Full text: Hessenland (27.1913)

§sas<6 375 
überraschen, daß das Lied — das seine große 
Verbreitung erst nach den Befreiungskriegen 
gefunden hat — schon bald in unser Land 
übertragen worden ist. Es ist — so viel ich 
bisher habe feststellen können — bei den Feier 
lichkeiten im Mai 1803 zum erstenmal hier 
aufgetaucht, natürlich war es auch hier zu 
nächst die leichtfaßliche Weise, die aufgenom 
men wurde, und mehrfach — z. B. in Mel 
sungen — wissen die Festberichte davon zu er 
zählen, daß die Weise dieses englischen Volks 
liedes, wie es noch immer bezeichnet wurde, 
gespielt worden ist. Es hat aber auch nicht an 
Versuchen gefehlt, das Lied mit einem passen 
den Text hier einzuführen. 
So wurde in Wanfried am 22. Mai in der 
Kirche nach der Predigt nachstehendes die Emp 
findungen der treuen Wanfrieder ausdrücken 
des Volkslied gesungen. 
Segne Gott! unsern Herrn, 
Wilhelm den guten Herrn, 
Heil unserm Herrn! 
Der uns den Frieden gab, 
Wenn Krieg und Tod und Grab 
So manches Land umgab, 
Heil Hessens Herrn! 
Laß lange, lange noch 
Kurhessens Vater doch 
Sein Volk regier'», 
Weil er den Frieden liebt, 
Uns Ruh' im Lande giebt, 
Und wir durch Ihn beglückt 
Uns seiner freun. 
Daß dieses Volkslied — wir verbinden ja 
mit diesem Begriff heute eine etwas andere 
Vorstellung — eben erst für diesen Zweck ver 
fertigt worden ist, zeigt die Bezeichnung „Kur 
hessen" und die wiederholte deutliche Bezug 
nahme auf die kaum überwundenen kriegerischen 
Zeiten. Im übrigen verrät das Lied, dessen 
„Dichter" wohl in Wanfried selbst zu suchen 
ist, mehr Treue und Anhänglichkeit an den 
Kurfürsten als dichterische Begabung. 
Dasselbe gilt von einer zweiten Fassung, 
die uns aus Eschwege überliefert ist, wo das 
Lied ebenfalls in der Kirche von den um den 
Altar stehenden Kindern nach der Melodie des 
englischen Volksliedes: Gott erhalte den König 
gesungen wurde 
Gott, unserm Kurfürst Heil! 
Dem Landesvater Heil! 
Dem Kurfürst Heil! 
Von Sorgen ungetrübt, 
Von seinem Volk geliebt. 
Herrsch' Er noch lang beglückt! 
Dem Kurfürst Heil! 
O Herr, dich bitten wir, 
Gesegnet stets von dir: 
Erhalt' uns Ihn. 
Der Bürger, der Ihn ehrt, 
Die Freyheit sey Ihm werth, 
So singt ein jeder froh: 
Dem Kurfürst Heil! 
Fern sey, o Gott, sein Ziel, 
Daß noch des Guten viel 
Durch Ihn gescheh! 
So herrsch' er froh und frey, 
Ihr Brüder bleibt Ihm treu, 
Und singt vereint Ihm Heil! 
sDem Kurfürst Heil!j 
So geringfügig das Material auch sein mag, 
und so vorsichtig das Fehlen abweichender 
Stimmen im Hinblick auf die gesamten Zeit 
verhältnisse auch bewertet werden darf, so mag 
doch die Annahme zutreffen, daß die Verlei 
hung der Kurwürde von der Bevölkerung eben 
so mit Freude und Befriedigung aufgenommen 
wurde, wie das natürlich bei Wilhelm und 
seinem Hofe der Fall war Und so wird es 
wohl auch den tatsächlichen Verhältnissen und 
der wirklich vorhandenen Stimmung ent 
sprechen, was die in Gotha erscheinende „Na- 
tional-Zeitung der Teutschen" am 9. Juni 
1803 berichtet, daß nämlich die Feierlichkeiten 
in Kassel und Hessen „mit anständiger Würde 
und teilnehmenden Herzen" begangen worden 
seien. 
Beiträge zur hessischen Ortsnamenkunde II. 
Kuhleiche, Leuchlberg, Lifcheid, Leihgestern. 
Von vr. W i l h e l m S ch o o f, Hersfeld. 
Wenn man von Biedenkopf nach Breitenbach 
durch den Altenberg wandert, kommt man unter 
halb des Himmelborns auf eine Höhenfläche mit 
Schutzhütte, die den seltsamen Namen Kuhleiche 
führt. Der Laie ist unwillkürlich versucht, an eine 
Itud-Isiolie, d. h. üne etwa hier verendete Kuh, 
vielleicht auch an eine Kuhl-eiche, d. h. eine «kühle 
Eiche" zu denken. In der Tat findet sich der 
Ort in den Führern als „Kühle Eiche" erklärt. 
Für den Eingeweihten, der die Prinzipien der 
Namengebung kennt, ist eS jedoch von vornherein 
unwahrscheinlich, daß ein Waldort, sofern er der 
älteren Zeit angehört, nach solchen zufälligen oder 
nebensächlichen Ursachen benannt sein soll, ihm ist
	        

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