Full text: Hessenland (27.1913)

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Barmherzigkeit begleite euch zu den besiegten 
Feinden und in die Hütten der Bürger und Land- 
leute. Seid wahre Helden» aber auch wahre 
Menschenfreunde und — Christen. Lasset euch von 
dem Gedanken ergreifen und begeistern, daß der 
Prinz, für den alle eure Herzen hochaufschlagen, 
der als Vater für euch sorgt, an eurer Spitze steht, 
— der einzige Sohn eines siebzigjährigen, ver- 
ehrungswürdigen Landesfürsten. — Von euch, aus 
euren Händen fordern wir einmal den Prinzen 
zurück. Wo die Gefahr ihn umschwebt, werdet 
ihr ihn schützen, mit euren Leibern decken und eher 
alle sterben, als daß ihr den sterben laßt, für den 
ganz Hessen betet. Der Tod ist nichts! Aber ein 
Leben durch die Flucht gerettet, mit Schimpf und 
Schande gebrandmarkt, ist mehr als Tod, ist die 
Hölle auf dieser Welt. 
Ihr alle, meine Brüder, werdet euch als wahre 
Krieger, als echte Hessen zeigen. Tränen der 
höchsten Rührung, der innigsten Freude werden 
euren Eltern, euren Verwandten und uns allen in 
die Augen treten, wenn die erste Kunde, die erste 
Nachricht vom Rheine her kommt: „Eine Schlacht 
ist gewonnen, die Hessen haben ihren alten Ruhm 
behauptet, sie haben den Ausschlag gegeben und 
wie die Wetterwolke des Allmächtigen die Feinde 
niedergehagelt." Unsere Wünsche folgen euch, unsre 
Segnungen begleiten euch, unsere Gebete steigen 
für euch zum Himmel empor. Vergesset Gott nicht, 
so wird er euch auch nicht vergessen, bleibt ihm 
treu, so wird sein Allmachts-Arm euch schützen. 
Keiner von euch kann fallen ohne den Willen dessen, 
der über den Siemen thront. Heil und ewiger 
Friede über jeden, der mit unverletztem Gewissen 
für Fürst und Vaterland auf dem Felde der Ehre 
sein irdisches Dasein aushaucht! 
Denkt bei allen Strapazen, die euch bevorstehen, 
bei allen Gefahren und Beschwerden, die euch 
drohen, an den süßen Augenblick, wo eure Väter, 
Mütter, Brüder, eure Schwestem, wo wir alle 
mit frohem Jubel euch entgegenkommen und mit 
Freudentränen euch auf alte deutsche Art und 
Weise die Hand reichen. Die hessischen Fahnen 
werden euch zu Sieg und Ruhm und dann froh 
und mit Lorbeem geschmückt in unser Vaterland, 
in unsere Arme zurückführen. 
Allmächtiger î Der du den Krieg schaffest und 
gibst den Frieden, vor dir stehen Hessens Söhne 
in der Blüte ihrer Kraft, zum Kampfe für Recht 
und Freiheit, für Vaterland und ihren verehrtesten 
Regenten gerüstet. Begleite du sie auf der ge 
fahrvollen Bahn, die sie wandeln. Sei ihr Schutz 
und Schirm. Strahle Mut und Heldenkrast in 
ihre Adem, wenn die Donner, die Schrecken des 
Todes fie umschauem. Erwecke ihre Herzen zur 
Großmut und Menschlichkeit gegen den fliehenden 
Feind und gegen die Einwohner des Landes. 
Schütze und segne unsren teuersten Kurfürsten in 
ihrer Abwesenheit und laß ihn immer frohe und 
erheitemde Nachrichten von seinen braven Hessen 
erhallen. — Dein Schild decke unsem geliebtesten 
Kurprinzen ; dein guter Geist geleite und führe 
ihn! Allmächtiger! Sei mit ihm, mit unsren 
Söhnen, Brüdem und Vätern und mit uns allen; 
gib, daß wir, wenn es mit deiner Weisheit über- 
einstimmt, uns bald ftoh Wiedersehn und dann die 
uns noch übrigen Tage des mühevollen Erden 
lebens in Ruhe und Frieden vollenden. Amen! 
Der vaterländische Hrauenverein. 
1813 ISIS. 
Auch dieses heute so bedeutungsvollen Vereines 
darf im Jubiläumsjahre 1913 nicht vergessen 
werden. 
Als in Preußen jener gewaltige Sturm vater 
ländischer Begeisterung losbrach und Mann und 
Jüngling zu den Waffen rief. da blieben im edlen 
Wettstreit auch die Frauen nicht zurück, an ihrer 
Spitze die Prinzeffinnen des preußischen Königs 
hauses. Am 23. März 1813 erließ Prinzessin 
Marianne von Preußen einen Aufruf an die vater 
ländisch gesinnten Frauen Deutschlands zu wirk 
samer und tatkräftiger Unterstützung der jungen 
Freiheitsbewegung. Dieser Aufruf an die Frauen ist 
das Fundament des heute in höchster Blüte stehenden 
„Vaterländischen Frauenvereins" geworden, dessen 
Konstituierung am 1 April d. I. erfolgte. 
Prinzessin Marianne war eine Tochter des 
regierenden Landgrafen Friedrich V. von Hessen- 
Homburg, die seit ihrer Verheiratung mit dem 
Prinzen Wilhelm von Preußen am Berliner Hofe 
lebte und zur nächsten Umgebung der Königin 
Luise gehörte. Sie hatte die unglückliche Königin 
auf ihrer Flucht nach dem Osten der Monarchie 
begleitet und war bei deren Begegnung mit Napoleon 
zugegen gewesen. Regsten Anteil hatte sie an dem 
traurigen Geschicke Deutschlands genommen und 
sich nach dem Tode der Königin mit hingebender 
Liebe der Erziehung der verwaisten Prinzen gewidmet. 
Sie stellte sich an die Spitze der vaterländischen 
Hilssarbeit der Frauen und hat in diesem Frauen 
verein unsäglich viel Gutes bis zu ihrem 1846 
erfolgenden Tode gewirkt.
	        

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