Full text: Hessenland (27.1913)

fing er bei Helsa ab, doch gelang es einem Gen 
darmen in Zivilkleidung Kassel zu erreichen. Hier 
war nur ein geringer Teil des westfälischen 
Heeres zurückgeblieben, 4302 Mann mit 6 be 
spannten Geschützen, zu weiteren 34 Geschützen 
fehlten Bespannung und Bedienungsmannschaften; 
6 davon, 4 Kanonen und 2 Haubitzen, standen aus 
dem Forst in einer zu Übungszwecken aufgeworfe 
nen Schanze unter einer Bedeckung von 6 Mann. 
Die Garnison war also an Zahl der Mannschaften 
chen'entsandt war, ging mit diesen zu den Russen 
über. Der König, der sich mit den Truppen auf 
der Rennbahn, dem jetzigen Kriegsschulgelände, 
versammelt hatte, schickte nun v. Altenbockum mit 
einer weiteren Kompagnie zum Forst, aber auch 
dieser mußte sich vor dem Feuer der Russen zur 
Wahlebachbrücke zurückziehen, wohin inzwischen wei 
tere westfälische Truppen vorgerückt waren. Auch 
die Stellung an der Wahlebach war auf die Dauer 
nicht zu halten. Die Russen gingen nun unter 
Schlacht an der Kinzigbrücke. Nach dem Gemälde von Konrad Westerm'a'yr. 
(Aus „Geschichtliche Darstellung der Schlacht bei Hanau" von K. E. Leonhard. Verlags Fr. Königs Hofbuchh., Hanau. Bgl. S. 355.) 
und Geschütze dein Korps Tschernitscheffs bedeutend 
überlegen, keineswegs aber an innerem Wert. Der 
einzige Truppenteil außerdem, aus den sich der 
König noch durchaus verlassen konnte, waren die 
Garde- oder Jérôme Napoleon-Husaren, sie be 
standen nur aus Franzosen, die aber Rekruten 
waren. Der König bewahrte auf die Kunde vom 
Heranrücken der Russen große Ruhe und befahl die 
zur Verteidigung der Stadt notwendigen Maß 
regeln. Die zur Besetzung der Leipzigerstraße vor 
geschickte 6 . Kompagnie der Jägergarde unter dem 
Kapitän v. Hugo konnte dem Ansturm der Kosaken 
nicht standhalten und zog sich wieder zurück; ein 
Leutnant Koch, der mit 20 Mann zum Eichwäld- 
Trommelschlag auf der Leipziger Straße vor und 
griffen die Kompagnien an, die sich hinter den 
Siechenhof und die Leisterschen Wiesen zurückge 
zogen hatten und nun zum großen Teile „ziemlich 
bereitwillig" die Waffen streckten, der Rest zog 
sich in eiliger Flucht zum Leipziger Tor zurück. Die 
Öffnung des Tores benutzten eine Anzahl Kasseler 
Bürger, die vor dem Tor zu tun gehabt hatten 
und ausgesperrt waren, um mit den Soldaten 
wieder in die Stadt zu gelangen. Auch des Red 
ners Großvater, der Tuchmachermeister Johannes 
Woringer, war am frühen Morgen nach dem 
Siecheyhof gewandert. Als er, von den Wiesen 
hinter dem Siechenhof kommend, das Tor ge-
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.