Full text: Hessenland (27.1913)

xmtL 91 *"Wb 
und in Wanfried eine Schwadron vom 2. west 
fälischen Husaren-Regiment nebst einer Kompagnie 
Voltigeurs ständen. Barthels bot sich als Führer 
an. Jedoch war Mühlhausen längst vom Feinde 
verlassen, und so ritt denn die Freischar noch am 
Abend des 17. April nach Wanfried zu. 
Überall in den eichsseldischen Dörfern, die Hellwig 
passierte, wurden Versprengte gefangen genommen. 
Da also die Gegend nicht sicher war und Hellwig 
selbst einen feindlichen Überfall befürchtete, ließ er 
an wichtigen Punkten Wachen zurück. Dadurch 
trat aber eine starke Schwächung seiner Schar ein. 
Kaum 100 Reiter waren es 
noch. Diese Schar teilte er 
an der Straßengabelung 
Mühlhausen-Wanfried und 
Mühlhausen-Lengefeld wieder 
in zwei Teile, ritt mit dem 
einen Teil selbst nach Wan 
fried zu und ließ den zweiten 
unter Führung eknes Offiziers 
über Lengenfeld-Großtöpser- 
Frieda reiten, um so Wan 
fried von zwei Seiten um 
klammern und überraschen 
zu können. 
Schweigende Nacht lag über 
dem schlummernden Werra 
tale. Die grauen Giebel der 
Häuser des Städtchens Wan 
fried tauchten verschwommen 
aus dem Dunkel auf. Nur 
fern über die östlichen Berg 
rücken lichteten sich rötend 
die Wolken. Der Morgen 
begann. 
Da wollte eine feindliche 
westfälische Patrouille durch 
das Obertor. von einem Er 
kundigungsritt durchs Werratal heimkehrend, reiten. 
Plötzlich sausten preußische Reitersäbel durch die Luft. 
Die ahnungslosen Westfalen sanken aus den Sätteln, 
und Hellwig mit seinen Reitern galoppierte durch 
das geöffnete schutzlose Obertor. Unterdessen war 
auch der andere Teil des Streifkorps durch das 
Untertor hereingekommen. So war die Über 
rumpelung der Stadt vollkommen gelungen. Die 
überraschten westfälischen Soldaten wurden gefangen 
oder niedergemacht. Auch ihr Führer, Rittmeister 
Kolbe, geriet in Gefangenschaft. Die Gefangenen 
traten zum größten Teil in Hellwigs Dienst und 
kamen unter das Kommando des hessischen Haupt 
manns Barthels. 
So war Wanfried von der französischen Fremd 
herrschaft vorläufig befreit und die Bürger atmeten 
erleichtert auf. Wenn auch ihr aufflammender 
Patriotismus für viele verhängnisvoll wurde, so 
flog doch die glänzende Tat des Majors von 
Hellwig wie ein Lauffeuer durch das geknechtete 
Hessenland. Ein ahnungsvoller Frühlingshauch 
durchwehte die Täler. Des Königs „Lustigk" 
morscher Thron begann zu zittern. 
Major von Hellwig hatte nach dem Stadt 
überfall noch Größeres vor. In Heiligenstadt auf 
dem Eichsfelde standen je ein Regiment feindlicher 
Kavallerie und Infanterie sowie eine Abteilung 
Artillerie. Die waren aber durch Versprengte aus 
Wanfried rechtzeitig gewarnt 
worden. Hellwig gab in letzter 
Stunde, da seine Reiter stark 
ermüdet und die eingestellten 
Westfalen nicht ganz zuver 
lässig erschienen, den Überfall 
auf. Er zog sich wieder hinter 
Mühlhausen zurück. 
Später plante er sogar einen 
Überfall auf die Stadt Kassel. 
Aber Jvrüme wartete die An 
kunft der kühnenPreußen nicht 
ab, tags zuvor hatte er sich 
„französisch" empfohlen. 
Blücher zeichnete Major 
von Hellwigs herzerfrischendes 
Reiterstücklein im Werratale 
durch einen Tagesbefehl da 
durch aus, „daß des Königs 
Majestät dem Major von 
Hellwig des kombinierten 
Schlesischen Husaren-Regi 
ments für das von demselben 
bei Wanfried wiederholt 
rühmlich geführte Gefecht das 
Eiserne Kreuz I. Klasse ver 
liehen habe." 
Dadurch wurde der so Ausgezeichnete der erste 
Inhaber des Eisernen Kreuzes I. Klasse in der 
gesamten preußischen Armee. — 
So waren dem tapferen Freischarensührer drei 
Überfälle glänzend gelungen. Aber auch drei seltene 
Ordensverleihungen wurden ihm zu teil.*) Durch 
seine Waffentaten feuerte er den Wetteifer seiner 
Kameraden in hohem Maße an. und der Name 
Hellwig hatte in ganz Preußen einen guten Klang. 
*) Bereits 1806 nach dem Überfall von Eichrodt hatte 
der damalige Sekondleutnant den Orden kour le mérite 
erhalten und war zum Rittmeister befördert worden. Bei 
läufig bemerkt sei. daß die Überreichung dieses Orden« an 
Hellwig durch das preußische Königspaar eine besondere 
Szene des mit Unterstützung des deutschen Kaisers her 
gestellten bekannten Kinofilms „Königin Luise* bildet.
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.