Full text: Hessenland (26.1912)

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und Buchenwälder brachten dem Orden erhebliche 
Einnahmen aus der Mast. Das Deutsche 
Haus selbst hatte das Recht, in den landgräflichen 
Wäldern bei Marburg 60 Schweine jährlich zu 
mästen; nur was es mehr eintrieb, mußte es be 
zahlen; die Ordenswälder wurden dagegen von 
großen Herden fremder Schweine aufgesucht. So 
lesen wir z. B., daß in einem Jahre 350 Schweine 
aus 9 Dörfern des Amtes Amöneburg zur Mast 
in die Deutschordenswälder getrieben wurden, aus 
Stausebach 170, Anzefahr 130, Himmelsberg 50, 
danach zur Nachmast nochmals 210 Schweine, letztere 
zu 3 Weißpfenuig pro Stück. Die eigentliche Mast 
dauert 8 Wochen und kostet Pro Schweiz 1 Gulden, 
später mal schon für 3 Wochen einen spanischen 
Taler. Gelegentlich, wenn der Schnee früh fiel, 
versuchte der Besitzer der Schweine einen Teil des 
Mastgeldes wieder zu bekommen. Auch Bauern 
aus des Ordens Gerichten hatten das Recht der 
Mast, ein Ackermann durfte 5, ein „Einläufiger" 
3 Schweine eintreiben, so hatten z. B. 1607 die 
Seelheimer 220 Schweine in den Deutschordens 
wäldern. Doch auch von weit her kamen solche, 
z. B. ganze Herden aus der Gegend von Gießen; 
die Angelegenheit wurde dann wohl von einem 
Unternehmer für sein ganzes Dorf in die Hand 
genommen. 
Gelegentlich hören wir auch von Holzpreisen, 
so kostet ein Eichstamm 1 Rtlr. 5 Albus, und der 
Deutschorden verkauft 160—170 Klaftern Holz 
für 267 Rtlr. Neben so großem Verdienst aus 
Holzverkauf deckte das Deutsche HauS seinen ganzen 
Bedarf an Brenn-, Bau-, Wagner-, Schreiner- und 
Brunnenröhrenholz für sich unb die Deutschordens 
höfe aus dem eigenen Wald; auch Kohlen ließ er 
brennen. 
Nun zum Schluß nur noch in ein recht trübes 
Kapitel jener Zeit, von dem unsere Quellen reden; 
Akten von 1687 enthalten eine Klage Seelheimer 
Bauern gegen ihre Gerichtsherren, d. h. gegen die 
Deutschordensherren und die Herren v. Nodenhausen, 
daß sie Holz zur Hinrichtung „zauberischer 
Personen" in ihrem Wald hätten schlagen lasten. 
Die Beklagten wandten ein, sie hätten zwar der 
Gemeinde das Nutzungsrecht am Walde zugestanden, 
als Gerichtsherren seien sie aber doch weiterhin be 
rechtigt, Holz zur Bewachung Gefangener, zu Stock, 
Galgen und Rad aus dem Walde zu nehmen. 
Aus dieser Notiz scheint doch hervorzugehen, daß 
der Orden die peinliche Gerichtsbarkeit noch selbst 
ausübte und von den beklagenswerten Hexen 
verfolgungen sich nicht fern hielt. 
So habe ich ein zwar leider sehr unvollständiges — 
das lag an der Natur der Quellen — aber doch 
immerhin ein Bild zu geben Versuchs, sowohl von 
Jagdverhältniffen in früherer Zeit als auch von 
mancherlei damaligen Zuständen des Deutschen 
Hauses in Marburg. 
Der Name Hundsrück. 
Von vr. Wilhelm Schoos. 
ISchluß.) 
Wenn Jllgner a. a. O. S. 248, Anm. 26 be 
hauptet. daß es neben den von ihm erwähnten 
Namen, in denen hund Bestimmungswort ist. auch 
Flurnamen gibt, die zweifellos mit dem Hunde 
zusammenhängen, so muß diese Behauptung an 
gezweifelt werden. Vielmehr haben alle diese Flur 
namen erst sekundär insofern mit dem Tiere 
etwas zu tun, als man die nicht mehr verstandenen 
alten Namen willkürlich oder unwillkürlich mit 
Beziehung auf den Hund umdeutete. Alle diese 
Namen kommen viel zu häufig vor. als daß die 
Verknüpfung mit irgend einem zufälligen Er 
eignis den Anlaß zur Namengebung hätte geben 
können. Die Umdeutungen reichen weit in die 
früheren Jahrhunderte zurück, als infolge des zu 
nehmenden Ackerbaues die Erinuerung'an die frühere 
Kultur mehr und mehr schwand und man die 
Namen mit neueren Ereignissen lSagen, historischen 
Legenden usw.) in Verbindung brachte, die gerade 
die Einbildungskraft des Volkes lebhaft beschäftigten. 
Daher die Umdeutungen zu Hünenring ia> , Hünen 
burg (zwischen Eiterhagen und Röhrenfurt 13 , ferner 
bei Empfershausen" und bei Volkmarsen). Hünen- 
stein (bei Obermelsungen), Hünstein (bei Gladen 
bach). Hünberg mit Hünborn und Hünich 
(zwischen Großentaft und Soisdorf, bei Klein 
schmalkalden und westlich von Tambach), Hüne 
burg (im Amt Spangenberg) 16 ), Hunburg (bei 
Dreihausen), Huneburg (bei Wasungen), Hunnen- 
triesch (zwischen Körnbach und Leimbach). Hunnen 
burg usw., obwohl diese Namen weder mit den 
Hunnen noch mit Hünen") ursprünglich etwas zu 
") Auch der große und kleine Hünen ring im Teutoburger 
Wald unterhalb des Hermannsdenkmals gehört wohl hierher. 
' s ) Dicht dabei eine Flurbezeichnung Rinderst&U lvgl.hierzu 
Handsstall. Ochsenstall. Saustallgrand, Fohlenstall u.ä). 
") Landau. Wüstungen S. 87. 
“) Hüneburg beim Asseborn (53 timar, Idiotikon 178). 
") Vgl. hierzu den Aufsatz vonHoops: Hunnen und 
Hünen. Germanist. Abhandl., Hermann Paul dargebracht. 
Straßburg 1902.
	        

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