Full text: Hessenland (27.1913)

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antrat und durch sein geschildertes Verhalten sich 
das Wohlwollen des Adels völlig verscherzte. Da 
war es denn erklärlich, daß es dem Adel nur 
willkommen sein konnte, als ein neuer Thron 
bewerber in der Gestalt Ottos des Ouaden auftrat, 
der behauptete, als Enkel ein besseres Recht auf 
die Nachfolge Heinrichs zu haben, als dessen Neffe 
Hermann. Als erster und mächtigster Bundes 
genosse schloß sich Graf Gottfried VII. von Ziegen 
hain dem Braunschweiger an. Ihm gelang es 
1371, den hessischen Adel zu einem mächtigen 
Ritterbund gegen die Landgrafen zu vereinigen, 
der das Wappenbild des Ziegenhainers, den Stern, 
als Abzeichen annahm und danach der Sterner- 
bund genannt wird. Otto, der sich im allgemeinen 
mehr im Hintergrund hielt, und die Sterner trieben 
die Landgrafen gewaltig in die Enge. Als Hermann 
in der Fastenzeit des Jahres 1372 eine Versammlung 
der hessischen Städte auf dem Markte zu Marburg 
abhielt, da konnte er versichern, daß er seine sämt 
lichen Anhänger mit einem Groschenbrot speisen 
könne. Die Städte verpflichteten sich dem Land 
grafen damals zu treuer Hilfeleistung, aber das 
allein würde ihn nicht gerettet haben. Er mußte 
Hilfe von außen suchen. Am 9. Juni 1373 schloß 
er zu Eschwege mit den Markgrafen zu Meißen 
und Thüringen eine Erbverbrüderung, die den 
Braunschweiger Otto gänzlich von der Erbschaft 
des Hessenlandes ausschloß. Die Hilfe, die dem 
Landgrafen durch diese Einigung und den nach 
folgenden Bundesvertrag vom 3. Oktober 1374 
wurde, und die Gewißheit für den Braunfchweiger, 
daß das Hessenland für ihn verloren sei, blieben 
nicht ohne Wirkung. Wenn sich der Sternerkrieg 
auch noch längere Zeit hinzog, so gewannen die 
Landgrafen doch allmählich die Oberhand, und im 
Jahre 1374 kam es endlich zur Auflösung des 
Sternerbundes. Am 2. Juli 1375 verglich sich 
dann Otto der Ouade mit dem Landgrafen und 
verzichtete auf alle Erbansprüche an Hessen. 
(Fortsetzung folgt.» 
Das westfälische (8.) Armeekorps in Rußland 1812. 
Unter besonderer Berücksichtigung des ersten Teiles des Feldzugs (bis Moskau). 
Nach dem Vortrag von Exzellenz Generalleutnant Beß im Marburger Gefchichtsverein. 
Der Vortragende ging von der Absicht aus, der 
westfälischen Männer zu gedenken die vor 100 
Jahren, um für einen Napoleon zu kämpfen, fremden 
Fahnen in fremdes Land folgten, in echter Soldaten 
treue ihre Pflicht taten, aushielten, aus den Schlacht- 
seldern Rußlands dem deutschen Namen besondere 
Ehre machten und, fern von der Heimat, bis auf 
wenige zu Grunde gingen. Die Teilnehmer an dem 
Heereszuge, namentlich die Oberstleutnants von Loß- 
berg, von Conrady, der Kapitän v. Linsingen kamen 
hierbei zu Worte, auch wurden die Aufzeichnungen 
des Generals von Ochs des öfteren angeführt. 
Zunächst legte der Vortragende dar, wie Napoleon, 
der ein Riesenheer nicht nur bereit gestellt, son 
dern auch in umfassendster Weise Vorsorge für dessen 
Verpflegung und den Nachschub getroffen hatte, es 
zu der erhofften Entscheidungsschlacht dicht hinter 
der Grenze nicht brachte, wie er den ausweichenden 
Russen ins Innere des Landes nachfolgen mußte 
und hierbei die Größe des Heeres zu seinem Ver 
derben wurde. Ohne die heute uns zur Verfügung 
stehenden Hilfsmittel war damals ein so großes 
Heer nicht zu verpflegen und zu bewegen. Große, 
die Schlagsertigkeit in Frage stellende Verluste er 
gaben die Märsche der zusammengehaltenen Massen 
schon von vornherein, Halte wurden nötig, während 
deren der Gegner sich dem Schlage entzog. Aus 
Magazinen und mittels Nachschubes in dem kultur 
armen Lande zu leben, namentlich später, als die 
Hauptarmee in einer großen Kolonne marschierte, 
war ausgeschlossen, zumal die wenigen und schlechten 
Wege, sowie mangelnde Organisation des Fuhr 
wesens die Nachfuhr erschwerten. Die Truppen 
waren aus Requisition angewiesen, und diese ver 
sagte auf diesem Kriegstheater, bei feindlicher Be 
völkerung und bei der ganz unzulänglichen Armee- 
Verwaltung völlig. Der Soldat mußte hungern, 
hals sich selbst, die Disziplin ließ nach, hörte schließlich 
aus. Daran ging das Heer zu Grunde — nicht 
etwa, wie Napoleon es verbreitet haben wollte, 
durch den Frost. Die Kälte und der Feind haben 
nur den Untergang des Heeres beschleunigt. Alle 
diese Umstände waren auch von bestimmendem Ein 
fluß auf die Schicksale der westfälischen Truppen. 
Diese waren Mitte Februar 1812 kriegbereit, 
wurden als 8. Korps der französischen Armee unter 
dem General Vandanime formiert, erreichten An 
fang Mai die Gegend von Warschau, und kanto 
nierten dort bis Mitte Juni. Die 2. Brigade der 
2. Infanterie-Division war nicht beim Korps an 
wesend, das 1 Regiment beim Korps Macdonald, 
das 8. in Danzig erreichten erst im Oktober das 
Korps; das 4. wurde der Donau-Armee zugeteilt, 
blieb in Wilna und trat dann zum bayerischen
	        

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