Full text: Hessenland (26.1912)

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dastehende Terrassengarten, ein fuldisches Sanssouci, 
dem Zustand der Verwahrlosung entrissen und in 
Stand gesetzt würde. Die das Gesamtbild stören 
den Wirtschaftsgebäude mit ihren meist neuen 
Scheunen und Ställen, von denen einige jetzt ein 
Raub der Flammen geworden sind, sollten mög 
lichst beim Wiederaufbau nicht wieder in der Nähe 
der Propstei und Schloßgebäude errichtet werden. 
Ein Brand kann hier Kulturwerte zerstören, die 
nicht wieder zu ersetzen sind. E. Wenzel. 
Vorfreude. 
Kamen seltsam wie im Traum 
Heut' Erinnerungen. 
Als wir still den Tannenbaum 
Schmückten unserm Jungen. 
Stand ich schüchtern und entzückt 
Einst als kleiner Bube, 
Lauschend an die Tür gedrückt 
Vor der Weihnachtsstube. 
Konnt, das Ghr am Schlüsselloch, 
Kaum die Sehnsucht bannen, 
G wie sütz und. heimlich roch 
Drin der Duft der Tannen! 
Sich, da blinkt es goldig klar 
Vor mir auf der Schwelle: 
Christkinds lichtes Engelhaar 
An vergest'ner Stelle. 
«affel. 
Nahm es auf und 1mg es fort, 
Stolzer wie ein Nitter 
Den erkämpfim Drachenhort, 
Hegt ich meinen Flitter. 
Kam die Weihnacht hell und bunt, 
Lichterbaum und Gaben, 
Wurden wohl die Augen mnd 
Dem erstaunten Knaben. 
Fragte Mutter: „Saz geschwind, 
Welche hat gefallen 
Nun am besten meinem Kind 
Von den Gaben allen?- 
Satz auf Mutters Schatz und sann 
Zwischen Traum und Wachen, 
Blickte nach Per Reihe an 
Meine Siebensachen. 
-Ach, das Allersckönste war, 
Wenn ich eins erküre, 
Christkinds goldnes Engelhaar 
Vor der Weihnachtstüre-. — 
Denk ich rückwärts manchen Tag, 
Mutter, will mir scheinen, 
Eine tiefe Wahrheit lag 
In des Kindes Meinen. 
Mutzt aus Tmg und Phantasie 
Stets mein Bild mir weben, 
Und es ward die Freude nie 
Schöner beim Erleben. 
Stand ich sehnend noch davor 
Am verschloss'nen Gitter, 
Fand ich doch an Glückes Tor 
Meinen goldnen Flitter. 
Karl Freiherr von Berlepsch. 
Aus Heimat und fremde. 
Hochschulnachrichten: Marburg: DieZahl 
der Immatrikulierten beträgt 1950 Männer und 
126 Frauen (gegen 2109 Männer und 179 Frauen 
im Sommersemester), dazu 31 Männer und 2 Frauen 
als Hörer, insgesamt 2109, also gegen 100 mehr 
als im letzten Wintersemester. — Gießen: Die 
Zahl der Studierenden beträgt in diesem Winter 
semester 1338. 
Personalchronik. Fürst Heinrich von Hanau, 
der fünfte Sohn des letzten Kurfürsten von Hessen, 
beging in Horfchowitz (Böhmen) seinen 70. Geburts 
tag. Als Prinz gehörte er vom Jahre 1862 als 
Sekond-Leutnant dem kurhesfischen Leibgarderegiment 
an und erfreute sich allgemeiner Beliebtheit bei 
Offizieren und Mannschaften. Er schied im August 
1866 beim Abmarsch des Regiments von Mainz 
nach Kassel aus seinem Truppenteil. Sein jüngerer 
Bruder, Prinz Philipp von Hanau, war Sekond- 
Leutnant in der kurhessischen Garde du Korps und 
schied gleichfalls 1866 aus dem Militärdienste. 
Prinz Philipp wohnt bekanntlich aus seinem Gute 
in Oberurf, Kreis Fritzlar. 
Todesfälle. Am 6. Dezember verschied zu Kassel 
im 92. Lebensjahre der Oberschenk Moritz Freiherr 
v. Dörnberg. Der Verstorbene wurde am 25. Mai 
1821 als Sohn des Kurhesfischen Majors a. D. 
Wilhelm Freiherrn v. Dörnbetg, eines jüngeren 
Bruders des bekannten Obersten v. Dörnberg, der in 
westfälischer Zeit den mißglückten Aufstand organi 
sierte, geboren und vermählte sich am I.März 1851 
mit Marie Freiin v. Malepert-Neufville. Er war 
früh in den kurfürstlichen Hofdienst getreten, wurde 
später Zeremonienmeister, dann Oberschenk und trat 
1866 in den Ruhestand. Zum Mitglied der Kom 
mission zur einstweiligen Verwaltung des Kurfürst, 
tichen Hausfideikommisses bestellt, trat er aber bald 
wieder aus und nicht in die Generalkommisston zur 
Verwaltung des Kurfürstlichen Hausfideikommiß- 
vermögens ein, die bis nach dem Ableben des Kur- 
fürsten und dem bekannten Agnaten-Bergleich, durch 
den das Kurfürstliche Hausfideikommißvermögen in 
das Eigentum des preußischen Staates überging, be 
stand. Mildem seiner Familie am 18. April 1732 ver 
liehenen Erbküchenmeisteramt der Landgrasschast Hes 
sen wurde er als der damalige Älteste der Familie 
1877 von Preußen beließen; er war der siebente Erb 
küchenmeister seiner Familie. Zum Mitglied des 
Kronrates ist er nicht ernannt worden, wie einige 
Blätter fälschlich berichteten. Auch nach 1866 war 
er noch lange Jahre hindurch Mitglied der Direktion 
des Hofhospitals. 
Im Alter von 73 Jahren starb am 9. Dezember 
zu Hanau der aus Deckerhagen gebürtige Veterinär-
	        

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