Full text: Hessenland (26.1912)

M./^t yeR-tVASJEL 
Hessisches Heimatsblatt 
Zeitschrift sür hessische Geschichte, Volks- und Heimatkunde, Literatur und Kunst 
Nr. 1. 
26. Jahrgang. Erstes Januar-Heft 1912. 
Hessische Bergnamen. 
Von Gymnalsialprosessor I)r. K. Stuhl in Würzburg. 
1. Taunus und Hunsrück. 
Zu den durch Römermund uns überlieferten 
deutschen Bergnamen gehört auch die Benennung 
des hessischen Taunus. Was nun dieser Name 
Taunus oder, wenn man von der lateinischen 
Endung absieht, Taun eigentlich bedeutet, darüber 
ergehen sich die Forscher bis heute in Vermutungen, 
indem sie auf das in so vielen auf —äunum 
ausgehenden Städtenamen auftretende Grundwort 
Dun verweisen. Taun und Dun seien, so hat 
man behauptet, ein und dasselbe Wort und Höhe 
dessen ursprüngliche Bedeutung, wie denn der 
Taunus auch schlechthin die Höhe genannt werde, 
eine Tatsache, die aus der Verbindung Homburg 
vor der Höhe bekannt genug ist. 
Allein so unbestreitbar diese Tatsache ist. so un 
wahrscheinlich klingt die Behauptung, daß ein und 
derselbe Ausdruck zugleich Stadt und Höhe oder 
Gebirge bedeutet habe. Zugleich unterliegt es 
keinem Zweifel, daß das angeblich keltische Wort 
Dun in der Bedeutung Stadt betn niederdeutschen 
Tun, altenglischen toun, englischen town, althoch 
deutschen und noch jetzt in der alemannisch-bur- 
gundischen Mundart gebrauchten Zun, schrift 
deutschen Zaun gleichzusetzen ist. Und so liegt 
die Annahme sehr nahe, daß auch der Bergname 
Taun als ein urdeutsches Wort anzusprechen ist, 
das man aber von dem gemeindeutschen Ausdrucke 
Zaun zu unterscheiden hat. 
Diese Erwägungen haben mich bestimmt, jüngst 
in anderem Zusammenhange die Vermutung aüs- 
zusprechen, daß der Bergname Taun nach einer 
auch sonst wohlbezeugten Gewohnheit durch An 
schweißung des Geschlechtswortes aus d' Haun 
— die Höhe entstanden ist*), gleich wie die 
Wörter Alchimie, Alkali, Algebra, Alkoran, Al 
hambra, Alkoven, Elixier durch Festwachsen des 
arabischen Artikels al bzw. el mit den um diesen 
kürzeren Wörtern Chemie usw. entstanden sind. 
So erscheint auch in der bayrischen Mundart, um 
nur ein Beispiel zu nennen, der volkstümliche Aus 
druck die Urschlächt (— Ausschlag, Masern oder 
Röteln) oft mit anklebendem Artikel in der Form 
Durschlachte. Wenn das am grünen Holze, 
das heißt an einem deutschen Worte in einer 
deutschen Mundart geschehen konnte, um wie 
viel eher darf man das bei einem deutschen 
Worte in einer Fremdsprache, also in unserem 
*) Einen ähnlichen Fall habe ich kürzlich in dem bekannten 
Volksliede von der Teutoburger Schlacht festgestellt. Vgl. 
meine Schrift »Das Hermannslied, das älteste deutsche Sieges 
lied" (Würzburg, 1910, Kellner).
	        

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