Full text: Hessenland (26.1912)

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von Broglio, und hier kam es am 13. April 1759 
zu einer Schlacht, an der Gilsa nun mit drei 
Söhnen teilnahm. — Die von ihm geführte Avant 
garde hatte unter den schwierigsten Verhältnissen 
bereits die Gärten der vom Feinde stark be 
setzten Ortschaft Bergen erreicht. Da sich aber 
das Herankommen der Unterstützungstruppen unter 
General Prinz Isenburg stark verzögerte, mußten 
Gilsas Bataillone ein hinhaltendes Feuergefecht 
führen, in dem sie ihre gesamte Munition ver 
schossen, so daß, als der Feind in großen Massen 
aus dem Ort vorbrach und Gilsa zu umschließen 
drohte, der Rückzug angetreten werden mußte. 
In dieses Zurückgehen ließen sich leider Isen 
burgs Truppen, die jetzt endlich herankamen, 
mit fortreißen, die Franzosen stürmten sieges 
trunken nach, und es entstand eine überaus gefähr 
liche Gefechtslage, in der Prinz Isenburg, als er 
seine Scharen wieder vorführen wollte, durch 
eine Falkonettkugel tätlich getroffen und Gilsa, 
der bereits sein Pferd unter dem Leibe verloren 
hatte, durch eine Gewehrkugel stark an der linken 
Schulter verwundet wurde. Als Retter in der 
Not erschien in diesem Augenblick General v. Urff, 
der sich mit seinem Leib-Kavallerie-Regiment 
opfermutig auf die am weitesten vorgedrungenen 
französischen Bataillone stürzte und sie mit großen 
Verlusten in den Ort Bergen zurücktrieb. Dieser 
glückliche und so rechtzeitig ausgeführte Angriff, 
in Verbindung mit dem Vorgehen frischer Truppen 
der Verbündeten links und rechts, brachte die 
Gefechtslage bei der Avantgarde wieder ins 
Gleichgewicht. Aber mit welch schwerem Verlust 
für Gilsa war dies Ergebnis erreicht? Sein 
ältester Sohn hatte sich als Adjutant des Generals 
v. Urff dem kühnen Neiterangriff angeschlossen. 
Dabei hatte ihn eine Kanonenkugel getroffen und 
sofort getötet. Auch Gilsas Adjutant, Leutnant 
Borbeck, war beim Beginn des Gefechtes schwer 
verwundet. Der linke Arm war ihm zerschossen. 
Als die Avantgarde zurückging, fiel er in Gefangen 
schaft, und als er drei Monate später ausgewechselt 
wurde, war er unfähig weiter zu dienen. — Ob 
die Leiche des Rittmeisters Karl v. Gilsa von 
den eignen Truppen geborgen werden konnte oder 
ob sie bei dem wogenden Kampfe liegen blieb, 
bis Franzosen oder Ortseinwohner sie fanden, nach 
damaliger Sitte beraubten und dann beerdigten, 
ließ sich nicht feststellen. 
Herzog Ferdinand sah sich nach mißlungenen 
Angriffen auf die starke feindliche Stellung bei 
Bergen veranlaßt den Rückzug anzutreten, auf 
dem er, von den Franzosen nicht verfolgt, Nieder 
hessen erreichte. Gilsa war trotz der schweren 
Verwundung bei der Armee geblieben. Schlimmer 
als die Wunde an der Schulter schmerzte ihn der 
Verlust des Sohnes, und es geschah gewiß aus 
Rücksicht auf den tief gebeugten Mann, daß man 
ihm acht Tage nach der Schlacht bei Bergen seinen 
zweiten Sohn, den Fähnrich Georg, an Stelle des 
in Gefangenschaft geratenen Leutnants Borbeck 
als Adjutant beigab. 
Herzog Ferdinand ließ die erschöpfte Armee sich 
in der Gegend zwischen Ziegenhain, Fritzlar und 
Kassel drei Wochen lang erholen, und General 
Gilsa durfte diese Zeit in seinem Oberhof zu 
bringen, was der Heilung seiner Wunde sehr zu 
statten kam. Auch Georg und Wilhelm waren 
einige Tage hier, aber es war doch nur ein trüb 
seliges Wiedersehen. Herzog Ferdinand ließ dem 
General sagen, er sollte nicht eher wieder in den 
Dienst zurückkehren, ehe er nicht vollständig wieder 
hergestellt sei, so sehr ihn auch der Herzog ver 
mißte. 
Am 16. Mai endlich brach Ferdinand mit der 
Hauptarmee auf und marschierte nach Hamm, 
um in Westfalen mit möglichst starken Kräften 
auftreten und so das rechte Rheinufer behaupten 
zu können. General v. Jmhof mußte mit einer 
Heeresabteilung zum Schutze Hessens gegen von 
Süden drohende Angriffe der Franzosen noch eine 
Weile bei Fritzlar stehen bleiben. — Dieser Ab 
teilung wurde auch Gilsa zugeteilt, der in den 
ersten Tagen des Juni notdürftig wieder hergestellt 
und dienstfähig, auch kurz zuvor zum General 
leutnant befördert war, womit er den höchsten 
Rang erreicht hatte, den es in der hessischen Armee 
gab. Während er bis dahin sich mit dem Gehalt 
eines Oberst hatte begnügen müssen, erhielt er nun 
auch Generals-Gehalt. 
General Jmhof ging am 9. Juni von Fritzlar 
über Kassel und Marsbergen nach Westfalen 
zurück, da überlegene feindliche Streitkräfte von 
Marburg aus ihm den Rückzug zu verlegen 
drohten. Unterwegs in der Gegend von Fürsten 
berg bei Büren fand Gilsa Gelegenheit eine von 
den Franzosen bereits eingeschloffene Abteilung hes 
sischer und braunschweigischer Jäger und Husaren 
zu retten. Der General befand sich gerade auf 
einem Erkundigungsritt und hatte nur 50 hessische 
Dragoner bei sich, die er aber so geschickt und 
überraschend zu einem Angriff zu verwenden ver 
stand. daß der Feind zurückgeworfen und die 
eigenen Truppen befreit wurden. 
In dieser Zeit fiel Kaffel zum dritten Male in 
Feindes Hand, und von neuem begannen die 
schlimmen Bedrückungen und Aussaugungen des 
hessischen Landes. 
Als am 1. August 1759 Herzog Ferdinand 
zum Angriff auf das bei Minden stehende fran
	        

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