Full text: Hessenland (27.1913)

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Haber der Stelle ist in dieser Beziehung dem Landeshaupt 
mann unmittelbar unterstellt. Arbeiten des Baufaches 
können ohne Einwilligung des StelleninhaberL diesem nicht 
übertragen werden, abgesehen von etwa erforderlich werdenden 
Vertretungen anderer höherer Baubeamten des Bezirksver 
bandes. Für eine Hilfskraft bei den Arbeiten der Denkmals 
inventarisation wird eine Pauschalvergütung im Jahres 
betrage von 2500 M. und weiter 500 M. als Ersatz sür 
Aufwendungen an Reisekosten usw. für das Jahr gewährt. 
Auf Bestätigung der Wahl zum Bezirkskonservator durch 
den Minister der geistlichen und Unterrichts-Angelegenheiten 
wird hingewirkt werden. 
Aus Fulda. Auf Veranlassung des Professors V o n - 
de rau werden gegenwärtig am Domplatz Ausgrabungen 
zu weiteren vorgeschichtlichen Forschungen vorgenommen. 
Aus Fritzlar. Anfang August konnte das Kloster 
der Ursulinerinnen auf ein 200 jähriges Bestehen zurück 
blicken. Schon 1710 und 1711 waren Ursulinerinnen aus 
Dllderstadt und Metz nach Fritzlar berufen worden, um 
hierein neues Kloster zu begründen. Den Plan des 1713 
begonnenen Neubaues entwarf kein Geringerer als Guer- 
niero, der Erbauer des Oktogons zu Wilhlmshöhr. Der 
Bau mißglückte jedoch, und erst der zweite, 1714 durch 
Meinwols begonnene und noch heute stehende Bau konnte, 
wie Rauch in seinem trefflichen „Führer durch Fritzlar" 
mitteilt, 1719 bezogen werden. 
Aus Schmalkalden. Für den Audienzsaal des 
Rathauses hat Professor Piderit aus Hanau eine Anzahl 
Bilder aus Schmalkaldens Vergangenheit als Wandschmuck 
gestiftet. Die ersten Bilder sind jetzt hier eingetroffen. 
Erfolg einer Kasseler Autorin. Im Leipziger 
Battenberg-Theater errang unlängst ein neues Drama der 
geschätzten dramatischen Schriftstellerin B. Moritonvon 
Mellenthin „ Mater dolorosa“ die Tragödie einer 
Mutter, bei der Uraufführung einen vollen Erfolg. Das 
„Leipziger Tageblatt" bringt eine äußerst anerkennende 
Kritik über das interessante Stück und konstatiert, daß der 
Vorhang sich nach dem Schlußakt mehr als zwei Dutzend 
mal heben mußte. Das Werk ist auch im Buchhandel 
erschienen. 
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Hessische Bücherschau. 
Geschichtedesl.KurhessischenFeldartillerie- 
Regiments Nr. II lind seiner Stamm- 
truppen. Auf Veranlassung des Regiments bearbeitet 
von Dr. Wilhelm Has Stabsarzt beim Kadetten 
haus Oranienstein, früher im Regiment. Mit Beiträgen 
von G. Ei se nt raut Generalmajor z. D., früher 
im Regiment, und M. von Kn och. Hauptmann und 
Batteriechef im Regiment. Enthält 12 Tafelbilder, 
88 Tafeln mit Porträts. Bildern. Skizzen und Karten. 
14 farbige Unisormtafeln. 814 Seiten. Marburg 
(N. G. Elwertsche Universitäts- u. Verlagsbuchhandlung) 
1918. Preis gebunden 15 M. 
Dem 1. Kurhesfischen Feldartillerie-Regiment Nr. 11 in 
Kassel, das in den Tagen vom 5. bis 7. August seine 
Hundertjahrfeier begeht, ist eine Festschrifl erstanden, wie 
sie in diesem Umfang und dieser Ausstattung wohl nur 
lvenigin Regimentern zu teil geworden sein dürfte. Dir 
ruhmvolle Tradition des Regiments gab dem Verfasser 
dieser JubiliäumSgeschichte freilich auch eine solche Fülle von 
Stoff, daß er gezwungen war. von Petitdruck und Ab 
kürzungen in umfangreicher Weise Gebrauch zu machen. 
Stabsarzt Has ein geborener Kassrlaner und früher dem 
Regiment zugehörig, hatte es übernommen, sich der genuß 
reichen, wenn auch mühevollen Ausarbeitung zu unterziehen, 
und mit Staunen erfahren wir, daß das umfassende Werk 
einschließlich der Drucklegung der 51 Bogen großen Formats 
in der knappen Zeit von noch nicht 2'/, Jahren entstand. Dies 
war nur dadurch möglich, daß der Verfasser von allen 
Seiten in umfangreichster Weise bei seiner Arbeit unter 
stützt wurde, und vor allem auch dadurch, daß General 
E i s e n t r a u t. der beste Kenner des Siebenjährigen Krieges 
in Hessen, die Bearbeitung dieses Abschnittes und Haupt 
mann von Kn och diejenige des Krieges 1870/71 über 
nahm. Neben der gedruckten Literatur wurden zahllose, 
z. T. bisher noch nicht verwandte Archivalien benutzt. Im 
Vordergrund steht naturgemäß die Vorgeschichte der kur 
hesfischen Stammtruppen, während diejenige der nassauischen 
und preußischen Stammbatterien dagegen entsprechend zurück 
tritt. 
Die ersten Anfänge des Regiments sind in der landes 
herrlichen Artillerie der Landgrafschaft Hessen zu suchen, als 
deren Begründer Philipp der Großmütige zu betrachten ist. 
Unter seinen Nachfolgern bestand diese aus Garnisonstüben 
und einzelnen Kompagnien, die 1741 zu einer geschlossenen 
Formation, dem „Artillerie-Korps" vereinigt wurden, das 
als ältester Stamm des Regiments anzusehen ist. Nach 
dem Siebenjährigen Krieg erhielt dieses die Bezeichnung „Feld 
artillerie-Korps" und hieß seit 1787 „Artillerie-Regiment" 
Bei der Okkupation des Kurfürstentums durch Napoleon 
1806 wurde das Regiment „beurlaubt" und erst nach 
der Auflösung des Königreichs Westfalen samt der übrigen 
kurhessischen Armee reorganisiert und zu 5 Fußbatterren 
bzw. Kompagnien formiert. 1866 ging das Regiment in 
das preußische Feldartillerie-Regiment Nr. 11 über und 
hieß seit 1867 Hessisches Feldartillerie-Regiment Nr. 11. 
seil 1902 1. Kurhessisches Feldartillerie-Regiment Nr. 11. 
in dessen erster Abteilung das alte kurhesfische Artillerie- 
Regiment noch heute fortbesteht. 
Ausgehend von der älteren Geschichte der landgräflich 
hessischen Artillerie, schildert Verfasser eingehend die landes 
herrliche Artillerie Landgraf Philipps und die landgrüflich 
Hessen-kasselsche Artillerie unter seinen Nachfolgern. Die 
weiteren Abschnitte sind gewidmet dem hessen-kasselschen 
Artillerie-Korps 1741—1787, dem hessen-kasselschen bzw. 
kurhessischen Artillerie-Regiment 1787—1806, der Kur 
hesfischen Legion in Böhmen 1809 und dem kurhessischen 
Artillerie-Regiment 1813—1866. Nachdem die nassauischen 
und preußischen Stammbatterien behandelt sind, bringt das 
folgende Kapitel die Regimentsgeschichte von 1866 bis zur 
Gegenwart. Außerordentlich wertvoll sind dann die Bio 
graphien der Chefs und Kommandeure von 1610—1913 
sowie der Offiziere, Ärzte und oberen Beamten von 1741 
bis 1866. Zu dieser mühsamen und eingehenden Arbeit 
wurden nicht nur reiche gedruckte und handschriftliche 
Quellen benutzt, sondern auch zahlreiche Mitteilungen von 
Familien. Stadtverwaltungen, Gemeinde- und Pfarrämtern, 
so daß hier ein Nachschlagewerk ersten Ranges entstanden 
ist. Umfangreiche Anlagen beschließen das Werk, das mit 
einer Fülle prächtiger Illustrationen ausgestattet ist. Die 
farbenprächtigen Uniformbilder von Kunstmaler Fran 
kend ach in Wiesbaden wurden z. T. nach vorhandenen 
Originalen, z. T nach Beschreibungen aus den Akten zu 
sammengestellt und geben zum ersten Mal einen zuver 
lässigen Gesamtüberblick der Uniformierung während der
	        

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