Full text: Hessenland (27.1913)

Heffenland 
Hessisches Heimatsblatt 
Zeitschrift für hessische Geschichte, Volks- und Heimatkunde, Literatur und Kunst 
Nr. S. 27. Jahrgang. Erstes Mai-Heft 1913. 
Die Entwicklungsgeschichte von Hessen. 
über den Namen, die Bewohner und die Ge 
schichte Hessens begegnet man oft falschen Vor 
stellungen. Vom Großherzogtum ist eigentlich nur 
ein kleiner Teil alteS Hessenland. Nicht die Hessen- 
Darmstädter. sondern die Kurhessen sind die Nach 
kommen der Chatten; in Starkenburg und Rhein- 
hefsen haben keine Chatten, sondern Franken, 
Burgunder, Alemannen und früher noch andere 
Völker gewohnt. Auch das Kartenbild unseres 
Nachbarstaates hat nicht immer so schön abgerundet 
ausgesehen, wie heute. Vielmehr sind die Pro 
vinzen Starkenburg und Rheinheffen erst im Laufe 
der Zeit und Stück für Stück erworben worden, 
die Entwicklung ging bis ins 16. Jahrhundert 
nicht von Süden nach Norden, sondern umgekehrt. 
Das Großherzogtum Hessen in seiner jetzigen 
Gestalt ist im großen und ganzen ein Produtt des 
Wiener Kongresses, und innerhalb der rot-weißen 
Grenzpfühle herrschte früher ein tolles Durch- und 
Nebeneinander von Dutzenden von Staaten und 
Stäütchen, fo wie heute etwa noch in Thüringen. 
Bestand doch das heilige römische Reich deutscher 
Nation vom Westfälischen Frieden bis zu seinem 
seligen Ende auS über 300 geistlichen und welt 
lichen Staaten! Warum soll es in unserer Gegend 
anders ausgesehen haben als im übrigen Deutsch» 
land? Um bekannte Namen zu nennen: die Herren 
und Grafen Erbach, Wertheim, Katzenelnbogen, 
Frankenstein, Gemmingen, Wamboldt, Albini, 
Schönborn, Dalberg, Nassau, Isenburg. Riedesel. 
Görtz, Stolberg, Solms, Hanau, Kaichen. Ziegen 
hain und Nidda, Leiningen, Salm, Kurpfalz, Kur 
mainz, das Bistum Worms, die Abtei Fulda, die 
'Reichsstädte Friedberg und Frankfurt, auch Frank 
reich, sie alle besaßen das, was heute Starkenburg, 
Oberhessen. Rheinhessen heißt. Andererseits hat es 
Zeiten gegeben, wo Hessen über seine heutigen 
Grenzen hinausreichte, und Gebiete, die jetzt zum 
Elsaß, zu Baden, Bayern oder Preußen bis hin 
unter nach Westfalen gehören, waren ehemals hes 
sisch. 
Bis ins 16. Jahrhundert umfaßte die Land- 
grasschast Hessen (1292 war Heinrich das Kind, 
ein Enkel der heiligen Elisabeth, in den Reichs 
fürstenstand erhoben worden) vorwiegend altes 
Chattenland, das Gebiet zwischen Lahn und Werra 
mit den Städten Marburg, Gießen, Kassel; auch 
Biedenkopf und Battenberg gehören dazu. Im 
Jahre 1450 kamen die Grafschaften Ziegenhain 
und Nidda, d. h. die Gegenden der oberen Schwalm 
und der oberen Nidda, an Hessen, eine natürliche 
Abrundung und Vervollständigung des seitherigen 
Besitzstandes. Eine weitere wichtige Erwerbung war 
1479 der Anfall der beiden Grafschaften Katzen-
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.