Full text: Hessenland (27.1913)

tmsh 353 9W& 
Deine Hand mein Schwert weihen darf! Heimlich 
muß ich von hinnen schleichen — heimlich die 
Schar der Gleichgesinnten aussuchen, der ich heute 
heimlich die Nachricht brachte, daß es unserem 
Gbristen von Hammerstein gelungen ist, mit seinen 
lausend Husaren zu den Verbündeten zu stoßen .. 
daß er den Weg schon gefunden, den wir nun 
durch Nacht und Schauer suchen. — G der König 
wird rasen, wenn er es erfährt! Aber er kann 
es nicht vor morgen erfahren — seine Rosen 
werden heute Abend noch dornenlos blühen! Uns 
lausenden alchn, Katharina, wird der Makel der 
Desertton anhasten . . Aber, glaube mir: wir 
werden ihn abwaschen mit unserem Blute! Gb 
wir siegen, oder fallen — — wir werden die 
Geschichte unseres Vaterlandes mit purpurnen Rosen 
durchweben, die unverwelklich sind. Das soll der 
Rosentanz sein, der unserer würdig ist in dieser 
ernsten Zeit ... Leb wohl! 
Katharina (nimmt die Rose von der Brust). 
Bring sie mir zurück, wenn Kassel wieder hes. 
sisch ist! 
Hans Viktor. Nur der Tod soll mich davon 
abhalten! 
Katharina (drängt ihn fort). Der Kusscher! 
Fort! Er braucht Dich nicht noch einmal zu sehen. 
(Hans Viktor, die Rose an die Lippen drückend, mit 
letztem Blick ab). 
Katharina (allein — Sie steht ihm nach, preßt 
die gefalteten Hände vor die Brust und sieht zum 
Himmel. Dann gefaßt:) 
Nun zum Rosenfest. 
Aus Heimat und fremde. 
Hessischer Geschichtsverein. Am 
30. Oktober fand ein Familien-Abend der 
Pflegschaft Hersfeld statt, der sich eines leid 
lichen Besuches zu erfreuen hatte. Lehrer Neu- 
haus, der für den Abend einen Vortrag über 
das Thema „Vor hundert Jahren. Hers 
felder Erinnerungen an die Zeit der Fremdherr 
schaft und Erhebung" übernommen hatte, wurde 
seiner Aufgabe in hervorragender Weise gerecht. 
Der mit vielem Fleiß ausgearbeitete Vortrag be 
handelte die Zeit von der Okkupation Hessens im 
Jahre 1806 bis zu der Auflösung des Königreichs 
Westfalen im Jahre 1813 unter Berücksichtigung 
der Verhältnisse in Hersfeld und seiner näheren 
Umgebung. Die Ausführungen wurden von allen 
Anwesenden mit größtem Interesse aufgenommen 
und dem Vortragenden am Schlüsse fernes Vor 
trages lebhafter Dank gespendet, dem auch der 
Pfleger der Hersfelder Ortsgruppe, Tierarzt Fried 
rich, noch besonderen Ausdruck verlieh. 
Marburger Hochschulnachrichten. Es 
habilitierten sich in der philosophischen Fakultät 
Professor Dr. Wilhelm Strecker mit einer 
Vorlesung über „Das Wesen der Elemente" und 
in der juristischen Fakultät Dr. jur. Friedrich 
Kl au sing mit einer Vorlesung über „Die geld 
sparenden Zahlungsmethoden" — Die medizinische 
Fakultät verlieh dem Bürgermeister der freien 
Stadt Hamburg Dr. jur. Karl August Schrö 
der wegen seiner hervorragenden Verdienste um 
das Kranken- und Krankenhauswesen des Staates 
Hamburg den Titel eines Ehrendoktors. 
Personalchronik. Professor Karl B r ü n n e r 
an der Kgl. Kunstgewerbeschule und Kammermusiker 
Wilhelm Horn am Kgl. Hostheater begingen ihr fünf 
undzwanzigjähriges Dienstjubiläum. 
Der neue Bezirkskonservator. Die be 
reits früher mitgeteilte Wahl des Regierungsbaumeisters 
Dr. phil. und Dr. ing. Holtmeyer zum Bezirks 
konservator unseres Regierungsbezirks hat die ministe 
rielle Bestätigung gefunden. Baurat Holtmeyer ist der 
Nachfolger des in den Ruhestand tretenden Geh. Re 
gierungsrates Professors Dr. v. Drach. Anzeigen, An 
träge und Ansuchen auf dem Gebiet der Denkmalspflege 
sind also fortab an Dr. Holtmeyer zu richten. 
Die Ausgrabungen am Fuldaer Dom 
platz. Die von Professor Vonderau veranstalteten archä 
ologischen Ausgrabungen am Domplatz legten nicht nur 
die Apsis der Johanniskapelle, sondern auch in östlicher 
Richtung eine ganze Anzahl Fundamentmauern aus ver 
schiedenen Zeiten frei. Östlich der Königskapelle wurde 
ein schräg gerichteter Mauerzug festgestellt, der als Um 
wehrung des ehemaligen Klosterbezirks der Benediktiner 
anzusprechen ist, die hier schon im 9. Jahrhundert einen 
Sitz hatten. Teils auf diesem Mauerzug, teils auf der 
Erde, aber genau in der Achse der Kirche und außerhalb 
der Königskapelle stand ein Steinsarg, der in seiner 
Form dem schlichten Schema der frühromanischen Sarko 
phage entspricht und in der Bearbeitung keine besonderen 
Feinheiten aufweist. Im Sarge lag ein Skelett, das 
außer einem stark vermoderten Stoffring oberhalb des 
rechten Knies keine Gewandspuren aufwies. Ferner fanden 
sich am Fußende der Sarghöhlung auf geringem Raum 
zusammengedrängt die Knochen eines zweiten, wohl älte 
ren Gerippes, dem jegliche Beigaben fehlten. Unter dem 
Kopfe des guterhaltenen ersten Skeletts wurde eine 
Bleiplatte gesunden, auf deren zersetzter und verkrusteter 
Oberfläche sich diese Inschrift entziffern ließ: OTTO 
XPI AN DE PAGANO 0 NO OCT Ein Fach 
mann hat die Inschrift folgendermaßen gedeutet und 
übersetzt: „Otto, christlich geworden aus einem Heiden, 
starb an den Nonen des Oktober." Der Wunsch, die Per 
sönlichkeit des im Steinsarge bestatteten Mannes fest 
zustellen, hat zu der Vermutung geführt, daß man das 
Skelett Ottos, des Bruders König Konrads I., gefunden 
habe, der als Graf Otto vom Lohngau in einer Urkunde 
vom 1. Juli. 912 genannt wird. Die Überreste der zweiten 
Leiche hat man der Mutter des Otto und des Königs
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.