Full text: Hessenland (27.1913)

Hestenlanb 
Hessisches Heimatsblatt 
Zeitschrift für hessische Geschichte, Volks- und Heimatkunde, Literatur und Kunst 
Rr. 4. 27. Jahrgang. Zweites Februar-Heft 1V13. 
Uber Namengebung in deutschen Fürstenhäusern 
mit besonderer Berücksichtigung des hessischen Fürstenhauses. 
In der Kasseler Monatsversammlung des Ge 
schichtsvereins sprach am 20. Januar Geheimer Ne 
gierungsrat Pros. Dr. Edward Schröder von der 
Göttinger Universität, ein geborener Hesse, über 
„Namengebung in deutschen Fürstenhäusern- 
mit besonderer Berücksichtigung des hes 
sischen Fürstenhauses" Redner, der bereits vor 
etwa zwölf Jahren einmal in Kassel über die Quellen 
und die verschiedenen Schichten des deutschen Namen 
materials und den Wechsel und Wandel der Mode 
in dessen Gebrauch sprach, pflegt diese Namenstudieu 
seit bereits zwei Dezennien, kann also schon deshalb 
als einer der trefflichsten Interpreten dieses Themas 
gelten. 
Auf den Höhen der Gesellschaft und Geschichte 
einherschreitend — so etwa führte Geheimrat Schrö 
der einleitend aus — können sich die Fürsten 
nicht, wie wir das bei Privatleuten erleben, rasch 
allen Zufälligkeiten und Eindrücken der Geschmacks 
wandlung hingeben, sie find auch in der Namen 
wahl beschränkt durch Tradition und Rücksicht. Je 
höher wir steigen, desto deutlicher nehmen wir bei 
der Namenwahl bewußte Absichten wahr, wir können 
erraten, warum man hier Namen festgehalten, dort 
ausgegeben und gemieden hat. Gewiß spielen Hoff 
nungen, Erinnerungen Verpflichtungen und An 
sprüche auch bei der Namenwahl in unseren Kreisen 
eine Rolle, aber vielfach sind diese Momente nur 
unbewußt und später, schon nach wenigen Gene- 
rationen, kaum noch erkennbar. Die Namengebung 
der Fürstenhäuser beansprucht aber auch deshalb 
ein erhöhtes Interesse, weil sie, vermittelt durch den 
Lehnstaat, Hofstaat und Kriegsstaat, die Namen 
gebung des ganzen Landes anhaltend und aus Gene 
rationen hinaus beeinflußt. 
Um nicht allzustark in das reiche Detail zu ge 
raten, führt Redner nun zunächst an der Hand von 
Einzelbeispielen in die historische Betrachtungsweise 
aus diesem Gebiet ein. 
Im März des Jahres 1459 hatte der deutsche 
Kaiser Friedrich III. einen Traum, es erschien ihm 
der hl. Maximilian, keiner der großen Heiligen, 
den erst eine Fälschung des 10. Jahrhunderts schuf. 
Dieser Traum hatte eine eigentümliche Folge, er 
gelobte sich, einen Sohn, der ihm geboren wurde, 
Maximilian zu nennen, und dieser wurde so der 
erste deutsche Junge, der den Namen Max führte. 
Dieser Name ging von Kaiser Max später auch auf 
die Wittelsbacher und dann auf viele katholische 
und protestantische Fürstenhäuser über, und außerdem
	        

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