Full text: Hessenland (27.1913)

$mtL> 291 9«M£b 
getragen und gebracht werden, bis mit der 
allgemeinen Erhebung des gequälten Volkes 
der Kampf begann, der mit der endgültigen 
Abschüttelung der Fremdherrschaft und der 
Wiedereinsetzung des angestammten Herrscher 
hauses im Hessenlande endete. 
Das neue Deckengemälde im Nathans von Professor H. Knackfuß. 
Die Stadt Kassel ist vor einiger Zeit um zugeben) seine Komposition dementsprechend 
eine künstlerische Sehenswürdigkeit bereichert in drei Teile, die auch einzeln für sich — oder 
worden, die sie dem preußischen Staate ver- je nachdem mit einem andern Abschnitte zu 
dankt. Der Kultusminister hatte s. Zt. aus sammengesehen — geschlossene Bilder darbie- 
Mitteln des Kunstfonds für ein Deckengemälde ten. Es ist dem Künstler restlos gelungen, die 
im Treppenhause des neuen Rathauses 26 000 Schwierigkeiten des perspektivischen Problems 
w 
Mark bewilligt und mit der Ausführung den 
Lehrer an der Kasseler Akademie Professor 
Hermann Knackfuß beauftragt. Nach zwei 
jähriger Arbeit hat dieser nunmehr sein Werk 
vollendet. Dem Künstler war vollkommene 
Freiheit gelassen, er hatte lediglich die Schwie 
rigkeiten zu überwinden, die in der Aufgabe 
selbst lagen. Diese waren allerdings infolge 
der räumlichen Situation nicht gering. Die 
wagerechte Flachdecke des Stiegenhauses kann 
nämlich infolge einer in der Höhe der Treppe 
ringsumlaufenden Galerie von keinem Punkte 
aus vollständig, sondern immer nur abschnitt 
weise überschaut werden. Da für die Betrach 
tung auf dem Treppenlaufe drei Standpunkte 
in Frage kommen, gliederte der Künstler (ohne 
doch den Zusammenhang der Darstellung auf- 
zu lösen, die darin bestanden, nach so ver 
schiedenen Seiten hin befriedigende Ansichten, 
d. h. solche ohne Schwankungen und Formver 
zerrungen, zu schaffen. 
Mit ihren weißen, lichtblauen und goldigen 
Tönen macht die Komposition einen festlich 
heiteren Eindruck. Die Hauptansicht zeigt 
einen mächtigen Zug von Gestalten, der wie 
eine lichterfüllte Wolke im klaren Himmels 
blau schwebt. Tie motivische Erfindung 
knüpft recht glücklich an die Sage einer segen 
spendenden germanischen Göttin an, die gerade 
in Hessen als Frau Holle noch im Volks 
bewußtsein fortlebt. Auf einem von weißen 
Rindern gezogenen Wagen erblickt man diese 
von Sonnenlicht umflossene Frauengestalt, be 
gleitet von Huldinnen, die ihr den Spinnrocken
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.