Full text: Hessenland (26.1912)

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und unfähig; auch die Hunde wegen der Not meist 
abgeschafft. Noch,1678 werden Preise auf Wölfe 
ausgesetzt. 
Nun zu den Schießbüchern des Ordens! 
Des „Deutschen Hauses" Feldhühnerregister von 
1667'enthält die Summe von 98 Hühnern, die 
in allen dem Orden gehörigen Jagden erbeutet 
waren, meist gefangen, wenige geschossen, gelegent 
lich 13 bis 17 Stück an einem Tag, also viel 
leicht die ganze Kette auf einmal. Das Deutsche 
Haus hatte einen besonderen Hühnerfänger an 
gestellt, der mit verschiedenen Netzen dem Fang 
oblag. Erwähnenswert ist, daß er im Interesse 
der Schonung der Jagd immer das alte Huhn 
wieder fliegen ließ; einer seiner Nachfolger war 
noch mehr für Schonung, oder noch galanter, und 
gesellte dem alten Huhn immer einen jungen Hahn 
bei. Die Hühnerstrecken der Jahre sind natürlich 
sehr verschieden; als höchste Zahl sind einmal 136, 
als niedrigste 14 angegeben. Daneben sind noch 
ziemlich viel Wachteln gebucht, in einem Jahr 36. 
Auch 44 Lerchen, die an zwei Tagen erbeutet 
wurden, sowie einige Wildenten und Tauben sind - 
in diesen „Feldhühnerregistern" vermerkt. Eine 
andere Gruppe von Aufzeichnungen enthält „Exer 
zierte Jagden mit hetzen und schießen", besonders 
in den 80er und 90er Jahren. Danach war 
einmal das Jahresresultat 4 Rehe und 86 Hasen, 
gelegentlich auch einer oder mehrere Füchse Manche 
Lapp- und Hetzjagden waren auch ganz erfolglos 
oder brachten nur wenig Beute. So wurden auf 
einer großen Jagd, die der Landkomtur dem Prinzen 
von Wolfenbüttel und einigen andern adligen 
Gästen zu Ehren veranstaltete, ganze drei Hasen 
geschossen. In den letzten fünf Jahren des Jahr 
hunderts gab es höhere Strecken, es wurden bis 
zu 24 Rehen und 181 Hasen erlegt. 
Die Verwertung des Wildes war eine 
höchst einfache, mit geringen Ausnahmen scheint alles 
in die Deutschhaus-Küche gewandert;u sein. Nur 
einmal wird erwähnt, daß ein Traglasten aus 
ungebleichtem Leinen verfertigt wird, um darin 
Feldhühner nach Mainz zu tragen (wohl als 
Geschenk für den Erzbischof). Die Jagd war eben 
damals noch nicht in dem Sinne ein idealer Sport 
wie heute, sondern ein höchst reales Mittel der 
Ernährung. Rehe wurden oft gleich im Walde 
zerlegt und von den Hofleuten des Ordens, die 
als Treiber oder beim Aufstellen der Lappen ge 
dient hatten, in Körben nach Hause getragen. Wie 
wenig Wert man noch auf Trophäen legte, beweist 
eine Notiz, daß man einem geschaffenen Rehbock 
den Kopf mit den Stangen im Walde abschlug 
und dort liegen ließ, um ihn nicht schleppen zu 
müssen. Da der Orden das Wild in der Regel 
selbst verbrauchte, ist auch von Wildpreisen kaum 
die Rede, nur einmal sagt ein Zeuge in einem 
Prozeß aus, der Deutschorden habe, um die häufigen 
Wilddiebereien von Rotwildkälbern zu vertuschen, 
für 1 Gulden 1 Ziemer und 2 Schlegel gekauft, 
damit sie in seinen Büchern ständen. Dagegen 
enthält ein fürstliches Ausschreiben in den „Fürstl. 
Hess. Landesordnungen" vom 13. Juli 1665 einige 
solche Preise: danach soll das Wild gleich zerlegt und 
das magere zu 6, das gute zu 8, das feiste zu 
10—12 Heller pro Pfund verkauft werden; ein 
Hirschziemer 2 Albus pro Pfund; ein gutes Wild 
schwein 31 / 2—4 Rtlr.; eine gute Bache 2—2'/ 2 , 
ein guter Frischling 1 Rtlr. pro Stück kosten. 
IV. 
Ijber die Art, in der das Wild erlegt 
wurde, sind von mir schon einige Bemerkungen 
gemacht worden. Wie sich nach dem bis gegen 
Ende des Jahrhunderts dauernden Verbot der Feuer 
waffe annehmen läßt, bestand die Jagd über 
wiegend in Hetzen und Fangen. Das im Garn 
gefangene Wild, auch Rehwild, wurde dann, ein 
dem modernen Jäger scheußlicher Gedanke, mit 
Knüppeln totgeschlagen; von den vielgerühmten 
Jagdsitten der guten alten Zeit ist also nicht viel 
zu spüren. 
Im Anfang des Jahrhunderts bestanden wohl 
noch vielfach die alten Wildhecken, die den Wald 
umschloffen und deren enge, dem Wild als ver 
traute Wechsel bekannte Öffnungen gelegentlich mit 
Garnen bestellt wurden; in diese sicherlich ver 
blendeten Netze wurde dann das Wild durch Hunde 
hineingehetzt. Der Name eines der Jagdreviere 
des Deutschordens, die „Rehhecke", deutet vielleicht 
noch auf diese Jagdart hin. Da aber seit 1584 
die Deutschen Herren kein Rotwild und eigentlich 
auch kein Rehwild mehr fangen durften, hatten sie 
kein Interesse mehr an der Erhaltung der Hecken, 
die dann verwilderten und im Verlauf des Kriegs 
wohl oft durchziehenden Heeren als Brennmaterial 
am Lagerfeuer dienten. Auch das Lappzeug hat 
durch den Krieg viel gelitten, wir hören z. B., daß 
der Orden später solches von anderen Adligen 
leihen muß; es war wohl vielfach von fremden 
Offizieren und Truppen benutzt und nicht wieder 
zurückgegeben oder verdorben, wenn es lange nicht 
gebraucht wurde. Einige Mitteilungen weisen 
darauf hin, daß in manchen Revieren, z. B. dem 
schon etwas abgelegenen Mönchwald (bei Nosen- 
thal) die Deutschen Herren lange Jahre nicht 
jagten, wahrscheinlich wegen der persönlichen Un 
sicherheit außerhalb fester Städte und Ortschaften. 
Gegen Ende des Jahrhunderts hatte man wieder 
mehr Lappzeug zusammen, so daß man ganz
	        

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