Full text: Hessenland (27.1913)

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solches ohne weiteres? Hier wende ich wich an 
die gereiften Männer. Was in Jahrzehnten, in 
Jahrhunderten heranwuchs, was ganze Geschlechter 
erfreute, was der Landschaft Charakteristik und 
Schönheit gab, das zerstört die Axt in wenigen 
Augenblicken. Nicht der Holzwert soll entscheidend 
sein, es gibt Werte, die unendlich höher stehen. 
Mehr Idealismus und weniger nüchternen Ge 
schäftssinn. Frankreich gibt uns hier ein bezeichnen 
des Beispiel. Man hat dort erkannt, daß Baum 
schutz Heimatliebe fördern heißt, daß im Schatten 
der Bäume die Seele des Volkes veredelt >vird. 
Kürzlich tagte in Paris ein Kongreß, der sich aus 
schließlich mit dem Thema Baumschutz befaßte. 
Die maßgebenden Männer Frankreichs nahmen 
an den Beratungen teil. Sollen wir uns durch 
Frankreich beschämen lassen? Daruin, deutsche 
Frauen und deutsche Männer, schirmt auch Eure 
Heimat. „Schutz unsern Bäumen" Baut zerstörte 
Werte wieder auf, und Ihr leistet eine vater 
ländische Kulturarbeit, die kein klingendes Gold 
wett machen kann. Mit der Jugend laßt die Bäume 
heranwachsen, und sie wird draußen in der Welt 
die Heimat als ein Heiligtum im Herzen tragen, 
die weite stille Flur, mit ihren mächtigen Ulmen 
und Buchen am hohen Kreuz, mit ihren Ahorn 
und Eichen am Wegesaum, mit ihren ewig plaudern 
den Pappeln am Uferrand, die Scholle mit dem 
tiefgiebeligen Haus und dem Wall von knorrigen 
Bäumen rundum. Und in schweren Stunden wird 
ihr Rauschen herüberklingen wie Glockengeläute, 
weit aus fernem glücklichen Land. Die Stätte der 
Kindheit liegt wieder da im Sonnenglanz, und 
leuchtende große Kinderaugen blicken wieder fragend 
und ehrfürchtig zu den trutzigen Eichen, zur ge 
waltigen Linde am Hoftor auf. Und ihr Raunen 
wird sein wie eine Mahnung. „Sieh aus uns, 
die wir Deine Heimat hüten und sei stark. Auch 
wir wurden im Sturm und Wetterbraus groß. 
Laß Dich nicht niederzwingen von den Stürmen 
des Lebens' Sieh auf uns und bleibe stark?" 
Beiträge zur hessischen Ortsnamenkunde II. 
Von vr. Wilhelm Schoos, Hersfeld. 
(Schluß.) 
Der große und kleine Leuchtberg bei Eschwege 
sollte daher eigentlich Leichberg heißen. Er kommt 
im 13. Jahrhundert als Lichberg, Lychberg vor 
und wird von A r n o l d * *) fälschlich zu lih corpus 
gestellt. Ferner gehören hierher: die Leuchte bei 
Marburg auf dem Gaulskopf mit in Dreiecksform 
angelegter Befestigung (ähnlich wie die Schweden 
schanze in der Rhön), der Sage nach altsächsische 
Fliehburg mit starkem Wall und Graben, die 
Leuchte bei Homberg (@fee 2 ), im Volksmund Lichte 
genannt, am Ende eines langen Grabens, mit 
alten Buchen und Eichen (darunter fünf mächtige 
aus einem Stock kommende Eichen), in der Nähe 
der Rückersfelder Hute (nach Hülsa zu), die Leichte 
(Waldrevier bei Ottrau), der Lichteküppel 3 ) Wald» 
ort bei Marburg, im Lichtloch (loch — loh 
„Wald") bei Winterscheid und die Lichteloch, 
Wald bei Frohnhausen, Kreis Marburg, die Licht- 
eiche 4 ) bei Kirchhain und Frohnhausen. Kr. Mar 
burg, und bei Ruhlkirchen (mit dem Lichtefeld), 
vor der Lichteneiche bei Leidenhofen, die Lichter 
eiche bei Dodenhausen, Kreis Frankenberg, die 
Lichteheide bei Rosental, Bottendorf und bei 
Willershausen, der Lichtewald bei Bracht und bei 
') Ansiedelungen und Wanderungen (Marburg 1881), 
S. 336. 
*i Vgl. dazu Varrentrapp. Rrchtsgeschichte u. Recht 
der gemeinen Marken in Hessen (Marburg 1909). S. 98. 
Anm. 7. 
'1 Beachtenswert ist. daß es im Bolksmund ,zum Lichte- 
küppel*, nicht ,zum LichtenküppeV lautet. 
4 ) liehe hier wir öfters im Sinne von „Eichwald*. 
Himmelsberg, in dem Lichtenholz, die Lichten- 
holzwiese bei Cappel, Kreis Marburg, das Lichte- 
hölzchen bei Nesselbrunn, der Lichtberg bei Eiter 
feld, der Lichtenplatz bei Reddehausen, vielleicht 
auch der Lischborn bei Ebsdorf, das Lichte Rod, 
Waldort bei Grebendorf, und Licherod bei Roten 
burg (<Lucbtinrode 1353), das Lichte-Tal in 
Thüringen (umgedeutet im Gegensatz zum nahen 
8 c h wa r z a tal), Lichtscheid, Lichtescheid, wieder 
holt Feldort in Hessen, z. B. bei Betziesdors, die 
Lichtscheide bei Wölkersdorf, Lischeid 6 ), Dorf 
bei Treysa, < Lichenscheidt ca. 1500, nicht zu 
liohti lucidus, wie Arnold annimmt, Lichten- 
scheidt, Wüstung bei Kirdorf, < Lichthinscheit 
1263, und Wüstung bei Schönstadt, < Leyten- 
sceith 1265, Lichtenscheidt 1334, zahlreiche Berg- 
und Ortsnamen Lichtenberg, z. B. bei Wollmar 
und in Oberhessen, letzterer mit Heunenburg und 
einem germanischen Ringwall aus dem Gipfel, ein 
Teil davon hat den Namen Lümbach 6 ), Lichte- 
nau bei Kassel, zur lichten owa 13. Jahrhundert, 
Lichtenhagen bei Rotenburg, < Luchtinhain 1353, 
wohl auch Lichtenhain bei Jena, hoch gelegen, 
Lichtenkopf (bei Ottweiler). Lichtenfels, Lichten- 
stern, Lichtenstein, Lichtenhof, Lichtensteig, 
Lichtental, vielleicht auch Lichterfelde, Leuchten 
berg, Leuchtenburg (in Thüringen), Lichten 
wiesen (in Steiermark), Lichtenwerd usw. 
') scheid, ahd. sceit, mhd. sceid — Grenze, Landscheide. 
Wegscheide. In der Regel einer Höhe entlang laufend. 
*I Sturmfels, Die Ortsnamen Hessens, 2. Aufl.. S. 48
	        

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