Full text: Hessenland (27.1913)

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Die dritte Karte endlich zeigt die beiden Hessen 
in ihrer größten Ausdehnung zur Zeit des Wiener 
Kongresses. Kurhefsen reichte damals vom Main 
bis zum Steinhuder Meer und nach Thüringen 
hinein, das Großherzogtum vom Neckar bis zur 
Ruhr und Lippe! Man sieht die großen Erwer 
bungen des jungen Großherzogtums beim Reichs 
deputationshauptschluß (1803), beim Rheinbund 
(1806) und Wiener Kongreß (1815). Die geist 
lichen nnd kleinen weltlichen Staaten waren ver 
schwunden, und so erhielt Hessen den hinteren 
Odenwald, den Süden und Nordosten der Provinz 
Starkenburg, die recht ansehnlichen Besitzungen der 
Erbacher, Jsenburger, der Stolberg, Riedesel, Görtz, 
Solms, und wenn auch nur vorübergehend, das 
kurkölnische Herzogtum Westfalen (1803—15), die 
Grafschaft Wittgenstein (1806—15), die Mainzi 
schen Ämter Alzenau, Heubach, Amorbach, Milten 
berg (bis 1816). 
Diese kurzen Proben mögen zeigen, daß die 
Karten eine Fülle von Belehrung und Anregung 
geben. Sie sind vereinigt in einem eleganten Heft, 
das nur 2 Mark kostet (bei größerem Bezug 
direkt bei dem Herausgeber Preisermäßigung). 
Hinzu kommt noch eine Wandkarte im Maßstab 
1 250000, die die drei Karten in großem Format 
auf einem Blatt nebeneinander bietet. Die Karten 
sind sehr klar und übersichtlich und mit großer 
Sorgfalt hergestellt und füllen eine wirklich schmerz 
lich empfundene Lücke in unserer historischen Li 
teratur, wofür Hattemer den Dank und die An 
erkennung weiter Kreise verdient, und es ist er 
wähnenswert daß Professor Hattemer für sein 
immerhin auch patriotisches Unternehmen keinen 
Verleger fand und die Wandkarte unter erheblichen 
Opfern im Selbstverlag erscheinen lassen mußte. 
Während diese vielleicht nur für Schulen in Frage 
kommt, wendet sich die kleinere, wohlfeile Ausgabe 
(1 600 000 ) an jeden, der Interesse für die Ver 
gangenheit seiner Heimat hat. p r . F. Schrob. 
Ihr Burgen im Lande zu Hessen! 
Von Dr Georg Fink. 
„Wohl sah ich die Schlösser an Saale und Rhein, 
Gewaltig im Wetter und Sonnenschein. 
Doch auch hab ich nimmer vergessen, 
Euch seifige Hügel, euch Höhen im Wald, 
Euch alte Gemüuer, so moosig und alt, 
Ihr Burgen im Lande zu Hessen!" 
Ja, ich habe sie gesehen, die Schlösser an Saale 
und Rhein! Auf der Rudelsburg hab ich dem 
jungen Bismarck schäumenden Trunk gebracht. Von 
den Mauern des Giebichenstein tönte mein Lied 
über die Saale. Und dann wieder saß ich auf 
dem Drachenfels, wo senkrecht die Steinwand hin 
unter fällt in die Tiefe, und empfand jenes köst 
liche Herrschergefühl, mit dem der Bonner Student 
seinen Rhein und seine Sieben Berge umspannt. 
Aber muß darum der Hesse die Burgen seiner 
Heimat weniger lieb haben? Wo der Knabe an 
seiner Eltern Hand staunende Ehrfurcht empfand; 
wo des jungen Lebens Blütenträume vergangne 
Tage mit Gestalten der Jetztzeit belebten — nein, 
euch hab ich nimmer vergessen! Schlösser, deren 
jedes andere Erinnerungen weckt; Ruinen und 
Burgen, die alle ihre eigenen Stimmungskreise 
auftun, die alle ihre Geschichten erzählen, die lieben 
alten Geschichten väterlicher Freunde, denen man 
stets von neuem wieder gerne lauscht. Von stolzem 
Herrentum und stattlichem Hof weiß die eine. Im 
Waldesdunkel versteckt flüstert die andere von 
Männern, die sich abschlössen vor denen draußen 
und ihre Gründe liebten; von minnigen Edelsrauen, 
die unter den Fensterbögen die Dämmerung ver 
träumten. Und wieder andere schauen auf die 
Heerstraße herab und rühmen von geprellten Pfeffer- 
säcken, von Schwerterklirren und Becherklang. 
Der Odenwald tut seine Berge auf, gekrönt 
von Ruinen, umflochten von Buchenlaub. Von 
der Höhenkette der Bergstraße blicken Burgen hinab 
in die Rheinebene. Jenseits winkt man vom Boot 
nach den Vesten der rheinhessischen Hügel. Und 
im Lande der Chatten grüßen sich die Rittersitze 
von der Wetterau zum nachbarlichen Hinterland. 
Dort blickt sie über die Lande, Amöneburg, 
die Liebliche, die stolze Schöne. Sanft wogt das 
Wellenland der Hügel, wo aber einmal, wie 
jauchzend, sich eine Kuppe höher reckt, da hat ihr 
Menschenhand die Krone aufgesetzt. Schutz heischend 
lehnt sich an die Burg das Städtchen, mit ein 
geschlossen in seinen Mauerkranz. Weithin be 
herrschte sie die Runde, die das Mainzer Rad 
durchs ganze Mittelalter seine jungfräuliche Veste 
rühmen konnte. 
Die Ohm durcheilt den hessischen Gau, nimmt 
das feine Bild der Amöneburg in sich auf, die so 
huldvoll herüberblickt, wie einst die Burgfrau, wenn 
sie ihren lieben Junker grüßte. Und die Ohm 
eilt der Lahn entgegen, die noch von Marburg 
träumt und lächelt des lieblichen Anblicks der 
schönen Stadt und schwärmt vom würdigen Land 
grafenschloß, von der Elisabethenkirche, darin der 
Leib der Heiligen ruht, und von der alma mater, 
die ihre Stadt so fröhlich macht. Bald wieder 
spiegelt ihre Flut ein Schloß, wo B i e d e n k o p f,
	        

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