Full text: Hessenland (26.1912)

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beth" den Namen „Stift Spangenberg" führen wird. 
Herrn Metropolitan Schmitt wurde aus Anlaß der 
Einweihung der Rote Adlerorden 4. Kl. verliehen. 
Aus der Rhön. Die Rhönschase haben in 
früheren Jahrzehnten eine größere Verbreitung ge» 
habt; sie wurden als Schlachtware lebhaft begehrt. 
Das Fleisch des Rhönhammels wurde in Frankfurt 
a. M. und Leipzig geschätzt. Dann aber kam die 
Vorliebe für die englischen Fleischschafe; man kreuzte 
mit diesen die alten Landschläge und verböserte sie. 
So ist es leider gekommen, daß man heute kaum 
noch reingehaltene Landschläge findet; doch hat die 
Erfahrung immer wieder von neuem gelehrt, daß 
nur bodenständige Rassen, d. h. solche, die sich im 
Laufe langer Zeiten als geeignet herausgebildet 
haben, Gewähr für dauernden Erfolg bieten. Aus 
dieser Erkenntnis heraus ist die Landwirtschafts» 
Kammer in Kassel bestrebt, die Rasse des schwarz- 
und suchsköpfigen Rhvnschases zu erhalten, sie 
sucht dies dadurch zu erreichen, daß die Gemeinden 
ber der Errichtung einer Schafbock-Station Böcke 
der genannten Raffe aus Eliteherde beziehen. Die 
Landwirtschafts-Kammer gibt für die Anschaffung 
reinrassiger Böcke eine Beihilfe. 
Aus dem Großherzogtum Hessen. Auf 
einer Tagung des hessischen Vereins für ländliche 
HeimatpAge, Wohlfahrt und Kunstpflege wurde über 
die mannigfachen Bestrebungen zur Eindämmung 
der Landflucht Bericht erstattet. Neben der Ver- 
befferung der Verkehrsbeziehungen und der Unter 
stützung der wirtschaftlichen Betriebe auf dem Lande 
durch die Versorgung mit elektrischem Strom aus 
den großen Überlandzentralen der drei Provinzen 
des Landes feien in den letzten Jahren allerhand 
kulturelle Bestrebungen getreten, wie die Pflege des 
heimatlichen Liederschatzes, der Volksbildung und der 
Denkmalpflege. Man habe weiterhin Wanderungen 
auf das Land eingerichtet und sich der Jugendpflege 
gewidmet. Vorbildliches sei dann noch in Hessen 
auf dem Gebiete der Volksgesundheitspflege auf dem 
Lande, namentlich durch den Mutter» und Säug 
lingsschutz sowie durch den Ernst-Ludwigs-Verein zur 
Beschaffung billiger Wohnungen für Minderbemittelte 
geschehen. Die Versammlung gab im übrigen den 
entschiedenen Willen kund, für das Gedeihen und 
die Wohlfahrt der ländlichen Heimat zu wirken um 
dadurch den inneren Frieden des Volkes zu stärken 
und durch einen festen Zusammenschluß aller Kräfte 
dafür zu sorgen, daß das, was von alters, her als 
die Lebensader, als das Mark des Volkes erkannt 
wurde, auch den kommenden Geschlechtern nicht ver 
loren gehe. 
Sylvester Jordan und die Jesuiten: 
Im Hinblick auf die bevorstehende Entscheidung des 
deutschen Bundesrates in der Jesnitenfrage erinnert 
GermanicuS in den „Vaterländischen Blättern" 
(Nr. 46) daran, daß Sylvester Jordan, dessen „Po 
litische Erinnerungen" übrigens „Das neue Jahr 
hundert" vor einiger Zeit veröffentlichte, 1839 eine 
Schrift: „Die Jesuiten und der Jesuitismus" er 
scheinen ließ, die sich eingehend mit Entstehung, 
Verfassung, Aushebung. Wiedereinführung und Aus 
breitung der Jesuiten beschäftigt. 
Bosestipendium. Der Kaffeler Magistrat er 
kannte das Stipendium für kurhessische Künstler im 
Betrage von 2000 Mark aus der Stiftung der 
Gräfin Bose dem Bildhauer und Keramiker Kurt 
Schmelz aus Marburg zu. Schmelz will sich auf 
dem Gebiete der Keramik betätigen und sich nament 
lich der einst so blühenden Marburger Töpferei 
widmen. 
Hessische Bücherschau. 
Börckel,Alfred. MainzalsFestung undGarnison 
von der Römerzeit bis zur Gegenwart. Mit 115 Ab 
bildungen. XV, 330 S. Mainz (Verlag von I. Die- 
mer) 1913. M. 5.50. 
„Mainz ist ein guter Platz, vielleicht einer der wichtigsten 
in Bezug sowohl auf die üffenfive als auf die Defensive. 
Man muß den Platz stets in gutem Zustande erhalten." 
So urteilte Napoleon I. über Mainz, und so hat man 
fast 2000 Jahre lang allgemein darüber geurteilt. Schon 
die Römer hatten hier aus einer keltischen Ansiedelung einen 
festen Stützpunkt für ihre Feldzüge im rechtsrheinischen 
Deutschland gemacht. Bon ihm zeugen noch heute zahl 
reiche Funde von Waffen. Münzen usw. und Reste von 
Bauwerken, vor allem aber das jetzt „Eichelstein" genannte 
Denkmal des DrufuS. das die in Mainz liegenden Legionen 
ihrem tapferen Feldherrn errichteten, der, von einem Zuge 
durch das Kattenland gegen die Cherusker zurückkehrend, 
im Jahre 9 v. Chr. in Mainz starb. Aber die Macht 
der Römer verfiel, und während der Völkerwanderung 
wurde die oivitas Moguntiacum zerstört und blieb zwei 
Jahrhunderte hindurch nur eine dürftige Niederlaffung. 
Erst L12 baute der Frankenkönig Dagobert I. die Stadt 
wieder auf. die seitdem als Festung bis auf die heutige 
Zeit eine große Rolle zu spielen berufen war. In dm 
zahlreichen Fehden und Kriegen des Mittelalters am Rhein 
und Main sehen wir sie ebenso von Freund und Feind 
umworben wie im 3Ojährigen Krieg, in dem sie längere 
Zeit im Besitze der Schweden verblieb. Dann finden wir 
sie in den Kriegen gegen Ludwig XIV. und Ludwig XV., 
in denen sie eine wichtige Rolle spielte. 1689 wieder in 
französischen Händen. Erst seit dem 2. Viertel des 18. Jahr 
hunderts find die Kurfürsten von Mainz im ruhigen Besitz
	        

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