Full text: Hessenland (27.1913)

NML- 355 S«tMb 
gern bereit, den Bedarf an Samen für Sommerblumen 
oder auch an jungen mehrjährigen Pflanzen, an Stauden. 
Blumen. Knollen oder Zwiebeln, direkt oder durch Angabe 
zuverlässiger Bezugsquellen zu ermittelii. Selbstverständlich 
möchte ich aber nur da eintreten, wo zuverlässige Gärtnerein 
oder Samenhandlungen nicht bereit« zur Verfügung stehen. 
Auch Ratschläge für den Anbau der einzelnen Blumen 
lasse ich gern in den Zeitungen des Kreise« veröffentlichen." 
Hessische Bücherschau. 
Geschichtliche Darstellung der Schlacht 
bei Hanau am 30. Oktober 1813. Von Karl 
Caesar Leonhard. Dritte Auflage. Mit Plan 
und Bildern von F. C. Reinermann, K. Westermayr 
und I. Rugendas. 8 ° VI, 89 S. Hanau (Fr. Königs 
Buchhandlung sA. Zippeliusj) 1913. 
Geh. 1,25 M., geb. 2 M. 
Der nicht nur durch seine wissenschaftlichen Leistungen, 
sondern auch durch seine freundschaftlichen Beziehungen 
zu Goethe bekannte Mineralog K. C. Leonhard, der seit 
1807 als Domäneninspektor in Hanau seinen Wohnsitz 
hatte und einer der Gründer der seit 1808 bestehenden Wet- 
terauischen Gesellschaft für Naturkunde war, hat alsbald 
nach der Schlacht bei Hanau seine Erinnerungen an 
diesen leider mißlungenen Versuch Wredes, Napoleon 
und seinen Heerschaaren den Weg zum Rhein zu ver 
legen, niedergeschrieben. Diese Aufzeichnungen erschienen 
damals ohne Angabe des Namens des Verfassers, zuerst 
in den Jahren 1813 und 1814. Aus Anlaß der hundert 
sten Wiederkehr des Tages der Schlacht bringt die Königsche 
Buchhandlung in Hanau nunmehr deren dritte Auflage. 
Die unter dem unmittelbaren Eindruck der Vorgänge 
verfaßte Schilderung gibt natürlich keine Darstellung vom 
militärischen Standpunkt aus, hat aber besonderen Wert 
durch die Lebhaftigkeit des auf eigenen Erlebnissen 
fußenden Berichts und durch die völliges Vertrauen ver 
dienende Person ihres Verfassers, der seinen Aufzeich 
nungen die Worte Schillers: „Wahrheit gegen Freund 
und Feind" vorangestellt hat und dessen Angaben über 
die von ihm beobachteten Kämpfe und Truppenbewegun 
gen doch einen guten Überblick über den Gang der 
Schlacht bieten. Ergänzt wird Leonhards Darstellung 
durch die amtlichen Berichte Wredes und des österreichi 
schen Feldmarschalleutnants Grafen v. Fresnel über die 
Schlacht, eine Schilderung der Schlacht von französischer 
Seite und eine Darstellung der Ereignisse in Frankfurt 
a. M. während der Schlacht bei Hanau. Schließlich ist 
eine kurze Lebensbeschreibung Wredes und die öster 
reichische und bayrische Verlustliste beigegeben. Ein gleich 
zeitiger Plan gibt Aufschluß über die Stellungen der 
einzelnen Truppenteile, zwei Bilder nach Gemälden 
Westermayrs und Rugendas dienen dem Buche zur Zierde, 
das wir als einen willkommenen Beitrag zur Geschichte 
einerseits der Befreiungskriege, andererseits der Stadt 
Hanau unsern Lesern warm empfehlen können. W, 
©in Wille — ein Weg. Drei Erzählungen von 
R. F r a n ck e. 192 S. Kassel (Pillardy L Augustin) 
1913. Preis 2 Mark. 
Die gemeinsame Überschrift, die den drei Pastoren 
geschichten: Ein Charakter — Der neue Pastor — In 
Gottesaue vorgesetzt ist, deutet schon an, daß hier eine 
bestimmte Tendenz zu Grunde liegt. Dem Verfasser 
kommt es darauf an, dem Leser die soziale Bedeutung 
des Pfarramts vor Augen zu führen. Es wird gezeigt, 
wie der Pfarrer unter Überwindung mancher Schwierig 
keiten in seiner Gemeinde Krankenschwester, Kleinkinder 
schule, Kochschule und ähnliche Einrichtungen der inneren 
Mission durchsetzt. Daneben spielen christliche Gewerk 
schaften, Raiffeisengenossenschaften, Reichstagswahl, Zeu 
genreden, Sektenwesen hinein. Es liegt in der Art 
solcher Erzählungen, daß hier und da die Farben allzu 
dick ausgetragen werden, daß die Charaktere nicht von 
innen heraus, sondern nach den Zwecken des Verfassers 
handeln. Man höre z. B. auf Seite 143 den Birken 
bauer: „Ich bin der stolze, selbstgerechte Birkenbauer 
nicht mehr, der ich früher gewesen. Seitdem ich Euch 
damals auf dem Feldwege auf den Knien gesehen, nach 
dem ich Euch durch meine Worte bis ins Herz getroffen, 
da habe ich auch gelernt, als ein armer Sünder vor 
Gott zu knien und auf die Gnade meines Heilandes 
allein mein ganzes Vertrauen zu setzen und nicht mehr 
auf meine eigenen Werke usw." Solche frommen Rede 
ergüsse, die öfters wiederkehren, sind nicht Bauernart. 
Die erste Erzählung, die übrigens an Krügers Gottfried 
Kämper erinnert, entrollt im Auftakt das Studenten 
leben unserer Marburger Universität und erhält so in 
ihrem Milieu einen hessischen Einschlag. Bei der zweiten 
ist man versucht, an einen Ort im sächsischen Hessen zu 
denken. Aber im Fortgang wird das Heimatliche durch 
das starke Hervorkehren der Tendenz verwischt. Der 
Pastorale Ton, in den auch die Laien hin und wieder 
verfallen, ist in einer Volkserzählung nicht angebracht. 
Bei einer weiteren Auflage dürfte der Text eine sorg 
fältigere Behandlung erfahren. Wie hart liest sich z. B. 
Seite 110, Zeile 3: „In ihrem elterlichen Hause war 
dem kindlichen Gemüte vielleicht zu viel religiöser Ernst 
zugemutet worden, war den unschuldigen Freuden 
des Lebens zu wenig Eingang gestattet worden. Dann 
war, nach dem Tode ihrer Mutter" usw. 
n. 
B. Moriton - von Mellenthin, Das Weib, 
das man nicht hat. Ein Schauspiel von der 
Liebe Narretei. Kassel (Selbstverlag). 
Preis brosch. 2 Mark, geb. 3 Mark. 
Die Dichterin der leidenschaftlichen Tragödie „Araspas" 
(Uraufführung im Kasseler Hoftheater) und des uner 
bittlichen Dramas „Klater äolorooa", das mit wachsen 
dem Erfolg über die deutschen Bühnen geht, hat in 
diesem Schauspiel ein neues Werk geschaffen, das auf 
haarscharfer Grenze zwischen Tragik und echter Komis 
balanziert und damit eine Wirkung zustande bringt, zu 
der man halb j a, halb nein sagen möchte; es geht 
ein Unterton hindurch, der dem Leben selber abgelauscht 
ist; wie man sich zu diesem zu stellen hat, das wird 
ja auch ein Problem bleiben, an dem sich Philosophen 
und Künstler immer wieder die Köpfe zerbrechen werden. 
Des Lebens Leben: die Liebe; in ihr auch alle Wider 
sprüche des Lebens — und so wird das Problem des 
Lebens zum Problem der Liebe. Dieses ist in dem 
Moritonschen Schauspiel in einer Betrachtungsweise an 
gepackt, der das Gesetz der Polarität zugrunde liegt. 
Es wird gezeigt, wie im Manne sowohl wie im Weibe 
immer beide Pole, der bejahende und der verneinende, 
der liebende und der hassende, liegen, und wie infolge 
dessen bald ein Anziehen, bald ein Abstoßen eintritt, 
je nachdem gleiche oder ungleiche Pole gegenüberstehen: 
nichts andres also — als der Kampf, der notwendig 
ist zur Selbstbehauptung wie zur Hingabe, wodurch dann 
eigentlich erst Leben möglich ist. Ein junger Herzogs 
sohn und ein hellkundiges Mädchen aus dem Volke, das
	        

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