Full text: Hessenland (27.1913)

trnttL 376 smE, 
eS bewußt, daß der Sinn, den unser naives Sprach- 
empfinden damit verbindet, erst einer neueren volks 
etymologischen Umdeutung zuzuschreiben ist. 
Da es mir an urkundlichen Belegen für diesen 
Waldort fehlt, muß die ortsübliche Aussprache 
zur Deutung des Namens herhalten. Diese lautet 
Külaich neben Kuläiche mit Betonung der ersten 
oder zweiten Silbe. Durch den in der Nähe ge 
legenen Hirnrnelborn und üirnrnelbach werden 
wir auf die Vermutung gebracht, daß, da die mit 
Himmel gebildeten Namen in der Regel gute Weide 
plätze bezeichnen '), in dem Wort Kuhleich eine Be 
nennung enthalten sein muß, die mit dem be 
nachbarten üimrnelhorn, also mit der alten Weide 
wirtschaft, in Beziehung stehen muß. Es ergibt 
sich demnach die Trennung Kuh-leich als wahr 
scheinlich. Flurnamen mit Lud als Bestimmungs 
wort finden wir häufig, nicht nur in Hessen der 
Kuhberg (bei Kassel, Lauterbach, Hassenhausen, 
Amöneburg, in der Rhön usw.), der Kuhrain 
(bei Rüdigheim), der Kuhgraben (bei Oberaula), 
die Kuhmark (Wald und Feld bei Hachborn), der 
Kuhwald (bei Ebsdorf und bei Himmelsberg), 
die Kuhute (bei Roda), die Kuhalte (Wald bei 
Ruhlkirchen), der Kuhbrunnen (bei Erfurtshausen) 
die Kuhbachswiese (bei Ruhlkirchen), der Kuh 
rainsacker (bei Himmelsberg), der Kuhteich (bei 
Emsdorf und bei Todenhausen, Kr. Ziegenhain), 
die Kuhmannsheide (jetzt Hof bei Melsungen), 
auf der Kuhohl und auf dem Kuhschwarz * 2 * ) 
(bei Langenstein), in dem Kuhwanst 0 ) (bei Treis 
bach) usw. Sehr häufig findet sich der Kuhweg 
als Triebgasse zur Weide. 
Hierzu kommen noch zahlreiche Umdeutungen 
und dialektisch gefärbte Bildungen wie Köhberg (bei 
Ebsdorf), der Kuchweg (bei Hermershausen), der 
tolle Kuchsweg (bei Dodenhausen, Kr. Franken 
berg), die Kochwiesen (bei Anzefahr), in den 
Küchenäckern (bei Halsdorf). Küchenberg 4 * * ) (bei 
Kirchhosbach und bei Stadt Brückenau). Kochs 
berg (bei Burghofen), Kuchenberg (bei Laubach, 
in der Nähe Ziegenkopf, "Gaulskopf, Winter 
berg, Seesenkopf, sämtlich nach der Weidezucht 
benannt), sogar kalte Küche (in Thüringen), 
Pfannkuchen (bei Sarnau und im Nassauischen) 
und Eierkuchen (in Thüringen*), Küchenge 
') Vgl. dazu meine Abhandlung über Himmel und 
Hölle in deutschen Flurnamen (Fuld. Gesch.-Bl. 1913. 
Nr. 8 ff-. 
*) Vgl. dazu den nasi. Flurnamen auf der Schwarz. 
*) Wahrscheinlich umgedeutet auS die (auch das) Wann — 
Grenze. Flur oder aus ahd. wanc campus, Feld. Ebene. 
4 ) So auch Küchenhai (= Kuhgrhege) Forstort im 
Reg.-Bez. Stade. 
‘) Gerbig. Die Flurnamen des Herzogtums Gotha 
(Jena 1910), S. 278. 404 u. ö. 
hege*) (desgl.) usw. Beliebt ist die Umdeutung zu 
Kugel (z. B. bei Rosental, Willersdorf, WolkerS- 
dorf), meist zusammengesetzt: der Kugelzipfen 
(Wald bei Holzhausen, Kr. Kirchhain), der Kugel 
rain (bei Haina), der Kugelberg (z. B. in der 
Rhön, mit der Hessenliede), die Kugelburg bei 
Volkmarsen (1196 Kogelberg, ,auf dem Hagen‘ 
errichtet), in Schwaben*): Kugelberg (724 Kuo- 
bergus), Kugelmahd (steile Bergwiese). Kugel 
wiese, Kugelmark 7 ), Kugelfang 8 ), in Nassau 2 ): 
Kugelberg 10 ) Kugelstück 10 ), in Thüringen 11 )- 
Kugelacker, mundartlich Kuelacker, auf dem 
Kugelacker, 1504 der Kulagker („dorffland“), das 
Kugelleich, ma Külech, Küleich, Käulech (Flur 
Cumbach, Ballstädt, Werningshausen, Wölfis), auch 
als Straßenname vorkommend (z. B. in Crawinkel 
und Tüttleben). 1506 findet sich für diese Gegend 
(Flur Ernstroda) auch in der Kegell, und die 
volkstümliche Auslegung für das Kugelleich in 
der thüringischen Flur Werningshausen lautet, daß 
zur Zeit der Torfgräberei die Arbeiter dort ge 
kegelt haben sollen. 12 ) 
Daß die Flurteile, die mit Kugelleich bezeichnet 
werden, wirtschaftlichen Verhältnissen ihren Namen 
verdanken, geht u. a. daraus hervor, daß sie im 
16. Jahrhundert teils noch Gemeindeland waren, 
teils, wie in der thüringischen Flur Aschara, an 
der Grenze der Dorsteile lagen, daß also höchst 
wahrscheinlich Weidegenossenschast mit benachbarten 
Dorfsippen bestand. 
Wie ist nun die Umdeutung zu Kugel- und 
Kegelleich zu erklären? Zu dem Zweck ist es 
nötig, erst die Bedeutung des Grundwortes Leich 
zu ergründen. Wie die mundartlichen Benennungen 
Külech, Küleich, Kaülech beweisen, geht die 
Umbildung zu Kugelleich von offizieller Seite 
aus, denn die Kugel heißt in thüringischer Mund 
art Kul. Küle, Kaule, Gaule, und Kugelleich, 
gesprochen Külaich, Külech, bedeutet s. v. a „Kegel 
bahn" 
*) Buck. Oberd. Flurnamenbuch. S. 148. 
') Von Buck „als Grenze, die durch den Lauf einer 
rollenden Kugel ermittelt wird', erklärt. Vgl. dagegen 
Vilmar Idiotikon. 263: ursprünglich Grenze, dann 
Wald. Gemeinweide. 
") DaS Grundwort ist wahrscheinlich verstümmelt aus 
ahd. wanc campn». 
*) Kehrein. Volkssprache und Volksfitte in Nasiau. 
3. 354. 
'") Nach Kehrein früher .Eigentum der Kugelherrn' 
(vgl. Kugelga»8e in Marburg). 
") Gerbig a. a. O.. S. 64. 174. 183 u. ö. 
") Vgl ähnlich die volkstümliche Auffaffnng des Ge- 
birgnamenS Kegelspiel in der Vorderrhön (auch sieden 
Brüder genannt). Der zweite Teil ist auS bühel um 
gedeutet, fo daß sich als Grundbedeutung ergibt „Berg 
mit einem befestigten Kuhlager'
	        

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