn Oberbiblio 
thekar Professor vr. Ph. Losch in Steglitz und 
Oberstleutnant Freiherrn v. Dalwigk zu Lichtenfels 
in Glogau zu aufrichtigem Danke verpflichtet. 
# ) »Hessenland- 1913, S. 359. 
Der ungeborene und der neugeborene Mensch im hessischen 
Volksglauben. 
Vergangenes und Gegenwärtiges. 
Von Heinrich Franz. 
(Fortsetzung.) 
Heute ist, soviel ich feststellen konnte, in Ober 
hessen der Brauch, in den Wochenstuben das Licht 
zu unterhalten, wesentlich eingeschränkt.. Immer 
hin dürfte er noch von „vielen" Familien geübt 
werden??) In Schmalkalden ist die Sitte, ebenso 
wie der von Lynker (Nr. 111) erwähnte Türver 
schluß durch Schurzband, nur wenig mehr vor 
handen?^) Dagegen hält ein neuerer Bericht 
erstatter für das sächsische Niederhessen * 4 27 28 29 30 ) die Sitte 
für das genannte Gebiet ohne Einschränkung auf 
recht. Ob er sich darin nicht irrt, muß ich dahin 
gestellt sein lassen. Die anderen neueren Be 
richterstatter äußern sich zur Sache überhaupt nicht. 
Hier schließe ich freilich ohne jedes Bedenken auf 
Übersehen, denn daß gerade im Hinterland, im 
Schaumburgischen, im fränkischen und thüringi 
schen Niederhessen, ün Fulder und Hanauer 
Land im Gegensatz zu Oberhessen, dem sächsischen 
Niederhessen und Schmalkalden die alte Sitte ganz 
geschwunden sein sollte, ist schlechterdings un 
glaubhaft?") 
27 ) Hessische Landes- und Volkskunde II, 147. 
28 i Hessische Landes- und Volkskunde II, 470. 
2 9 ) ebenda II, 585. 
30 j Für Belehrung über die augenblickliche Geltung 
der Sitte in den verschiedenen hessischen Landschaften 
Trotz Unterhalten von Licht und trotz Be 
obachtung auch der anderen Vorsichtsmaßregeln 
mag es sich fügen, daß den Dämonen ihr böses 
Vorhaben gelingt 31 ) und nun die entsetzten Eltern 
anstatt eines schönen Menschenkindes einen häß 
lichen elbischen „Wechselbalg" (alt- und mittel 
hochdeutsch wihseling), einen „Kielkropf", einen 
„Dickkopf" (so in Nassau nach seinem dicken Hals 
und dicken Kopf benanntes) heranwachsen sehen. 
Damit ist dann oft das traurige Schicksal des 
blödsinnigen Krüppels vorgebildet. Seine naiv 
gläubigen Eltern können sich nicht vorstellen, daß 
dieses Geschöpf mit dem dicken Kopf und den 
blöden Augen, das nicht ordentlich sprechen lernt, 
vielfach nur tierisch lallt, ihr Kind ist. Der 
Volksglaube verweist sie unter solchen Umständen 
auf verschiedene Wege und Mittel, um den Wech 
selbalg , los zu werden und ihr eigenes Kind 
wiederzubekommen. Erträglich noch, wenn emp 
fohlen wird, man müsse den kleinen Unhold da 
durch, daß man ihn etwas ganz Ungewöhnliches 
wäre ich sehr dankbar (Anschrist: Kassel-W., Geysostr. 
«£)■ 
31 ) Lynker Nr. 72, 73, 86, Grimm, Deutsche Mytho 
logie 427, Zeitschr. f. Hess. Gesch. und Landesk. I, 352. 
32 ) Kehrein 262.
	        

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