Full text: Hessenland (27.1913)

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seinem untersten Teile das Gewölbe für die schwe 
ren Geschütze und in den sechs Stockwerken noch 
verschiedene Säle, die mit der Zeit verändert 
wurden. Im März 1758 erlitt das Zeughaus eine 
Plünderung, als die französische Besatzung Kassel 
verließ und den Inhalt des Zeughauses auf 
300 Wagen nach Frankfurt und Düsseldorf ab 
führten. Nach der Schlacht bei Sandershausen wurden 
die Franzosen abermals Herren von Kassel und plün 
derten von neuem. 
Im Jahre 1767 befanden sich im Zeughaus noch 
u. a. Geschütze aus 1536, 1537, 1538 und 1539, auch 
verkauft worden sein. Der fünfte Boden enthielt 
ansehnliche Vorräte an Salpeter, der sechste eine 
große Menge von Lunten. Die Aufschriften an 
der Hauptfassade und Rückseite stammen von Land 
graf Moritz, während Friedrich II. die beiden Por 
tale brechen ließ. In westfälischer Zeit enthielt 
das Gewölbe zahlreiche mit Munition geladene 
Wagen, zwischen denen die Soldaten sorglos mit 
brennenden Pfeifen umhergingen, wie uns Ger 
land aus seiner Erinnerung berichtet. Als 1848 
auch in Kassel die Revolution losbrach, brach in 
der vielgenannten Gardednkorpsnacht die erbitterte 
Die Gräber von Herman, Rudolf. Wilhelm, Jacob Grimm 
aus dem Malihüi-Kirchhof zu Berlin. 
£ Ausgenommen am 50. Todestage Jacob GriinmS von vr. Hans Braun-Berlin. 
vier im spanischen Erbfolgekrieg eroberte Zehn- 
pfünder, eine vom Kurfürsten August von Sachsen 
1585 an Landgraf Wilhelm IV geschenkte Schnell 
wage, und der berühmte „große Hund", eine Kar- 
thaune von fast 100 Zentnern Gewicht und manches 
andere. Das Blei für die Geschosse bedeckte in 
Form von Pflaster den Boden. Im ersten Saal 
über dem Gewölbe war die Harnischkammer, der 
zweite war der Gewehrsaal, im dritten befand sich 
der Fruchtboden, im vierten der Lederboden. Frü 
her waren diese Böden mit Früchten angefüllt, um 
bei Hungersnot Vorrat zu haben, und einiges Korn 
soll hundert Jahre alt gewesen und später noch 
Menge in das Zeughaus ein und plünderte es 
aus, trotzdem aus dem Kasernenhof die gesamte 
Artillerie ausgerückt stand und auch die zur Be- 
schützung des Zeughauses bestimmte Kompagnie 
untätig blieb. Seit 1866 wurde das Zeughaus 
mehr und mehr ein reines Verwaltungsgebäude; 
es enthält im Gewölbe das Fahrzeug, in den 
Stockwerken die für den Kriegsfall bereitgehaltenen 
Waffen usw. und wird vom Artilleriedepot ver 
waltet. — Im Hofe der Artilleriekaserne gab General 
Eisentraut noch eine anschauliche Schilderung der 
einst hier vorhanden gewesenen alten Befestigungs 
werke der Stadt.
	        

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