Full text: Hessenland (27.1913)

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Anbau zur Scheune eingerichtet ist. Durch den 
Mittelhof erstieg man dann die Schanzenhöht, von 
der aus der Vorsitzende noch eimal in anschEßlicher 
Weise das Gelände erläuterte. Von der mächtigen 
Schanze führte nun der Weg nach dem Dorfe Alten 
brunslar, von wo aus die Bahn die Teilnehmer 
nach Kassel zurückführte. 
Marburger Hochschulnachrichten. Die Uni 
versität beging das Regierungsjubiläum des Kaisers durch 
eine akademische Feier in der Univerfitätskirche, in der 
Geh. Konsistorialrat Prof. vr. Jülicher die Festrede 
hielt. — Der Professor an der Königlichen Akademie in 
Posen, vr. Richard Hamann wurde zum ordentlichen Pro 
fessor in der philosophischen Fakultät und zum Direktor der 
Sammlung für neuere Kunstgeschichte ernannt. — Der 
Direktor des chemischen Instituts in Greifswaid, Professor 
vr. Karl v. A u w e r s, hat den Ruf nach Marburg ange 
nommen und wird zum I. Oktober sein neues Lehramt 
antreten. — Pros. vr. Heymann, der seit 1904 als 
Nachfolger Lehmanns in Marburg wirkt wurde der 
Charakter als Geh. Justizrat verliehen. 
Personalchronik. Professor Vr. Julius Roden 
berg. der am 9. Juni gleichzeitig die goldene Hochzeit 
und das vierzigjährige Jubiläum als Herausgeber der 
»Deutschen Rundschau" beging, feiert am 26. Juni seinen 
82. Geburtstag. Wir wünschen dem alten rüstigen Herrn, 
der uns schon so oft sein warmes Interesse für unsere 
Zeitschrift bekundete und überhaupt regen Anteil nimmt 
an allen literarischen und künstlerischen Bestrebungen seiner 
hessischen Heimat, noch manches Jahr gesegneten Schaffens 
in seiner bekannten geistigen Frische und körperlichen Rüstig 
keit! — Der langjährige Herausgeber der „Hessischen 
Schulzeitung" und ehemalige Vorsitzende des hessischen 
VolksschullehrervereinS Lehrer Lange beging seinen 80. Ge 
burtstag und Lehrer Gl len b erg-Kassel sein bOjähriges 
Lehrerjubiläum. 
Todesfälle. Am 6. Juni verschied zu Kassel im 
66. Lebensjahr der einer hessischen Gelehrtenfamilie ange 
hörende Schriftsteller Hermann Bezzenberger, der 
sich namentlich durch seine bizarren, ein entschiedenes Talent 
verratenden Kirchhofphantafien „Ich will und die Himmels 
leiter" lzwei Bände mit 90 phyfiognomischen Studien) und 
die „Bampeliana" bekannt gemacht hat. 
Am 11. Juni verstarb im 64. Lebensjahr Realymnafial- 
direktor Profestor vr. Karl Schirmer in Magdeburg, 
der 1886 bis 1893 an der Frirdrich-WilhrlS-Schule zu 
Eschwege als Direktor tätig war. 
Im Alter von 73 Jahren starb in Königstein im Taunus, 
wo er zur Erholung weilte, an den Folgen einer Lungen 
entzündung der Begründer der Auskunftei Schimmelpfeng 
inBerlinWilhelm Schimmelpfeng. DerVerstorbene 
gründete fein Unternehmen, das der Sicherung des Kredit- 
verkehrs zu dienen bestimmt war. im Jahre 1872 zunächst in 
bescheidenem Umfange. Heute ist die Auskunftei Schimmel 
pfeng das führende Unternehmen dieser Art. In dem 
Hauptgeschäft in Berlin und in den vielen Filialen werden 
insgesamt über 2600 Angestellte beschäftigt. Wilhelm 
Schimmelpfeng ist der Schöpfer dieses Riesenunternehmens 
und auch der Schöpfer des Wortes „Auskunftei", das, zu 
nächst viel beanstandet, heute im deutschen Sprachschatz 
längst Geltung erlangt hat. Der Verstorbene war der Sohn 
des früheren Hersfelder Bürgermeisters C. B. Schimmel 
pfeng. 
Kassels HochzeitSgeschenk an die Kaisertochter. 
Als Hochzeitsgeschenk für die jungvermählte Herzogin 
Viktoria Luise von Braunschweig-Lüneburg hat die Residenz 
stadt Kassel auf besonderen Wunsch ein Gemälde bestimmt, 
das die Gegend von Wilhelmshausen an der Fulda dar 
stellt und dem Kunstmaler Hans Meyer-Kassel über 
tragen wurde. 
Kassels Festspiel zur Tausendjahrfeier. 
Der Festspiel-Leseausschuß hat nunmehr die Entscheidung 
über daS bei der Tausendjahrfeier aufzuführende Stück 
getroffen. Nach längerer Beratung wurde folgender Beschluß 
gefaßt: Unter den 38 Einsendungen, die auf das Preis 
ausschreiben vom 26. April vorigen JahreS erfolgten, be 
findet sich nach dem einstimmigen Urteile des Preisgerichts 
keine, die in vollem Maße den an ein Festspiel zur Tausend 
jahrfeier zu stellenden Anforderungen genügte und alS 
geeignet im Sinne des Preisausschreibens zu bezeichnen 
wäre. Abgesehen hiervor werden als die besten der ein 
gereichten Stücke und einander etwa gleichwertig die mit 
dem Motto „Weißer Hof" und ,1385" bezeichneten Manu 
skripte ausgewählt und jedes mit einem Preis von 1000 Mark 
bedacht. Aus bühnentechnischen Gründen wird trotz ge 
wisser Bedenken gegen den Inhalt unter dem Vorbehalt 
einiger Änderungen daS mit dem Kennwort ,1385" ver 
sehene Stück zur Aufführung gewählt. Bei der Öffnung 
der beiden mit den obigen Kennworten versehenen, ver 
siegelten Briefumschläge ergeben sich als Verfasser: für 
„1385" Kunstmaler Benno von Francken aus Dresden, 
z. Zt. Düsseldorf, und für „Weißer Hof" Lehrer Heinrich 
Bertelmann aus Kassel. — Es wird auch unseren Lesern 
eine besondere Freude sein, daß der ihnen durch seine 
prächtigen Erzählungen seit Jahren bekannte heimische 
Dichter Heinrich Bertelmann zu den Preisträgern gehört, 
wenn auch sein fünsaktigeS Festspiel „Fürst und Bürger", 
das den Streit zwischen Landgraf Hermann und den Kasseler 
Bürgern zum Vorwurf hat. leider nicht zur Aufführung 
gelangt. Da sich nach dem Preisausschreiben die Stadt 
Kassel das Recht vorbehielt, von den eingereichten Fest 
spielen noch weitere zur gelegentlichen späteren Aufführung 
zu erwerben, darf man annehmen, daß sie vielleicht auch 
das von Valentin Traudì eingereichte und, wie wir 
hören, als drittbestes bewertete Stück ankaufen wird. 
Aus Kassel. Oberbürgermeister vr. Sch o lz wurde 
endgiltig zum Oberbürgermeister von Charlottenburg ge 
wählt. so daß sich Kassel nach dessen kaum einjähriger 
Amtsdauer um ein neues Oberhaupt bemühen muß. — 
Die von dem verstorbenen Ehrenbürger der Stadt Georg 
Andrer Lenoir auf dem Teichhof bei Lichtenau der 
Stadt gestiftete Lenoirsche Waisenanstalt, die zunächst 200 
Waisen, 100 Knaben und 100 Mädchen, aufnehmen soll 
und außer den Nebenstiftungen von 1264000 Mark heute 
einen Vermögensbestand von 5 Millionen Mark umfaßt, 
wurde am 12. Juni feierlich eingeweiht. — Die Feier 
des 50jährigen Geschäfts-Jubiläums beging am 17. Juni 
das bekannte Bankhaus Damms & Streit in Kassel. 
Schnell aus Kassel. Aus Anlaß deS 100jährigm 
Bestehens der Firma Schnell in Kassel erinnerte man sich 
auch der bekannten Ballade des 1797 verstorbenen Mar- 
burger Professors der Philosophie, Literatur und Zeichen- 
kunst Josef Friedrich Engelschall, die, in seinen 1788 
erschienenen „Gedichten" unter dem Titel „Schnell" zum 
erstenmal veröffentlicht, rasch große Verbreitung fand und 
in veränderter Form und mit dem Titel „Schnell aus 
Kassel" in verschiedene Anthologien überging, so bereits 
1792 in des Darmstädter KirchenratS Friedrich Ludwig 
Wagner „Lehren der Weisheit und Tugend", in der sie
	        

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