Full text: Hessenland (27.1913)

*«NCb 404 BML- 
los die gleichen Geist atmenden Zeichnungen JakobHapps 
das Ihrige beitragen. Beide — Dichter und Zeichner — 
offenbaren meines Erachtens hier einen Grad lünstlerischer 
Reife und Vollkommenheit, der frühere Leistungen weit 
übertrifft und Höhepunkte ihres Schaffens bedeutet. 
Hersfeld. Dr. Wilhelm Schoof. 
Hestler, Karl. Sagenkranz aus Hessen- 
Nassau. Sagen und Erzählungen aus beiden 
Hessen und Nassau. Dritte vollständig umgearbeitete, 
illustrierte und sehr vermehrte Auflage. 260 Seiten. 
Kassel (Vietorsche Hofbuchhandlung) .1913. 
Preis 3 Mark, gebunden 4 Mark. 
Es ist mit Freuden zu begrüßen, daß dieses Buch 
in neuer Auflage erscheinen konnte. Es wurde gegen 
die frühere Auflage von 1894 um 39 Stück vermehrt, 
wobei allerdings auch der alte Rahmen gesprengt und 
Erzählungen geschichtlichen Inhalts mit aufgenommen 
wurden. Weiter sind die Sagen nach Landschaften ge 
ordnet worden. Besondere Hervorhebung verdienen die 
wirklich hübschen Zeichnungen, die dem Buche mitge 
geben wurden. So wird denn der „Sagenkranz" auch 
im neuen Gewände wieder seine Freunde unter Jung 
und Alt finden und mit dazu beitragen, unsre schönen 
alten Sagen der Vergessenheit zu entreißen. Der Heraus 
geber hat übrigens die Gelegenheit benutzt, durch ein 
vorausgeschicktes Gedicht „Hessenland" den Nachweis zu 
führen, daß ihm zum Dichten aber auch wirklich alles 
fehlt. Nachdem ihm diese Beweisführung so überaus 
glänzend gelungen ist, dürfen wir hoffen, daß er die 
schönen hessischen Sagen das nächste Mal ohne diesen 
„Poetischen" Vorspann ins Land ziehen läßt. H'bach. 
Herre, Paul. Deutsche Kultur des Mittel 
alters in Bild und Wort. Mit 245 schwarzen Ab 
bildungen auf 112 Tafeln und 1 farbigen Titelbild. 
82 Seiten Text, 112 Seiten Abbildungen. Leipzig 
(Quelle u. Meyer). Preis geh. 2 M., geb. 2,50 M. 
Musterhafte Ausstattung, prächtiger Einband und ge 
diegener Text vereinen sich hier mit auffallend billigem 
Preis. In erschöpfender Weise bietet dieser Kultur 
atlas in meist unbekannten Bildern die vielseitigen 
Äußerungen mittelalterlichen Kulturlebens, und zwar in 
der Beschränkung auf deutsche Verhältnisse, die oft auch 
Hessisches mit einschließen. Die Abbildungen bilden den 
eigentlichen Körper des Buches und werden durch einen 
knappen, aber ausreichenden Text erläutert, der »eine 
überraschende Fülle von Belehrung bringt. Alles in 
allem ein gediegenes Werk. H'bach. 
Benzmann, Hans. Die deutsche Ballade. 
Eine Auslese aus der gesamten deutschen Balladen-, 
Romanzen- und Legenden-Dichtung unter besonderer 
Berücksichtigung des Volksliedes. Band I. von den 
ältesten Zeiten bis zur Romantik. 408 Seiten. 
Band II. von der Romantik bis zur Gegenwart. 
494 Seiten. Leipzig (Hesse u. Becker) 1913. 
Beide Bände in Leinen gebunden 7 M. 
In so umfassender und grundsätzlicher Weise ist die 
deutsche Volksballade bisher noch nicht zur Darstellung 
gekommen. Die Sammlung geht noch über das hinaus, 
was der Titel verspricht, sie bringt auch Beiträge aus 
der epischen und rein lyrischen Dichtung des deutschen 
Mittelalters, Zaubersprüche, Schwänke, Rätsellieder, selbst 
das Volkslied anderer Völker findet Berücksichtigung. 
Besonders angenehm ist die übersichtliche Anordnung. 
Die vortrefflichsten und lebensvollsten deutschen Bal 
laden werden nicht nur ästhetisch, sondern auch historisch 
gewürdigt. Auch sind die der Ballade verwandten und 
gegensätzlichen poetischen Kategorien und deren Ent 
wicklung dargestellt. Eine ganz vortreffliche Einleitung 
über Wesen, Typen, Stilarten und Entwicklung der 
Ballade, Vorbemerkungen zu den einzelnen Teilen, Sach- 
und Autorenregister sowie ein alphabetisches Register 
der Überschriften sowohl wie der Bersanfänge machen 
dieses voluminöse Buch, das die Balladendichtung vom 
Hildebrandslied bis zur neuesten Zeit umspannt, nicht 
nur zum Nachschlagewerk für den Forscher, sondern lassen 
es auch dem Laien zu einer stets neuen Quelle reinen 
Genusses werden. Und als Haus- und Familienbuch 
möchten wir auch in erster Linie diese reichhaltigste 
Sammlung deutscher Balladen gedacht wissen. H'bach. 
Verskunst. 
Wer den alten Spruch „Frfeia non cantat" auf Hessen 
übertragen wollte, und die Vergangenheit würde ihm 
nicht ganz Unrecht geben, sähe sich mit jedem Jahr mehr 
Lügen gestraft. Zu den neuen Erscheinungen dieses 
Jahres gehören die „Gedichte" von Johanna 
Weichelt (Marburg, Verlag Adolf Ebel, 126 S.). 1,80 M. 
Stimmungsbilder, Kampf, Liebe, Schelmereien sind ihr 
Inhalt. Überall eine eigene Note, manche Kleinigkeit 
zwischen viel Bedeutsamem, keckes Stürmen neben seliger 
Hingabe, wilde, trotzige Verzweiflung und fröhliches 
Scherzen, überall aber Gegenständlichkeit, die wir vom 
wirUichen Dichter verlangen. Keine Zimperlichkeit auch 
dem spröden Stoff gegenüber, die Fähigkeit, altes in 
neuer Form zu bieten, prächtig düstre Naturbildchen 
zu schaffen und dem innersten seelischen Empfinden künst 
lerischen Ausdruck zu leihen, geben die Gewähr, daß 
die Dichterin auf dem von ihr betretenen Feld noch 
manche großkörnige Frucht ernten wird. — Mit Rudolf 
Friedrichs „Gedichten" (Lenienverlag, Leipzig 
1913, geb. 2 Mark) weiß ich nichts anzufangen. Un 
klare, weltschmerzliche Stimmungen haben hier ihren un 
klaren Ausdruck gefunden.- Auch mit der äußern Form 
hapert's. Reime wie Frühster»: Flüstern usw. sollten 
überhaupt dem Setzerkasten fernbleiben. Vielleicht ist der 
Verfasser noch recht jung, und dann bleibt uns die Hoff 
nung auf ein fröhlicheres Wiedersehn. — Nur drei Bogen 
füllen die „Losen Blätter" von Hedwig von 
B e h r (Härtel & Co., Leipzig, 1 Mark, geb. 1,75), 
Blätter der Sehnsucht und des Schmerzes, auf denen es 
wie feiner Rosenduft liegt. — Das Wertvollste sehe ich 
in Karl Freihern von Berlepsch's Gedichten 
„Trinken will ich Dein Gold" (Belhagen & 
Klafing, Bielefeld und Leipzig). Diese Sammlung wird 
den nicht überraschen, der die dichterische Entwicklung des 
auch den Lesern des „Hessenlands" längst bekannten 
Dichters seit seiner Mitarbeit am Marburger Dichterbuch 
verfolgt hat. Sie bedeutet ein rastloses Aufwärtsschreiten, 
das die reichen Früchte des vorliegenden Bandes krönen. 
Mag der Dichter an taufrischem Morgen vor der Jagd 
hütte weilen, hoch zu Roß durch die Buchenhallen des 
Waldes streifen, zum Schloß seiner Väter emporklimmen 
oder auf beschwerlichem Pfade zu den Bergen des En 
gadin, immer weiß er seiner Stimmung formvollendeten 
Ausdruck zu leihen. Ein neues Moment bringen eine 
Reihe köstlicher Kinderlieber. Am stärksten und auch 
hinter einem Börnes von Münchhausen und Lilien- 
cron nicht zurückstehend, scheint mir Berlepsch in der 
Ballade; ich verweise nur auf die „Deutschen Soldaten" 
und auf den „Weichensteller", beides Stücke von grandi 
oser Wucht. Ob des Dichters ureigenes Feld auf dem 
Gebiet der Ballade liegt, wird bei seiner starken Bega 
bung auch für das Zart-Lyrische die Zukunft lehren. — 
Das tausendjährige Fest Kassels hat vermuüich Gustav 
E s k u ch e veranlaßt, „Hessische Elegien aus der
	        

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