Full text: Hessenland (26.1912)

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Um den empörten Geist der öffentlichen Ordnung 
wieder zu versöhnen, erbot sich Jordis. der Gemeinde 
den Streifen Hute abzukaufen. Der Maire war 
auch einverstanden, der Gemeinderat widersetzte sich 
aber entschieden und behauptete, das Stück Land 
sei zu wertvoll und der Gemeinde unentbehrlich. 
Man hatte nämlich inzwischen erfahren, daß König 
Jérôme Schönfeld kaufen wollte, und hoffte von 
ihm mehr zu erhälten. Damit hatten sich die 
Bauern allerdings stark verrechnet. Allerdings 
nahm Jérôme später den schon von Jordis annek 
tierten Streifen Hute ohne weiteres mit in Besitz, 
auf ihr Geld aber mußten die Bauern lange 
warten. Noch im Jahre 1811 war kein Heller 
bezahlt trotz unaufhörlicher Mahnungen des Maires 
Löwer an die König!. Kabinettskaffe! 
Im Sommer 1809 wohnten Jordis' noch in 
Schönfeld und erhielten u. a. mehrmals den Be 
such von Jacob Grimm. Dann kam es im Au 
gust d. I. zum Abschluß zwischen Jordis und Cousin 
de Marinville, der im Aufträge Jérômes die Ver 
handlungen führte. Jordis erhielt 100 000 Fr. 
(30 000 Taler) für Schönfeld und wurde einige 
Zeit darauf von Jérôme geadelt. Im Jahre 1812 
verlegte er sein Geschäft nach Paris, weil, wie er 
behauptete, „seine Natur ihn durchaus nach dem 
Süden zog" oder richtiger, weil er dort wohl noch 
bessere Geschäfte zu machen hoffte, als in dem 
kleinen Kassel. 
Die Beziehungen der Brüder Grimm zu dem 
Ehepaar Jordis blieben auch in der Ferne bestehen. 
Noch von Paris schickte Lulu an Wilh. Grimm 
Märchen, und als Jacob 1814 und 1815 als 
«" 
Spohrs musikalischer Anteil an ! 
von Hessen ir 
Die Mitteilungen von Spohrs Aufgaben an 
läßlich einer hessischen Fürstenhochzeit, die uns 
Altmeister Louis Spohr selbst — der be 
kanntlich 35 Jahre lang von 1822—1857 durch 
die Macht seiner musikalischen und menschlichen 
Persönlichkeit dem Kasseler Musikleben zu außer 
gewöhnlicher, weit über die Grenzen der engeren 
Heimat hinausgehender Bedeutung verhalf — in 
seiner leider vergriffenen Selbstbiographie gibt, 
dürften so allgemeines Interesse für sich in An 
spruch nehmen, daß es sich verlohnt, den Anteil 
Spohrs an diesem Feste seinen Freunden und Ver- 
*) Über die Vermählungsfestlichkeiten vgl. „Hefsenland* 
1895, S. 122 ff., 164 f. D. Red. 
hessischer Legationssekretär zur Wiedererlangung 
der von den Franzosen geraubten Bücher und 
Kunstschätze in „dem verwünschten Ort" weilte, 
fand er freundschaftliche Aufnahme in Jordis' 
Hause, das einer der besuchtesten Salons für die 
'Schöngeister und die großen Männer jener Tage 
geworden war. Karl Grimni, der als freiwilliger 
Jäger mit noich Frankreich gezogen war, konnte 
sogar trotz seines militärischen Verhältnisses wieder 
für einige Wochen in Jordis' Dienst treten und 
wurde von ihm als Kurier in finanziellen An 
gelegenheiten nach Belgien und Aachen geschickt. 
Lulu war in Paris als geistreiche Salondame viel 
gefeiert und umworben. Der Minister Hardenberg 
schrieb ihr zärtliche Billetts, und Varnhagen v. Ense 
war sterblich verliebt in sie, was sie nicht ungern 
sah, wie Jacob Grimm, der den „fatalen" Menschen 
nicht leiden konnte, mit Ingrimm bemerkte. Jordis 
selbst ging nach dem zweiten Pariser Frieden vor 
übergehend nach Berlin, wo er seinem Schwager 
Arnim durch sein großspuriges Auftreten als 
Commissaire général du Roi de Prusse en 
affaires de finances, noch mehr aber durch seinen 
in eine Oberforstratsuniform gesteckten Leibjäger 
mächtig imponierte. Das Verhältnis zwischen ihm 
und seiner Frau gestaltete sich immer unglücklicher, 
und schließlich kam es zu der oft geplanten, aus 
religiösen Gründen aber immer wieder aufgeschobenen 
Trennung. Nach Jordis' Tode (1839) schloß Lulu 
eine zweite Ehe mit dem Baron Richard Pierre 
Rozier des Bordes zu Paris. Sie starb zu 
Würzburg am 19. November 1854, nachdem sie 
im Jahre zuvor noch zwei Bändchen geistliche Ge 
dichte und Kinderlieber hatte erscheinen lassen. 
»er Hochzeit der Prinzessin Maria 
» Jahre 1825.*» 
ehrern an der Hand seiner Aufzeichnungen bekannt 
zu geben. 
Spohr hatte schon im Jahre zuvor vom Kur 
fürsten den Auftrag erhalten, zu diesem feierlichen 
Akt der Vermählung der Prinzessin Marie mit 
dem Herzog Bernhard von Sachsen-Meiningen eine 
neue Oper zu schreiben. Er erinnerte sich daher 
seiner schon einmal, nämlich zur Zeit seiner Tätig 
keit am Theater an der Wien, gehegten Absicht, 
die Sage vom Rübezahl musikalisch zu bearbeiten. 
Damals hatte er sie dem jungen Theodor Körner 
angetragen, und Körner sich auch bereit erklärt, 
die Oper stofflich zu bearbeiten. Freilich war das 
Versprechen dann nicht zur Ausführung gekommen, 
weil Körner als Freiwilliger zu Lützows Reiter-
	        

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