Full text: Hessenland (26.1912)

9mb 866 smu, 
Mädchen aus Kassel an Kindes Statt angenommen, 
aber bei ihrem unruhigen Wesen konnten die Er 
ziehungsversuche, die sie anstellte, ihre Zeit und 
ihr Leben nicht ausfüllen. Um sich für den Mangel 
ihres häuslichen Glückes zu entschädigen, stürzte sie 
sich in einen Strudel von gesellschaftlichen Ver 
gnügungen, Gesellschaften, Maskenbällen und dgl., 
deren es in dem westfälischen Kassel nicht fehlte. 
An ihrem Landsitze Schönseld hing sie sehr und 
fteute sich, wenn ihre zahlreichen Gäste auch gern 
dort verweilten. Sie hat ihn aber nicht lange besessen. 
Kassel, Reinhard, behauptete, Jordis habe seiner 
zeit nur 7000 Taler für Schönseld bezahlt und 
gegen 5000 Taler für Meliorationen angewandt, 
was gleichfalls unwahrscheinlich klingt, da Jordis 
Vorgänger de Smeth bereits 11500 Taler gezahlt 
hatte. Die Hauptverbesserung, die Jordis in der 
kurzen Zeit seines Schönfelder Besitzes vorgenommen 
hatte, bestand in der Vergrößerung der Teiche durch 
eine Wehranlage, die freilich mit großen Kosten 
verknüpft war. Jordis hatte sich aber nicht ge 
scheut, diese Kosten dadurch zu verringern, daß er 
Schönfeld 
Nach einem Aquarell von Raffte 18-1. 
Eines Tages, es war im Februar 1809, meldete 
sich ein besonders hoher Gast in Schönfeld zu Be 
such an, König Jsrüme in eigner Person. Er 
sah sich die ganze Besitzung mit Interesse an und 
als er nach dem Dejeuner Schönfeld verließ, sagte 
er beim Weggehen zum Gärtner: „Cette raaison 
m’appartient.“ Die Verhandlungen über den 
Ankauf durch den König zogen sich allerdings noch 
einige Monate in die Länge. J6rümes Kabinetts 
sekretär C o u s i n de Marinville bot 70000 Fr. 
für Schönseld, worauf Jordis erwiderte, er habe 
das Gut zwar billig gekauft, aber so viel koste es 
ihn selbst ohne alle die Verbesserungen, die er daran 
vorgenommen habe. Das war nun wohl eine 
starke Übertreibung. Der französische Gesandte in 
von Süden. 
l«u» Dr. Ph. Losch» Beschichte tzchvnfeld».) 
eigenmächtigerweise die Grenzen von Schönseld er 
weitert und einen Teil der Zwehrenschen Hute 
jenseits des Leinborns* abgraben ließ, was einen 
lebhaften Protest der Gemeinde Zwehren wie auch 
des Kasseler Magistrats zur Folge hatte, der an 
dieser Stelle eine Viehtriftgerechtsame beanspruchte. 
Der Kantonsmaire Esser von Zwehren schrieb 
entrüstet an Jordis: „So sehr ich auch Ihren Ge 
schmack bei dieser Anlage bewundere, ebenso auf 
fallend ist mir diese sonderbare VerfchönerungS- 
methode. Eigenmächtig das Eigenthum einer Ge 
meinde Verstümlen, wiederspricht dem Geist der 
öffentlichen O rdnung und der gegenseitigen Achtung." 
*) Der Kasseler Magistrat schreibt vornchmer: „auf dem 
sog. Lindenbrunnen'.
	        

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