Full text: Hessenland (27.1913)

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legen, sondern der verborgen mensch des hertzens 
vnuerruckt mit sanfften vnd stillem geiste, welches 
köstlich sey vor Gott, denn vor wahr es ist ver 
gebens, das sich eine furstin an geschmuck sich zu 
erkennen geben vnd einer jeden welschen Esfin 
nach thun will, sintemal itziger Zeitt nit allein 
die Greuin sondern vom Adell ja Kauffleuts 
Weiber vnd dochter mit dem geschmllck es so hoch 
drehben als es die fürstinn nimmer treyben können, 
dahero auch großer Konnige und Potentaten frawen 
vnd dochter vrsach nehmen, sich gar schlecht zu 
tragen und damit sie vor Andern, so sich zu hoch 
schmucken, erkannt werden". 
Diesen goldenen Worten des wahrhaft weisen 
Fürsten ist wenig hinzuzufügen. Sie wären un 
nötig gewesen und die hessischen Beiträge 
hätten sie nicht ihren Lesern vor anderthalb Jahr 
hundert vor Angen zu halten nötig gehabt, hätte 
die Menschheit die Mahnung des von ihm als 
Gewährsmann herbeigeholten heiligen Petrus be 
herzigt und nicht, was ja allgemein menschlich 
und noch immer an der Tagesordnung ist, die 
Schuld auf andre und zwar, was ja auch wieder 
ein Zeichen für das traurige „Alles schon da 
gewesen" ist, in damaligem Antisemitismus 
aus die Juden geschoben hätte. Man klagte näm 
lich in Hessen 1784 über „den Übermut seiner 
stolzen Ebrüer und Ebräerinnen" in erster Reihe. 
Zu der „so berühmten Aftertoleranz" dieser Zeit 
würde eine Verordnung, wie sie die Reichspolizei- 
ordnung von 1530 enthält (daß sie ein auffallendes 
Abzeichen an ihrer Kleidung tragen sollten), nicht 
passen, daß aber auch die hessische Kleiderordnung 
von 1739 nicht beachtet werde, bezeuge die „täg 
liche Erfahrung, die um so trauriger sei. als die 
übertriebene kostbare Kleidung, in der sich Putz 
macherinnen und Jüdinnen nach jeder neuen Mode 
zeigten, nur Luxus ist, der unsere Weiber und 
Töchter verführt und des Hausvaters Beutel fegt" 
Was würde Landgraf Wilhelm sagen, wenn er 
einen Blick in die Jetztzeit tun könnte, wenn er 
den modernen Modeteufel schaute, der alle Welt 
in Fesseln schlägt und unverhältnismäßige Summen 
für eine „welsche" Gewandung fordert, trotzdem 
sie kaum die Blöße deckt, und für Hüte gleichen 
Ursprungs, die ins Riesenhafte gewachsen sind, 
und wenn er. was das Schlimmste scheint, gewahr 
würde, wie man nicht gerade „Reichstäge", aber 
die unendliche Zahl von „Dentz und Prachterei", 
Vereine und Klubs besucht und damit das Wirken 
in der Familie und im Frieden des Hauses ver 
nachlässigt, in dem unsers lieben Vaterlandes Kraft 
und Stärke seit jeher lag und liegen sollte. 
Beiträge zur hessischen Ortsnamenkunde I. 
Hermannspiegel, Harmulsachsen, Mecklar. 
Von Dr. Wilhelm Schoos. 
An der Bahnstrecke Hersfeld — Fulda liegt am 
linken Ufer der Haune unweit der Einmündung 
der Eitra in die Haune zwischen den Bahnstationen 
Oberhaun und Neukirchen ein kleines, nur aus 
wenigen Höfen bestehendes Dörfchen, das den selt 
samen Namen Hermannspiegel führt. Sanft 
angelehnt an die Ausläufer des Johannesbergs, 
liegt es in einer Gegend, die ziemlich dicht besiedelt 
ist. deren Boden wenig erträglich ist. Die An 
nahme, daß der Ort eine verhältnismäßig junge 
Siedelung sein muß. wird nicht nur durch den 
Namen selbst bestätigt, sondern mehr noch dadurch, 
daß er in den geschichtlichen Quellen der Abtei 
Fulda erst spät vorkommt. Die älteste mir bekannt 
gewordene urkundliche Form stammt aus 1494 x ) und 
lautet zum Hemmenspiegel. 1568 1 ) findet sich 
hof zu Hemenspiegel und 1592 1 ) Haunerspiegel. 
Von den Deutungsversuchcn des Namens 
Hermannspiegel knüpft die eine von K. Friedrich- 
Hersfeld in „Mein Heimatland" (monatliche Bei- 
') Nach Reimers Handschrift!. Ortslexikon im Kgl. 
Staatsarchiv zu Marburg. 
läge zur Hersfelder Zeitung), I. Band, S. 19 an 
die Schreibung Haunerspiegel an, die sich außer 
auf Mercators Karte von 1592 auch auf einer 
alten Stiftskarte von Hersfeld (Beschreibung von 
dem Stift Hersfelt, Amstelodami sumptibus 
Henriei Hondy) des 16. oder 17. Jahrhunderts 
findet. Da aber diese Karte auch sonst sehr un 
genau und unzuverlässig ist, so liegt die Vermutung 
nahe, daß wir es hier mit einer willkürlichen 
Änderung eines Kartographen zu tun haben, wie 
das in den Klöstern des Mittelalters nicht selten 
vorkam (vgl. auch Fuld. Gesch.-Bl. 1912, S. 131) 
und wie es noch heute vielfach durch Katasterbeamte 
mit den Flurnamen geschieht. Wenn Friedrich 
daher die Schreibweise Haunerspiegel für echt 
hält und erklärt, daß das Wort mit Hermann 
nichts zu tun habe, dagegen auf die Lage des Ortes 
an der Haun hinweise und der „hiesigen" Mund- 
art „sprachlich jedenfalls besser liege" als das Wort 
Hermannspiegel, so überzeugt diese Ausstellung 
ebenso wenig, wie wenn er die Namenssormen Neu- 
Sorge und Neu-Horcbau für identisch ansieht.
	        

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