Full text: Hessenland (27.1913)

24 
Die abgebrannnle Kirche zu Birstein. 
Von E. Wenzel. 
Mit einer Zeichnung des Verfassers. 
Die Kirche zu Birstein, die Anfang Januar 
einem Brand zum Opfer fiel, war eine Schöpfung 
des 16. Jahrhunderts, ein Reformationsbau ohne 
Chor, der nach einer Verwüstung durch die Schweden 
einer gründlichen Umgestaltung unterzogen und auch 
1701 durchgreifend umgebaut worden war. 
Äußerlich ein schmuckloser Bruchsteinbau mit 
Verputz und zwei hohen Steingiebeln war die Kirche 
durch den nahe der Ostseite angebauten runden 
Treppenturm mit mehrfach abgesetztem geschweiften 
Helni von malerischer Wir 
kung. Im Innern liefen 
doppelte Emporen auf runden 
Eichenholzsäulen an drei Sei 
ten des Saalbaus entlang. 
Eine flache Brettertonne mit 
Fugenleisten deckte den Raum. 
Die kleine aber schmucke ba 
rocke Orgel von Christian 
Waldheim, an deren Stelle 
1688 schon ein ältere gestan 
den hatte, war in neuster 
Zeit durch eine neue Orgel 
erseht worden. 
Ein bedeutendes Werk der 
Renaissancekunst war das 
große Epitaph an der Ost 
wand der Kirche hinter der 
Kanzel. Über mehreren Stu 
fen stand ein sarkophagartiger 
Sockel, über dem sich die 
Jnschrifttafel mit flankieren 
den Säulen, Gebälk und 
Giebelaufbau mit Wappen 
und Putten erhob. Das Denkmal war laut In 
schrift dem Grafen Philipp von Isenburg in 
Büdingen, geboren 1526, vermählt 1570 mit Irm 
gard von Solms, im Jahre 1596 von Wolfgang 
Ernst von Isenburg-Büdingen gesetzt worden. Außer 
dem Isenburgischen und Solmsischen Wappen waren 
an dem Epitaph 16 Ahnenwappen rings um die 
Jnschrifttafeln angebracht. Als Verfertiger dieses 
Kirche zu Birstein. 
hervorragenden Werks kommt wohl ein Balthasar 
Büdenner aus. Büdingen jn Betracht. Lesdep iß 
auch dieses Epitaph, durch de» Brand. zerstört 
worden. 
Ein anderes Epitäph untrr der Empore bestand 
aus emèrsi Sand steinrahmen mit. ^Mastern üsid 
Giebel, auf dem 16 Ahnenwappen, eine rechteckige 
Bronzeplatte umgaben, woran eine Kartusche mit 
ovaler Bronzeplatte hing. Das Epitaph war der 
1605 verstorbenen Ftasi Hofmeisterin Anna von 
Salfeld, verehelichten von 
Nostiz errichtet worden. 
Eine andere Bronzetaftl 
bei dem großen Epitaph wär 
wie die vorige in der im 
Schloß Birstein befindlich 
gewesenen Geschützgießerei ge 
gossen worden. Sre war von 
dem schon oben genannten 
Wolfgang Ernst von Isen 
burg für seinen 1605 mit 
einer Gräfin Elisabeth von 
Naflau gezeugten, doch im 
folgenden Jahre schon gestor 
benen Sohn Wolfgang Ernst 
zum Gedächtnis in der Kirche 
aufgehängt worden. 
Die Kanzel, die vor dem 
großen Epitaph errichtet wor 
den war, war ein Kabinettstück 
des Barock. Sie war über 
reich mit Laubwerk. Ranken, 
Fruchtstücken, gewundenen 
Säulen und Köpfen geschnitzt. 
Ihr Verlust ist tief zu beklagen. — Es ist ein 
großes Glück, daß uns diese Kunstdenkmäler wenig 
stens im Bilde erhalten geblieben find. vr. L. Bickell 
hat uns in seinem Werk, die Bau- und Kunst 
denkmäler des Regierungsbezirks Kassel. Bd. I Kreis 
Gelnhausen, in einer Reihe Abbildungen Äußeres. 
Inneres der Kirche, Epitaph, Kanzel. Bronzetafel, 
Schalldeckel mit erläuterndem Text wiedergegeben. 
Der Karl. 
Von Käthe Becker. 
(Schluß.) 
Die Anna und die Christine saßen umschlungen 
auf dem mittleren Brett, der Karl hockte in der 
Spitze, und der Kaspar hatte den Fahrbaum ein 
gezogen und ließ den Nachen treiben. Die Mädchen 
sangen zweistimmig ein eintöniges Lied mit vielen 
Versen. Die Anna sang die erste Stimme mit 
sicheren hohen Tönen, aber sie preßte sie im Gaumen, 
damit sie gefühlvoll klangen. Christinens zweite
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.