Full text: Hessenland (26.1912)

51 SÄE, 
übergehend in Gefangenschaft geraten, wobei der 
Oberst seine gesamte Habe und Ausrüstung verlor. 
Rühmlich hervorgehoben wird sein Verhalten bei 
der Belagerung von Bergen op Zoom und in 
dem Gefecht bei Vaux. 
Dem österreichischen Erbfolgekriege, der 7 Jahre 
gedauert hatte, folgten für Gilsa 8 Jahre des 
Friedens. Seine Mutter war gestorben, er selbst 
hatte, bevor er in den Krieg gezogen war, Frau 
und Kinder nach Gilsa gebracht und dann nach 
dem Kriege die Bewirtschaftigung des Gutes ge 
meinsam mit seinem jüngeren Bruder übernommen. 
Sein Regiment Prinz Georg war nach Rückkehr 
aus dem Kriege nach Eschwege in Quartier ge 
kommen, aber als Oberst und Kommandeur war 
er in der Lage, oft längere Zeit mit Urlaub sich 
in Gilsa aufzuhalten, sich dort der Familie zu 
widmen und seinen Pflichten als Gutsherr nach 
zukommen. Dabei soll er nach den Überlieferungen 
der Familie einmal in dem nahen Kellerwald zu 
Pferde einen Angriff auf einige waldeckische 
Wilddiebe gemacht haben, wobei ihm ein Sporn 
vom Stiefel abgeschossen wurde. 
Was seine Söhne betrifft, so war der älteste, 
Karl Friedrich Eitel, mit 16 Jahren als Fähnrich 
in das hessische Leib-Regiment zu Pferde eingetreten, 
hatte die Feldzüge der Jahre 1745—48 mit 
gemacht, war bei Laffelt am Arm schwer verwundet 
worden, aber glücklich geheilt, und stand nun als 
schmucker Reiteroffizier in der Residenzstadt Kassel. 
— Der zweite Sohw, Georg Ernst, trat als 
vierzehnjähriger Jüngling 9 Jahre später, nämlich 
1754, als Fähnrich in das Regiment seines 
Vaters in Eschwege ein. Dieser Sohn hat ein 
Tagebuch geführt, das noch heute einen sorgsam 
gehüteten Schatz des Gilsaschen Familienarchivs 
bildet und uns wertvolle Aufschlüsse Über die 
Erlebnisse des Sohnes und des Vaters, nament 
lich aus der Zeit des nun bald beginnenden 
7 jährigen Krieges gibt, uns auch Einblicke gestattet, 
besonders in den Charakter des Sohnes und seiner 
Eltern. Georg ist ein treuer, guter Sohn ge 
wesen. In kindlicher Liebe hat er fast alle Briefe, 
die Vater und Mutter an ihn geschrieben, seitdem 
er das Elternhaus verlaffen, für seine Nachkommen 
aufbewahrt. Sie sind kulturgeschichtlich von be 
sonderem Wert. Die Mitteilungen dieses Sohnes 
Was ist Fischbach — wo liegt Fischbach? 
Und ehedem ist es doch ein für unser Hessen - 
land bedeutsamer Ort gewesen. 
Wandert man von Wildungen aus nach Süd 
sind auch die Quelle gewesen, aus der O'Cahill 
geschöpft hat, als er die Lebensgeschichte des Vaters 
schrieb. Ebenso hat der Hauptmann Renouard 
das Tagebuch des Georg v. Gilsa bei der Be 
arbeitung seines Werkes über den 7 jährigen Krieg 
benutzt. 
Es sei hier gleich bemerkt, daß die beiden Töchter 
Gilsas, die beide unverheiratet geblieben sind, bei 
der Mutter auf dem Oberhof in Gilsa wohnten 
und der jüngste, während des österreichischen Erb- 
folgekrieges geborene Sohn Wilhelm Friedrich Eitel 
erst im Jahre 1759, als der 7 jährige Krieg schon 
längst begonnen hatte, in die Armee eintrat. 
Schon vor Beginn des Erbfolgekrieges hatte 
Herr v. Gilsa einen Hofmeister für seine Kinder 
angestellt. Er entstammte einer französischen Familie, 
war in Kassel geboren und hieß Michaud. Dieser 
Name findet sich auch heute' noch im Kasseler 
Adreßbuch. Die Tüchtigkeit, Uneigennützigkeit und 
Rechtschaffenheit des Mannes machten ihn mit 
den Jahren zu einem ebenso unentbehrlichen wie 
-treuen Berater und Freund der Familie; er blieb 
als der „Herr Sekretär" bis an sein Lebensende 
im Gilsaschen Hause, und als die schlimmen Zeiten 
des 7 jährigen Krieges kamen, die den Hausherrn 
stets im Felde und fern von seiner Familie hielten, 
während Hessen fast immer in Feindes Hand sich 
befand und von den Franzosen auf schreckliche 
Weise ausgesogen wurde, da mag es für den alten 
Offizier eine große Beruhigung gewesen sein, Frau 
und Töchter und sein Gut in der Obhut eines so 
zuverlässigen ehrlichen Mannes zu wissen. Monsieur 
Michaud, von dem eine Schwester in dem nahe 
gelegenen v. Löwensteinschen Gute Wickershos als 
„Mamsell" angestellt war, ist 1769 gestorben, von 
allen Gilsas aufrichtig betrauert. 
In seiner Garnison Eschwege bewohnte Oberst 
v. Gilsa ein Mietshaus, in dem auch sein Sohn 
Georg und dessen Lehrer und Führer, der Leutnant 
Wetzel, Wohnung hatten. Sie hielten sich ihre 
eigene Küche; eine Köchin, die alte Rosine, sorgte 
für ihr leibliches Wohl. Küchen- und Tafelgerät 
war Eigentum des Oberst; er führte genau Buch 
darüber. Wie hoch seine Miete für die Wohnung 
war, wissen wir nicht. Leutnant Wetzel aber be 
zahlte für Stube und Kammer monatlich einen 
ganzen Taler. (Fortsetzung folgt.) 
westen nach Löhlbach zu — die altertümliche Post 
fährt übrigens heute noch des Weges, und eine 
Fahrt mit der Postkutsche ist doch für den modernen 
Menschen eine seltene Freude —, dann nehmen 
Alschbach. 
Von Dr Hans Braun. Berlin.
	        

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