Volltext: Hessenland (26.1912)

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Jntereffe an der Vergangenheit unseres Landes wecken und 
den so notwendigen Gedanken von Heimatschutz und Denkmal 
pflege in immer weitert Kreise tragen. Dieses erste Heft 
bringt «inen vielversprechenden Anfang. Den dem pracht 
vollen Bildermaterial vorausgehenden Text bildet der weiter 
ausgebaute Vortrag, den Holtmeher den heffifchen Bürger- 
meistern 1911 aus dem Städtetag zu Eschwege über die 
Erhaltung und Entstellung hessischer Rathäuser hielt. An 
der Hand von überzeugenden Beispielen wird gezeigt, daß 
Denkmäler von kunstgeschichtlichem Wert am besten ganz 
unberührt bleiben und man, wenn Wiederherstellungen un 
vermeidbar sein sollten, nicht zu Formen greifen soll, die 
um Jahrhunderte zurückliegen. Die Kritik zahlreicher 
hessischen Rathäuser, und ihrer nächsten Umgebung, des 
Marktplatzes, mußte leider manche moderne Sünde auf 
decken. Wie dieser verdienstvolle und vornehm ausgestattete 
Band der Holtmeherschen Sammlung zunächst dem Laien 
die Freude an der hessischen Heimat und deren über 
kommenen Denkmälern wecken und fördern will, so ist er 
nicht zuletzt auch für diejenigen bestimmt, denen die Aus 
gestaltung des Städtebildes in die Hand gegeben ist, und 
es steht zu hosten, daß er auch an seinem Teile mit'dazu 
beiträgt, daß die neuzeitliche Kommunalarchitektur, die 
weit mehr und weit größere Aufgaben zu leisten hat. als 
irgend eines der verfloffenen Jahrhunderte, wieder anfängt, 
Werke zu schaffen, die, ganz der alten Umgebung angepaßt 
und doch im besten Sinne modern, hinter den Leistungen 
der guten alten Zeit nicht zurückzustehen brauchen. Hbach. 
Hütteroth, Oskar. Die Reinhardswalddörfer 
Holzhausen, Knickhagen, Wilhelmshausen in 
der Vergangenheit und Gegenwart. 305 Seiten. 
Kastei (E. Pillardy) 1911. 
Das Ergebnis einer ungemein mühsamen und fleißigen 
Arbeit legt uns der derzeitige Pfarrer zu Holzhausen in 
diesem umfangreichen Werk vor. von dem zu wünschen wäre, 
daß es für viele Amtsgenossen des Verfassers vorbildlich 
sein möchte. Nicht allein im Jntereffe der geschichtlichen 
Forschung. Bekennt er eS doch selbst in seinem Vorwort: 
„Zur Ausübung deS geistlichen Berufes gehört unbedingt 
die Kenntnis der vergangenen und gegenwärtigen Ver- 
hältniffe der Gemeinden, in denen wir tätig sein sollen/ 
Wir aber find ihm dankbar, daß er ttnS mit fo eingehender 
verständnisvoller Liebe und mit so gründlicher Forschung 
die Geschichte dieser drei an der Grenze der ehemals selb 
ständigen Staaten Hannover und Heffen gelegenen Ge 
meinden, ihres Verhältnisses zu den hessischen Fürsten, 
ihres Bergbaus, ihres Handels und Wandels übermittelt 
hat. Allein 198 Seiten widmet er dem Pfarrdorf Holz- 
hausen nebst Knickhagen, um im zweiten Teil das Filial- 
dorf Wilhelmshaufen und das aufgehobene Kloster Wals- 
hausen mit seiner wunderbaren Klosterkirche Sankt Marien 
zu behandeln. Der dritte Teil bringt außer einer Über 
sichtskarte eine ganze Anzahl von Zeichnungen und Photo 
graphiern. Also nochmals: Möge der Verfaster auch in 
anderen Gemeinden manchen Nachfolger finden, der mit 
gleicher Gründlichkeit und in gleich populärer Form sein 
Pfarrdorf zum Gegenstand geschichtlicher Untersuchungen 
macht. Hbach. 
Happel, Ernst, und Fuchs, Max. Die Osterburg 
in der Rhön. 38 Seiten. Verlag Julius Kreß, 
Kastei. Preis 60 Pfa. 
Forstmeister Fuchs, der seit 15 Jahren an der Auf 
deckung der völlig verschwundenen Osterburg gearbeitet und 
dabei überraschende Resultate erzielt hat, gibt hier einen 
geschichtlichen Abriß über die Osterburg, während unser 
hessischer Burgenforschrr Ernst Happel architektonisch diese aufs 
eingehendste beschreibt und uns zugleich in eigenen sauberen 
Zeichnungen die mannigfachen Einzelfunde vorführt Erst 
an der Hand eines solchen Führers kaün dem Rhönwanderer 
der Besuch dieser über sechs Jahrhunderte unter dem Schutt 
vergraben gewesenen hochinteressanten Ruine von Gewinn 
sein. Hbach. 
Das Werratal. Kleiner Führer durch das Werratal 
von Münden bis Creuzburg und angrenzenden Gebiete. 
Plit 14 Kunstblättern, 39 Textbildern, einem Plan 
von Burg Haustein und einer Übersichtskarte. 94 Seiten. 
Preis 40 Pfg. 
Dieser von der Sektion Eschwege des Werratal-VereinS 
herausgegebene und von Prof. W. U l r i ch verfaßte kleine 
Führer durch jene wundervolle, aus der Schwelle zwischen 
Nord- und Mitteldeutschland gelegene Landschaft zeichnet 
sich vor zahlreichen anderen durch gediegenen Text und 
wirklich künstlerische Illustrationen aus und wird, zumal 
bei dem fabelhaft billigen Preis, jedem willkommen sein, 
der zu kürzerem oder längerem Aufenthalt da« Werratal 
aufsucht. Bei einer Neuauflage möchte ich lediglich die 
Beigabe einer brauchbareren Übersichtskarte vorschlagen, die 
dadurch bedingte Mehrausgabe wird kaum einen Touristen 
vom Kauf dieses prächtigen Büchleins abhalten. Hbach. 
Verkehrsbuch vom Vogelsberg. Beilage: Wegekarte 
vom Vogelsberg mit sämtlichen Markierungen. 1:100000. 
71 Seiten. Verlag von Gustav Mandt, Lauterbach. 
Da ist wirklich ein praktisches Verkehrsbuch. Die wich 
tigsten Orte und Berge werden uns, alphabetisch geordnet, 
vorgeführt und zugleich knapp, schlagwortsmäßig alles 
Wissenswerte über Einwohnerzahlen, Bildungsstätten, Ber- 
kehrsanstalten, Sehenswürdigkeiten, Wirtschaften als Er, 
gänzung zu der vorzüglichen bei aller Reichhaltigkeit leicht 
lesbaren Karte mitgeteilt. Wenn ich hinzufüge, daß ein 
so glänzender Stilist wie Franz Como, der berufene 
Schilderer des Vogel-berges, uns in einer ausführlichen 
Vorrede desten Schönheiten. Sagen und Kunstschätze vor 
führt, bedarf dieses Buch keiner weiteren Empfehlung. 
Hbach. 
Höhenschichtenkarte deSKnüllgebirgeS. 1:100000. 
Herausgegeben im Aufträge des Knüllklubs. Verlag 
der Hofbuchdruckerek Eisenach, H. Kahle. Preis 1 M. 
ES war ein Verdienst, uns die vom Knüllköpfchen ge 
krönte Bergkette des KnüllgebirgeS in einer so klaren und 
deutlichen Karte vorzuführen. DaS Flußnetz ist in blauer 
Farbe, die Höhenlinien sind braun, die Ortslagen rot 
gekmnzeichnet, die Bodenerhebung ist durch zehn farbige 
Schichten von 50 zu 50 Meter abgetönt. Außerdem find 
die das Knüllgebirge durchziehenden 33 Wanderweae durch 
roten Überdruck gekennzeichnet, und die Zahlen und Buch 
staben der vom Knüllklub durchgeführten Wegebezeichnung 
befinden sich gleichfalls auf der Karte, ebenso find die 
neuen, z. T. noch im Bau befindlichen Bahnen bereits ein 
gezeichnet. So bietet die auf starkes Papier gedruckte preis 
werte Karte alles, was der Tourist bei einer Durchstreifung 
des Knüllgebieter braucht. Hbach. 
Eingegangen: 
Bertelmann, Heinrich. Schumann oder Der Soldaten 
aufstand zu Eschwege. Ein Spiel in 4 Aufzügen nebst 
einem Nachspiel. 84 Seiten. Kaste! (Friedr. Scheel) 
1912. Preis 1 M- 
Köth, Karl. S. I. Wilhelm Emanuel Freiherr von 
Ketteler. Mit 29 Abbildungen und einem Geleitswort 
von Graf Droste 'zu Bifchering. XII und 276 Seiten. 
Freiburg im Breisgau (Herder) 1912. 
Preis 3.—, in Leinwand 3,60 M.
        

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