Full text: Hessenland (27.1913)

216 srsSL. 
oder mehr 1000 mehr oder weniger gäbe. Es ist 
wahr Gott thut in Ansehung meiner revenüen großes 
an mir seine Sachen auszuführen, Capital™ aber 
habe ich gar nicht und was meine Gemahlin hat 
kann nicht gehoben werden die subsidia aber von 
andern Orten davon man saget, sind ein purer Un 
grund, und ich hätte es meinem Herrn vor eine 
Schande gehalten wenn ich bis diese Stunde vor 
mich oder meine Exulanten einige collecte veranlassen 
sollen, was aber gute Leute dann und wann an dem 
Weisenhause zu Herrnhuth, von freyen Stücken gethan 
das ist (nach unserer Art) zwar alle mahl wohl zu 
paße kommen aber in wenigen Tagen weg gewesen. 
Das ist der Punct des Geldes, in Ansehung der 
Auslage, wenn ich nun die Wieder-Einnahme aus 
Nonneburg bedenke, so müßen E. Ld. Gn. überlegen, 
daß ich eines Theils eben so wohl aus ein hundert fl. 
oder was Überschuß zu sehen habe als ein Pachter 
nicht nur meinet sondern der Armen willen, die 
von mir ungetrennt sind, und die ich aus das Theil 
rechnen muß, wo sie sich aushallen, weil meine eta» 
blissemens anderwerts dieser neuen halben nicht aus- 
hören, sondern (wie in Herrnhuth täglich geschiehet) 
immer mehr anwachsen. Wie ich nun eben so sehr 
und billiger daraus zu sehen habe, als Herr Schuchert, 
so werde ichs doch dahin nie bringen, denn was 
Er zum Cxemp. vom Schlöffe nimmt, das fällt weg. 
was ich zu seiner indemnisation thun muß wenn 
er aus dem Pacht gehet, dabey gewinne ich nichts, 
was er hat eingehen lassen das baue ich aus dem 
Schloße, daß also die reparations-unkosten alleine 
die Einnahmen auszehren, und weil 13 000 fl. dcauff 
haften so muß ich die Interessen doch geben und 
den Ew. Ld. schuldigen, nach dem Abzug ich mag 
nun etwas oder nichts eingenommen haben. Daß 
also E. Ld. hoch vernünftig begreifen, daß wenn ich 
meine Gemahlin persuadire (als welche die Direktion 
aller meiner domestic-affairen bisher so weislich und 
gesegnet geführet) 9 oder 10000 fl. ohne interessen 
hinzu geben und als eine Baase vom Hause einen 
um so viel schwereren Pacht zu treffen als ihn ein 
gantz fremder Mann so viel Jahre gehabt, es gewiß 
alles ist, was ich thun kann anerwegen sie nicht 
begreifet, warum ich eine solche affection zu etwas 
habe, daß sie gar nicht goutirt, und da zu sie 
keine Nothwendigkeit siehet, immaßen sie davor hält, 
wenn auch (wie es doch bis letzt ohne alle apparanz 
ist) uns das emigrations Wesen noch von unsern 
Güthern in Oberlausttz weg brächte wir ja die 
Ronneburg doch nicht könnten zu unserm Sitz machen 
sondern eine andrer Herrschaft ankaufen müßte. Ich 
thue hinzu allerwerthester Herr Vetter! daß der 
Religions-Punct, welcher noch manchmal zur reso- 
lution schreiten macht, die man ordinarie nicht er 
greifet , bey uns gar von keiner Erheblichkeit sey. 
weil wir dazu keine Connivenz noch toleranz be 
dürfen, sondern so bald sich nur iemand die Mühe 
giebt uns zu fragen, demonstriren können, und bisher 
allenthalben behauptet haben daß die B. B. und 
Mährische Brüder, wohl die Mutter der Prote 
stantischen beiden Kirchen nicht aber (wie unverständige 
Leute reden) eine neue oder verdächtige Secte be 
deuten können, und diese Dinge (welche erst vor ein 
paar Wochen von der Englischen Kirche auch ad 
Acta declariret worden) sind schon so viel mal ge 
druckt und geschrieben und können allensals bey dem 
Königl. Preuß. Oberhos-Prediger H. I). Jablonsky 
so gründlich erfahren werden, daß kein Zweifel ist. 
es stehe uns dissals nicht nur des Königs in Preußen 
Maj. sondern alles land offen, ich will also E. L. 
nicht mit mehreren aufhalten sondern nur bitten, 
alles dahin anzu wenden daß wir der Ronneb. Pacht 
aus neben gesetzt. Art zu theil, und die punctation, 
darüber, in wenigen Tagen zwischen uns vollzogen 
werde, ad firmandum negotium, der eigentl. Contract 
kann dann mit mehrer Muße vollbracht werden, 
wenn nur E. Ld. wegen der 9 oder 10 000 fl. und 
ich wegen der Sache selbst fest und unzweiffentl. 
versichert seye. So kann ich reisen und das übrige 
können wir unsern Beamten oder mandatariis über 
laßen. Ich hoffe darneben nach E. Ld. retour welche 
ich bald wünsche, die Ehre und das Vergnügen zu 
haben Ihr meine Aufwartung selbst zu machen und 
verharre in zwischen mit aller Ergebenheit 
E. Ld. 
Lindheim treu dienstwilligster Vetter 
am 25. April und Diener 
1737 gez. Zinzendorff. 
Kopie des Handschreibens an H. Gras Zinzendorf 
dd. Wächtersbach den 5. April 1737 
PP. 
E. L. geehrtes vom 2. dieses ist mir zuerst durch 
rückbringern dieses überliefert worden, aus welchem 
ich dann mehreren inhalts ersehen, was dieselbige 
wegen der Ronnenburg an mich zu gesinnen gefällig 
geworden, und so viel die haubtsach aber selbsten 
betrifft, so werden E. L. nicht ungütig Vermerken, 
daß daraus gegenwärtig sogleich positive nicht ant 
worte, indem einige umstände wegen gemelkter 
Ronnenburg Vorkommen, die eine genaue Unter 
suchung erfordern, ehe und bevor ich die von mir 
begehrte erklärung auf das von E. L. mir zugeschickte 
project geben kann, bis dahin dann dieselbige in 
geduld zu stehen belieben werden. 
Das was Vergangenen Sommer pasfiret, davon 
wird sich vielleicht noch gelegenheit geben, E. L. 
explication zu ertheilen, dergestalten, daß ich. noch 
die Meinigen daran nicht Ursache gewesen, sondern 
Vielmehr andere, und vornehmlich daß dieselbige
	        

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