Full text: Hessenland (27.1913)

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blätter behandeln u. a. zwei Kasseler Sujets, den Markt 
auf dem Königsplatz und die Messe auf dem Karlsplatz 
in besonders reizvoller Weise. Weiter sehen »vir die 
alte Veste Spangenberg im Schnee, die Niester Dorf 
straße zur Winterszeit, das schön gelegene Allendors 
a. W., das malerische Homberg a. Ohm. Sehr hübsch 
sind die Ansichten von Densberg a. Ohm und Felsberg 
a. d. Edder, die uns in die Sommerszeit führen. Das 
stimmungsvoll erfaßte Fuldatal bei Wilhelmshausen im 
Ernteschmuck leitet zum Herbst über. Sehr »virkungs- 
volle Wiedergaben von Laubach und Schlüchtern ver 
vollständigen das Kalendarium, das gewiß manchem auf 
dem Weihnachtstisch eine große Freude bereiten »vird. 
Alt-Hessen. Drittes Heft. W. Strieders, 
Wilhelms höhe. Mit einer Einleitung, 64 Tafeln 
und 80 Textbildern. Herausgegeben von A. Holt- 
meyer. XCI Seiten Text und 64 Seiten Abbil 
dungen. Marburg (N. G. Elwert) 1913. 
Preis 2,80, gebunden 4 Mark. 
In diesem dritten Heft der verdienstvollen Holt- 
meyerschen Serie gelangt zum ersten Mal das für das 
Studium der Umgestaltung der Wilhelmshöher Anlagen 
unter Wilhelm IX. überaus wichtige Striedersche Manu 
skript zum völligen, Abdruck. Voraus geht eine Aufschluß 
reiche Einleitung des Verfassers, während eine Fülle 
prächtiger und hervorragend scharfer Abbildungen nicht 
nur den jetzigen Bestand der Wilhelmshöher Schöpfung, 
sondern auch das längst Geschwundene oder auch rrur 
Geplante vorführt. Hier stand dem Herausgeber das reiche 
zum größten Teil bisher unbekannte Jllustrationsmaterial 
aus der Wilhelmshöher Schloßbibliothek zur Verfügung, 
so daß auch diese neueste Gabe unseres jetzigen Bezirks 
konservators ebenso starke Verbreitung finden dürste, 
»vie die früheren. H'bach. 
Kasseler D i ch t e r b u ch. Herausgegeben von Karl 
Waldemar Noll e. Buchschmuck von C. Dey- 
mann. 268 Seiten. Kassel (A. Freyschmidt) 1913. 
Preis in Leinen gebunden 3,50 M. 
Es »var aus mancherlei Gründen ein mutiges Wagnis, 
ein Kasseler -Dichterbuch herauszugeben. Karl Walde 
mar Nolte hat's gewagt, und »vir danken ihm dafür. 
Seine Absicht, einen Überblick über die gegenivärtige 
literarische Bewegung in Kassel, besonders auf lyrischem 
Gebiet, zu geben, ist ihm gelungen. Anzuerkennen ist 
auch sein Streben nach Vollständigkeit der Sammlung. 
Und so hat er einen Strauß gewunden, in dem zwischen 
stolzen Rosen und Orchideen, z»vischen Treibhaus-, Feld-, 
Wald- und Wiesenblüten auch manches Pslänzlein Un 
kraut hervorlugt, einen bunten Strauß, aus dem »vir 
nun herausholen dürfen, »vas uns gefällt. Mehr als 
drei Dutzend Kasseler Dichter stehen hier auf dem Plan, 
zum ersten Mal durch ein gemeinsames Band vereint. 
Neben guten alten Bekannten wie Traudt, Bcrtelmann, 
v. Berlepsch, E. v. Weitra, M. Holmquist — der ein 
zigen Nichtlebenden —, Altmüller, M. v. Eschen machen 
wir die Bekanntschaft neuer Talente, die zum Teil 
recht viel versprechen, da ist Gottfried Buchmann, ein 
feinsinniger Poet, ferner Friedrich Elliot v. Franken 
berg, noch mit souveräner Verachtung der äußeren Form, 
der or mehr Sorgfalt zuwenden sollte, aber ein wer 
dender Dichter, und Karl Waldemar Nolte selbst, der 
Herausgeber des Bandes. Unter den Damen, deren 
Bekanntschaft uns das Dichterbuch zum ersten Mal 
vermittelt, fällt besonders Frieda Hupbach angenehm 
auf. Aber auch andere bieten Gutes. Es ist nicht mög 
lich, im Einzelnen auf die mannigfachen Leistungen ein 
zugehen. Es mag genügen, noch einmal festzustellen, daß 
sich der Herausgeber durch diese Gabe wirkliche Ver 
dienste er»vorben hat. Möge seine mühsame Arbeit nun 
auch darin ihren Lohn finden, daß das Kasseler Dichter 
buch auch wirklich dahin seinen Weg findet, wohin es 
gehört, in die Häuser der literarisch gebildeten Kasselaner. 
H'bach. 
Schwalm, Joh. H. Jonker Ho ose. Ee Lied aus 
d'm Schwalmdal. Mit Bilderschmuck von Jak. Happ. 
167 Seiten. Ziegenhain (Verlag von Wilhelm Korell) 
1913. Preis 1,65 Mk. 
Der durch seine Gedichtsammlungen „Kreizschwerneng, 
Spaß muß seng", durch die Sammlung von Sprich 
wörtern „Schwälmer Wees" und wertvolle Volks- und 
landeskundliche Beiträge über die Schwalm bekannte 
Dichter I. H. Schwalm hat uns heuer noch rechtzeitig 
für den hessischen Weihnachtstisch eine neue Gabe in ge 
bundener Form und Schwälmer Mundart beschert, die 
sich von den früheren Gedichtsammlungen in manchen 
Punkten unterscheidet. Kein übermütig sprudelnder Humor 
und derber Spott über Schwächen seiner biederen Lands 
leute klingt uns aus diesen Versen schelmisch entgegen, son 
dern ruhig und behaglich in epischer Breite gleiten die 
Verse dahin. Ein hohes Lied auf Schwälmer Art und 
Wesen, auf Schwälmer Liebe und Treue, die so fest „bie 
Schwälmer Eeche" gewurzelt ist, kann man dieses Epos in 
Schwälmer Mundart nennen. 
Es enthält die bekannte Sage von dem Junker Hans 
Hoose und dem Landgrafen Karl von Hessen, der, bei 
einer Jagd verunglückt, in Hans Hoose seinen Lebens 
retter findet, aus Dankbarkeit als Freiersmann für ihn 
mit glücklichem Erfolge auftritt, an seiner Hochzeit teil 
nimmt und von ihm als Schuld für einen der Landgräfin 
verabreichten Kuß die „Dukatenmetze" erhält. 
Es muß zugegeben »verden, daß dies ein guter Griff 
»var und daß der Dichter die nicht leichte Aufgabe, die 
er sich hier gestellt hat, in überaus glücklicher Weise ge 
löst hat. Denn der Stoff, der hier dichterisch verivertet 
»vird und sich im Schwälmer Volk durch Generationen 
hindurch einer großen Volkstümlichkeit erfreut, ist zwar 
schon öfters von Dichtern in hochdeutscher Sprache be 
handelt worden, aber meist mit so geringem Erfolg, daß 
die Dichtungen bald wieder vergessen wurden. Das mag 
zum Teil an der Art der künstlerischen Auffassung und 
der äußeren Fom, zum größeren Teil aber daran gelegen 
haben, daß die Dichter zu wenig mit der Schwälmer 
Wesens- und Denkungsart vertraut »varen. Nun ist dieser 
Wurf einem Dichter gelungen, der selbst Schwälmer von 
Geburt und mit allen Fasern seines Herzens in Schwälmer 
Volksart »vurzelnd, Land und Leute wie kein ztveiter 
kennt, dazu ein tiefes Gemüt und künstlerische Reife aufs 
glücklichste in sich vereinigt. So ist hier ein eigenartiges, 
reizvolles Kunstwerk entstanden, das alle Saiten der 
Schwälmer Volksseele erklingen läßt und geeignet ist, eine 
Art von Schwälmer Nationalepos zu werden. Schwälmer 
Fühlen und Denken, Schwälmer Sitten und Bräuche sind 
hier in geschickter Weise in den Gang der Handlung 
hineingewoben, ohne diese selbst aufzuhalten oder den 
Leser zu langweilen. 
Um der Dichtung auch über die Grenzen des Schwäl 
mer Landes hinaus Freunde zu er»verben, hat der Dichter 
den Versuch gemacht, neben dem mundartlichen Text eine 
hochdeutsche Übersetzung in gebundener Form zu geben, 
die jedoch keinen Anspruch darauf macht, ein Kunstwerk 
zu sein, sondern lediglich — infolge der mannigfachen 
Schwierigkeiten der Schwälmer Mundart — dazu dienen 
soll, das Verständnis für Nichtschwälmer zu erleichtern. 
Wenn Schwalms „Junker Hans Hoose" eine volkstümliche 
Dichtung zu werden verspricht, so werden hierzu zweifel-
	        
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