Full text: Hessenland (27.1913)

tmb 138 VE, 
Kaute voll Gestrüpp), „Franzosenbürnchen" bei 
Mackenzell, „auf dem Kirchhof" bei Sargenzell 
werden damit erklärt. 
Die bisher erwähnten Mordkreuze haben keinerlei 
Zeichnung. In Gemarkung Glaam aber steht ein 
Kreuz mit eingemeißelter Hirtenschippe. Zwei 
Schäfer sollen in Streit geraten und der eine vom 
andern mit der Hirtenschippe erschlagen worden 
sein. Das Kreuz steht im Walde Stöckigt auf 
der Grenze zwischen dem Landecker Stöckigt und 
dem Kreuzberger (jetzt Philippsthaler) Stöckigt, 
da konnte ein Streit um die Abgrenzung der Hute- 
rechte der beiden Herrschaften leicht entstehen. 
Wie in Glaam, so find die Mordwerkzeuge auch 
dargestellt B ) auf einem Kreuze am „Höhenwege" 
in Gemarkung Dipperz. Kreis Fulda: ein langes 
und ein kurzes Schwert, dabei die Zahl 1614. 
Erwähnt sei noch „das rote Kreuz" im Walde 
von Michelsrombach. Heute steht dort ein Kreuz 
(das aber nicht rot ist) mit dem Gekreuzigten. 
Aber der Name deutet auf eine Dingstatt, Gerichts 
stätte. Dazu paßt die Lage an der Grenze des 
ursprünglichen Gebietes des Klosters Fulda, am 
„MarkbacherBrand" und am ..Dreiborn"; Wald 
stücke von vier Gemeinden liegen dort durchein 
ander?) 
III. Grenzsteine. 
Die Mordkreuze von Leibolz und Glaam haben 
uiss gezeigt, wie in der alten Zeit Grenzstreitig 
keiten auf Leben und Tod ausgefochten wurden. 
Dazu passen die unerhört harten Strafen für Ver 
letzung von Grenzzeichen i einer cler ein rnark- 
8tein wissentlich ausgrebt, denselben soll mann 
in die erden graben piss an den halss, ond 
sal dan vier pferde, die des ackers nit gewont 
seyn, an einen pflüg spannen, der do neu sey, 
. ond im als lang nach dem halss ern (ackern), 
bis er yn den hals ap geern hat. 7 ) 
Solcher Marksteine sind manche erwähnt oder 
noch vorhanden. 
Innerhalb der Stadt Hünfeld schied der „Stefans 
stein" die „Freiheit" des Kreuzstifts von der übrigen 
Stadt. Die Bewohner der „Freiheit" brauchten 
städtischen Bannwein ®) nicht zu nehmen, gepfändet 
werden wegen Schulden durften fie nur außerhalb 
®) Darstellung der Mordwerkzeuge ist auch auf den 
Kreuzen andrer Gegenden häufig. „Oberschles. Heimat" 
Bd. 6 S. 21. 
") List Völkerstämme 81.61.93: „Rothenkreuz" bei 
Jglau. ehemalige Dingstatt, von „ruoth" = Recht. 
') Weistum von Hrrrenbreitungen 1506 in Grimm, 
WriStümer. Bd. 3. S. 581. 
') Über Bannschank in Hünfeld s. Pa bst in „Fuld. 
GeschichtSbl." 1906 S. 189. 
der „Freiheit"?) Darin liegt nicht» Ungewöhn 
liches. Auch das Weistum von 1483 für Neu 
kirchen, Kreis Hünfeld. gestattete zu pfänden uf der 
gassen und nicht uf sinos junghem gode. 10 ) 
Die Bewohner der Schloßfreiheit in Braunfels 
an der Lahn genießen noch heute einige Freiheiten, 
und Gerichtsbarkeits-Grenze bezeichnete «uch der 
Stein auf der Langenbrücke zu Fulda.") 
Wo der Stefansstein gestanden hat, läßt fich 
einigermaßen bestimmen. Nach dem Schiedssprüche 
von 1424 muß er nahe dem „Kaufhause" gestanden 
haben; 1502 gestattete Abt Johann, an Stelle de» 
inzwischen verschwundenen Kaufhause» ein Rathaus 
zu bauen"), und dieses stand da, wo jetzt die 
Lateinschule sich befindet. Bis dahin also reichte 
die „Freiheit" des Kreuzstifts. 
Einen von der Naturgewalt gesetzten Stein be 
nutzte man bei Begrenzung der von Trüm bachscheu 
Herrschaft Rhina "): „auf der andern Gerte an 
Schickau und Reiner Gemeinde, und daun aber 
an Haunecker Holz, allwo der große Stein 
liegt und die gezeichneten Kreuzbüume stehen." 
Der „große Stein" ist ein noch heute in Gemaxkung 
Unterstoppel auf dem Stoppelsberge liegender Fels 
block. auch 1773 in der Grenzbeschreibung von 
Unterstoppel erwähnt. 
Der Flurname „am Niederstein" zeigt, daß 
Ober- und Unter » Ufhausen nicht wie jetzt eine, 
sondern getrennte Gemarkungen besaßen.") Ein 
Stein von etwa 1709 scheidet noch heute die ehe» 
*) Schiedsspruch zwischen Stadt und Stift Hünfeld 1424. 
in den ungedruckten Schriftstücken de« Kreuzstift- lLande-- 
bibl. Fulda): Czu dem andern male als von des ban- 
weyns wegen setzen und scheyden wir eyntrechtig- 
lichen, weliche hofflute und ander in und uff der 
fryheit gesessen uszwerther gudter hoffe ader ecker 
erbetten forder dan pfründeecker, die des banweyns 
nicht entrungken (?), weliches jars und als digk sich 
das gebort dem ader dene solde eyn zentgreffe ader 
burgermeyster, welchem das zustande, iren weyn in 
das Kauffhusz oder hoher den Steffanssteyn schicken, 
als vil yne dan guborde, und inen iren Knecht lassen 
sagen, das si ynen halten und bezalten; theten sie des 
nicht, so mochten sye dieselben darnach gleich andern 
uszwendig der freyheit pfenden ane Widerrede eyns 
iglichen der zu dem stiefft gehöret. Und sollen säst 
nymant keynen baneweyn senden uff die freyheit oder 
damit bekomem. 
,0 ) Grimm, WriStümer Bd. 3 S. 378. 
") Grau. Da-Steindenkmal auf der Langenbrücke zu 
Fulda, in Fuld. GeschichtSbl. 1910 S. 190. — Auch der 
Name .Stephan»"-Stein deutet wohl auf Grenze: Stefan-» 
kirchen lagen überall außerhalb der Stadtmauer. List. 
Völkerstämme. S. 102. 
") Fuld. GeschichtSbl. 1905 E. 38. 
'*) Lehn-brief von 1824, dessen Grenzbestimmungen au- 
älteren LehnSbriefen übernommen find. 
") „Nirdernufhausen" im Wei-tum von Fürsteneck 1461. 
Grimm, WriStümer Bd. 3. S. 22; auch 1501 findet fich 
„obern und nidern Ufhausen".
	        

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