Full text: Hessenland (27.1913)

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Dagegen ist Lichenrod bei Birstein aus älterem 
Libechenrod 1341, Lyebechenrode 1363 ent 
standen und gehört nach Arnold a. a. O. 446 
-um Personennamen Libicho. Wohl aber dürfen 
siebte (Dorf in Thüringen), Licht und Berg- 
licht, zwei hochgelegene Dörfer im Hundsrück, mtb 
Lieh bei Gießen hierhergestellt werden. Letzterer 
Name, 709 als Leoehe, dann als Leohe, Lioehen, 
im 14.Jahrhunderts als Lyche, Liehe, Lyechin, 
Lyeche, Lieche, Lyech urkundlich bezeugt, wird 
von Sturmfels zu leoh, lioh, loh, Hain, Wald, 
Buschwald gestellt. Auch die naffauischen Flur 
namenb) Lieht, Lieh, Lichten, Lichte^* *) Lichter 
bach, Lichterwies, Leuchte, Leichgraben, Leich 
heck, Leichengewann, Leichental, Leichenweg, 
die belgischen Warnen 10 ) aufm Licht, lichte Büsche, 
Lichtenhagen, Lichtenscheid, Lichtscheid, und 
thüringisch n ) Lichtgebreite oder am Lichten 
rasen, Flur Wechmar, Gemeindeland, gehören 
hierher. 
Wie neben Lichtenscheidt sich in älterer Zeit 
Leytensceith, neben Lichtenberg, Littenberg, 
Lithenberg, neben Lichtenowe, Lythinnowe findet, 
so findet sich heute Leutenberg neben Leuchten 
berg und sogar Leiterberg statt Lichterberg, 
Leichterberg. Es findet sich hier vielfach eine 
Vermengung des alten Wortes Leich „Platz, Lager" 
mit ahd. hlita clivus, „Leite, Liede, sanftansteigende 
Höhe, Abhang" und mit ahd. leiti, leitn, mhd. 
leite Weg, Zug (über die Höhe), so daß die Deutung 
in einigen Namen wie Leiteberg, Leiteborn, 
Leidenmühle, Leiderstädt, Leidhecken sehr er 
schwert wird. Letzteren Namen möchte Arnold (und 
Sturmfels, der wie hier öfters kritiklos Arnold folgt) 
wegen des schon im Eberhard'schen Kodex auf 
tretenden ei zu leiti ductus statt zu hlita clivus 
stellen. Mit größerer Wahrscheinlichkeit wird man 
aus den Grundwort hecke und seiner Lage an 
einem alten Pfahlgraben folgern können, daß in 
dem Bestimmungswort das alte leich enthalten ist, 
daß Leitheckin (1348) aus Leich-heckin zu beuten 
wäre. Auch bei dem Namen Leihgestern möchte 
man das alte leich wittern und es nach Analogie 
von Lichtenstern als Leiche-stern 12 ), Leich 
stern deuten, wenn dem nicht die sich schon in den 
alten Schenkregistern findenden Schreibungen Leit- 
castre, Leitzcastrum, Leucastrum, Leicastrum 
') Wytz Hess Urkundenbuch II. 572. 650. 653. 1163, 
1292. 
Kehrein a a. O., 494 u. 495. 
*) wohl aus Lichtenhart entstanden. 
'") Leithäuser. Brrgische Ortsnamen. S. 219. 
") Gerbig a. a. O.. 250. 
’*) stern, älter sterin (g. B. Sterinberg — Sternberg) 
findet sich neben stim in zahlreichen Bergnamen: Stern- 
berg, Stirnberg, Stirnbelle usw. 
widersprächen Immerhin möchte ich die Ableitnng 
von lat. castrum nicht als so absolut unzweifel 
haft hinstellen wie es Arnold (und mit ihm Sturm- 
fels) tut. Denn die urkundlichen Schreibungen 
Leigesteren, Leikestre, Legesteren, Leitgesterin, 
Leithgesterin, Leigesterin, Leitgesteren, Leic- 
gestrin, Leytgestren, Leugistern, Leckestrin aus 
dem 14. Jahrhundert 18 ) lassen die Vermutung auf 
kommen, daß wir es bei Leitcastre, Leizcastrum 
mit einer willkürlichen Schreibung eines gelehrten 
Schreibers zu tun haben, wie sie im Mittelaller 
nicht selten vorkommen (Confugium für Kausungen, 
Haucheburc für Hachborn, ^manaburg für Amöne 
burg 14 , Haunerspiegel für Hermannspiegel usw.). 
Da wohl die Erinnerung an ein castrum vor 
handen war, andererseits das diesen Begriff wieder» 
gebende Bestimmungswort nicht mehr verstanden 
wurde, suchte man den Sinn castrum infolge des 
zufälligen Gleichklangs mit gesteren einzudeuten, 
so daß sich ein völlig verändertes Grund- und Be 
stimmungswort ergab, ähnlich wie ich das im 
Namen Ungedanken nachzuweisen versucht habe. 
Mit Recht sagt Haas ") in Bezug auf solche Um- 
deutungen: „Wenn auch nur ein Bestandteil eines 
Kompositums wesentliche laittliche Veränderungen 
erleidet und außerdem noch dessen bei der Zu 
sammensetzung maßgebend gewesene Bedeutung ver 
altet oder gar ausstirbt, so muß die Verständlich 
keit des Kompositums erlöschen." Die Schreibung 
Leitcastre beweist, daß der erste Teil zugleich mit 
der Umbildung des zweiten Bestandteils an ahd. 
leiti „Höhenzug" angeschlossen wurde, so daß sich 
merkwürdigerweise die ursprüngliche Bedeutung 
„Lager, Platz auf einer Höhe" erhalten hat. 
Die Schreibung Leckestrin, Legesteren läßt 
vermuten, daß in den ersten Bestandteil auch ahd. 
legar, mhd. leger, hessisch leger „Lager" ein 
gedeutet worden ist, wie wir es in den Flur 
namen Kuhläger 18 ), Lagerfeld (bei Seibelsdorf) 
haben. Daß in diese Gruppe auch die Orts 
namen. Lickwegen bei Obernkirchen, von Arnold 
zu lila corpus gestellt, Lick (1369 Licke castrum 17 ) 
und der Marburger Straßenname Leckergasse am 
ehemaligen Leckerberg (Leckirberg, Lekkirberg, 
Legkerberg 14. Jh.) gehören, möchte ich hier nur 
andeuten. Ich hoffe, darauf demnächst in andrem 
Zusammenhang zurückzukommen und Beweisgründe 
dafür anzuführen. 
So führt uns der Biedenköpfer Waldname Kuh- 
") Wyß, Hess. Urkundenbuch. II. 667. 732. 741 usw. 
") Einen neuen Deutung-versuch an der Hand von 
Flurnamen hoffe ich demnächst zu veröffentlichen. 
") Fuld. Gesch.-Bl. 1912. S. 16. 
") Dgl. auch Buck a. a. O.. 152 und 159. 
") Oesterlry. Historisch - Geographisches Wörterbuch 
des deutschen Mittelalters (Gotha 1883). S. 394.
	        

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