Full text: Hessenland (27.1913)

*«*«£> 48 NSSL. 
worben, wird doch darin eine der brennendsten Zeitsragen 
auf das eingehendste erörtert. Der deutsche Text ist flüssig 
und glatt wie der deS Originals und wird der blühenden 
und schwungvollen Sprache Finots völlig gerecht. Über 
die Frage selbst, die in acht Kapiteln und fünf Anhängen 
behandelt wird, ist wohl hier nicht der Ort. in ausgedehnterer 
Weise zu verhandeln. Von der Vererbung männlicher 
Anlagen und Kräfte auf Mädchen, weiblicher auf Knaben, 
die doch fortgesetzt beobachtet wird, ist nichts gesagt, obgleich 
damit die Ansicht entkräftet werden kann, daß jahrhunderte 
lange Eindämmung des Weibes das Weib zurückgehalten, 
feine Kräfte verkümmert habe. Nirgends wird der Über 
legung Raum gegeben, daß es zum Wohle der Menschheit 
notwendig erscheint, einen Teil der Eltern — hier also das 
Weib — vor dem übermäßigen Verbrauch der Nervenkräfte, 
wie ihn der heutige Kampf ums Dasein erfordert, zu be 
wahren. um frische Kräfte dem kommenden Geschlecht zu 
sichern. Schwer arbeitende Frauen bringen schwächliche 
Kinder zur Welt. Die Statistiken der Schulen für Minder- 
befähigte, schwachsinnige und dergleichen Kinder zeigen hohe 
Ziffern solcher Kinder, die von geistig oder körperlich schwer 
arbeitenden Frauen geboren wurden. Wir freuen uns 
sogar, daß wir im Bauernstand noch in den nicht geistig 
arbeitenden Männern Reserven für die Kulturarbeit der 
Zukunft haben. Daß die Frau gleiche Rechte wie der 
Mann habe, ist gerecht, ist für das Individuum eine Wohl 
tat, für die Menschheit aber sicher nicht. Mann und Frau, 
die gleichzeitig ihre ganze Kraft um das Erringen des täg 
lichen Brotes — ist es die geistige Kraft, dann ist es noch 
schlimmer — verbrauchen, zeugen nur schwache, aufgeregte, 
nervöse Kinder. Dieses Gebiet der Untersuchungen — na 
mentlich amerikanische Gelehrte haben sich damit beschäftigt — 
berührt Finot nicht. 
Wie man sieht, regt das Buch zum Nachdenken an und 
bahnt neuen Ansichten Wege. Es handelt sich ja schließlich 
darum, durch allseitige Betrachtung der Frage der Wahr 
heit nahe zu kommen. Jedenfalls ist der Autor ein be 
geisterter Verfechter der Frauenrechte, ein von der. Mensch 
heit sehr hoch denkender Geist. Und in seinem Übersetzer 
fand er einen gründlich geschulten und gewandten Dol 
metscher seiner Ideen. Das Werk ist sehr empfehlenswert. 
Valentin Traudt. 
Personalien. 
Verliehen: dem Fabrikbesitzer Schulz zu Kassel, dem 
Beigeordneten, Rentner Auel zu Hersfeld, dem Oberlehrer. 
Professor Dr. Krull zu Eschwege. dem Pfarrer Noll 
zu Hofbieber, dem Pfarrer Römheld zu Steina der 
Rote Adlerorden 4. Kl.; dem Polizeipräsidenten von 
Schenck zu Wiesbaden (früher Landrat in Hanau) 
die Kammerherrnwürde; dem Arzt Dr. Fallmeier zu 
Hess.-Oldendors der Charakter als Sanitätsrat; dem Guts 
besitzer Koch zu Bruderdiebacherhof der Charakter als 
Ökonomierat; dem Oberzollkassenrendanten Dehnen, dem 
Bureauvorsteher bei der Kgl. Oberzolldirektion Ganse 
und den Oberzollsekretären Heinatschel und Selling, 
sämtlich zu Kassel, der Charakter als Rechnungsrat. 
Ernannt: Pfarrer Weber zu Wächtersbach zum 
zweiten Pfarrer in Fulda. 
Zugelassen: Gerichtsassessor Neitzke zu Rinteln unter 
Entlastung ans dem Justizdienste zur Rechtsanwaltschaft 
bei dem Amtsgerichte in Rinteln. 
übernommen: Gerichtsassessor Wallach zu Kassel 
unter Ernennung zum Regierungsassessor in die Verwaltung 
der direkten Stenern. 
überwiesen: Regierungsrat Juncker von Ober- 
conreut zu Arnsberg der Regierung in Kassel. 
übertragen: dem Landrat Freiherrn v. Dörnberg 
da8 von ihm bisher kommissarisch verwaltete Landratsamt 
in Fulda. 
Versetzt: die Ghmnasialprofessoren Marxhausen von 
Fulda nach Hanau und Schmidthenner von Hadamar 
nach Fulda zum 1. April. 
In den Ruhestand versetzt Oberbahnhofsvorsteher 
Stuckardt zu Treysa. 
Bestätigt: der zum Bürgermeister der Stadt Obern- 
kirchen auf Lebenszeit gewählte bisherige Bürgermeister 
Herzog. 
Geboren: ein Sohn: Dipl.Jng. H. Scho euer und 
Frau Gertrud, geb. Spielberg (Hamburg. 17. Januar); 
Gerichtsassessor Hadlich und Frau Frieda, geb. Brede 
(Kassel, 24. Januar); Rechtsanwalt Dr. Weber und Frau 
Gerta, geb. Baier (Kaste!, 26. Januar); Regierungsland 
messer Ewald und Frau Liesel, geb. Braun (Frankenberg, 
30. Januar). 
Gestorben: Präsident des Kgl. Oberlandesgerichts'zu 
Kassel Wirkl. Geh. Oberjustizrat Leopold von Hassel. 
69 Jahre alt (Kassel, 20. Januar); Kapitänleutnant Her- 
mann Freiherr von Dörnberg. 32 Jahre alt (Baden 
weiler. 21.Januar; beigesetzt im Erbbegräbnis zu Hausen); 
Hauptlehrer Adam Müller. 45 Jahre alt (Niederaula, 
21. Januar); Lehrerwitwe Frau KatharinaStöcker, 69 
Jahre alt (Marburg. 21. Januar); Frau Emilie Kalb- 
f l e i s ch. geb. Janda. 77 Jahre alt (Marburg, 22. Januar); 
Frau Wirkl. Geh. Oberregierungsrat Marie Steinmetz, 
geb. Matthes (Marburg. 23. Januar); Kaufmann Emil 
Bohnä (Kassel, 23. Januar); Frau Elise Läufer, geb. 
Rehn, 74 Jahre alt (Hersfeld. 23. Januar); Frau Rechts 
anwalt Elise Kleinschmidt, geb. Neumann, 86 Jahre alt 
(Marburg. 24. Januar); Gymnasialdirektor a. D. Dr. August 
WiSkemann,66 Jahre alt (Kassel 25. Januar); Dr. pdil. 
Eduard Oetker (Bielefeld, 25.Januar); Frau Elise Jser- 
loh. verw. Scharfscher, geb. Maus, 82 Jahre alt (Kastel, 
25. Januar); Rechtsanwalt und Notar Justizrat Wilhelm 
Dörffler aus Marburg (Bozen, 26. Januar); Privat 
mann Karl Wachenfeld, 71 Jahre alt (Kastei, 26. Ja 
nuar); Privatmann Andreas Sinning. 75 Jahre alt 
(Kassel. 26. Januar); Oberst a. D. Adalbert von Stock 
hausen. 76 Jahre alt (Trendelburg. 27. Januar); Frau 
Dorothea Döhrer, geb. Heuser, Witwe des Tierarztes 
(Marburg, 27. Januar); Fräulein Mathilde Schäker, 
55 Jahre alt (Fulda. 29. Januar); früh. Oberrrgisteur 
der Kasteler Hofbühne Albert Steude. 67 Jahre alt 
(Kassel, 29. Januar); Kunstmaler Wilhelm Wiegand 
(Rostock); Fabrikant Julius Steinbach, 61 Jahre alt 
(Hünfeld). 
Sprechsaal. 
Meine Angabe in Nummer 23 des .Hefsenlandes" vorigen 
Jahres verdient eine Berichtigung, da hier eine Verwechs 
lung mit einem älteren Bruder Theodor Gistot vorliegt, 
während der im Feldzug 1870/71 im II. Jägerbataillon 
als stellvertretender Kompaniechef stehende Max Giflot ur 
sprünglich im Kurhessischen Schützenbataillon stand, 1866 
zu den 11. Jägern kam und 1876 als Hauptmann zu 
dem 65. Jnfanterie-Regiment versetzt wurde. Am 29. März 
1892 Bezirkskommandeur in Saarlouis geworden, verstarb 
er daselbst bereits am 3. August 1894. 
F. v. und z. Gilsa. 
Für die Redaktion verantwortlich: Paul Heidelbach, Kastel. Druck und Verlag von Friedr. Scherl Kastel.
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.