Full text: Hessenland (26.1912)

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des jetzigen Schwanerschen Hauses am Bären-runnen 
und der sich darüber bis zur Nikolaistraße hinauf 
ziehenden Schuppen mitumsaßte. Mer den Bau 
berichtet ausführlich Herr Professor Wintzer in seinem 
1909 erschienenen umfangreichen Buche über „Her 
mann Schwan von Marburg", eine der inter 
essantesten Persönlichkeiten im 16. Jahrhundert. 
C. Ä. 
Aus Marburg. Zur Entlastung des Rat- 
Hauses wurden die Akten aus dem 16. und 17. Jahr 
hundert dem Kgl. Staatsarchiv aus dem Schloß 
einverleibt. 
Aus Hünseld. Die hiesige Ortsgruppe des 
Hessischen Geschichtsvereins beschloß die Gründung 
eines Museumsvereins für den Kreis Hünseld, um 
die Ausgestaltung des schon recht reichhaltigen 
Museums aus eine breitere Grundlage zu stellen. 
Aus Fritzlar. Hier wurde in diesen Tagen 
in Gegenwart der städtischen" Körperschaften das 
von Dechant Jestäd ins Leben gerufene Dom- 
Museum in den Räumen des alten Amtsgerichts-' 
gebäudes eröffnet. Es enthält aus vielen Jahr 
hunderten stammende Altertümer von außerordent 
lichem historischen und Antiquitätenwert und bildet 
somit eine neue Sehenswürdigkeit unserer Stadt. 
Aus Gelnhausen. Der Mederausbau der 
„Barbarossaburg" ist ausgegeben. Als Kaiser 
Wilhelm im Sommer 1906 Gelnhausen und die 
Trümmer der um 1144 aus einer Insel der Kinzig 
erbauten Kaiserpfalz, der sog. Barbarosfaburg, be 
suchte, erregten die teilweise noch recht gut erhaltenen 
Reste dieses stattlichen Baues, innerhalb dessen sich 
wichtige Begebenheiten abspielten — so war hier 
1180 die große Versammlung wegen der Reichsacht 
gegen Herzog Heinrich den Löwen — das Interesse 
des Monarchen in hohem Grade. Nach der ein 
gehenden Besichtigung sprach der Kaiser den dringenden 
Wunsch aus, die alte Burg wieder in ihrer ursprüng 
lichen Gestalt erstehen zu sehen. Leider hat man 
die Pläne, die allein über die ursprüngliche Gestalt 
der Hohenstausenburg Ausschluß geben könnten, trotz 
jahrelanger emsiger Forschungsarbeit nicht gesunden, 
da sie samt dem Stadtarchiv bei dem großen Brande 
am 15. August 1736, der halb Gelnhausen ein 
äscherte, ohne Zweifel mit verbrannt find. Da man 
nun gar keinen Anhaltspunkt bezüglich des einstigen 
Aussehens der Barbarosfaburg hat und man nicht 
eine auf bloßer Phantasie basierende Neuherrichtung 
unternehmen will, hat man den Plan einer Neu 
herrichtung der Burg definitiv aufgegeben. Soviel 
hat sich indes doch bei dem Studium der Geschichte 
der 1635 von den Schweden zerstörten Burg heraus 
gestellt, daß noch 1821 die Burgkapelle so gut er 
halten war, daß darin die katholische Gemeinde ihren 
Gottesdienst abhalten konnte. Nach 1821 nahmen 
die Ortseinwohner nach Gutdünken von dem Bau 
Steine, um sich Wohnungen damit zu errichten. So 
zerfiel die Burg. Nur dem Umstande, daß der Staat 
trotz des Widerspruchs der Stadtverwaltung den Bau 
erwarb, ist es zuzuschreiben, daß jetzt noch die Ruinen 
vorhanden sind. — Zur Renovierung des Hexen- 
turms bewilligten Regierungspräsident und Landes 
hauptmann je 600 M. 
Aus Kirchhain. Zwischen Amöneburg und 
dem Ohmfluß fand am 22. September in Anwesen 
heit von über 3000 Teilnehmern die Gedenkfeier 
an das vor 150 Jahren erfolgte Gefecht bei der 
Brücker-Mühle statt. Landrat Freiherr von Gilsa- 
Kirchhain eröffnete die Feier mit Begrüßungsworten,, 
woraus General Eisen traut in fesselnden Aus-' 
sührungen die Ursachen des Kampfes, die Stellung 
der Verbündeten während des Gefechts und dessen 
Verlaus entwickelte. Rittergutsbesitzer Goldammer- 
Plausdorf dankte dem Redner, wies darauf hin, daß 
der, der seine Heimat liebe, auch deren Geschichte 
kennen müsse und brachte ein Hoch aus Hessen und 
das deutsche Vaterland aus. Nach der offiziellen 
Feier huldigte man beim Brückenmühler-Wirtshaus 
dem Tanz, und abends loderte ein mächtiges Freuden- 
seuer weithin ins Ohmtal. 
AuS Schlitz. Am 20. September fand in 
unserer festlich geschmückten Stadt in Gegenwart 
des Großherzogs von Heffen, des Prinzen August 
Wilhelm von Preußen als Vertreter des deutschen 
Kaisers, sowie von Vertretern der Behörden das 
1100 jährige Jubiläum der Kircheinweihung statt. 
Die Kirche, die nur noch wenige Teile aus der 
Zeit ihrer Gründung ausweist, entstammt in ihrer 
jetzigen Gestalt der Zeit des Mittelalters und offen 
bart die Kennzeichen aller Stilwandlungen, die die 
Baukunst seit dem 12. Jahrhundert durchlaufen hat. 
Die Erbauung der Basilika fällt in die älteste Blüte 
zeit fuldischer Baukunst und geschah nach den Plänen 
des fuldifchen Mönchs, Klosterbaumeisters und spä 
teren Abts Ratgarius. Die Wiederherstellung der 
Kirche erfolgte 1880—82 durch den Geh. Baurat 
Ritgen. den Wiederhersteller der Wartburg. — Dem 
Festgottesdienst und Festmahl folgte abends die Auf 
führung eines von Pfarrer Knott-Wallenrod ver 
faßten Festspieles, das in neun Bildern die Geschichte 
der Stadt und Burg Schlitz von der heidnischen 
Zeit bis zur Gegenwart darstellte. Graf Emil 
Friedrich von Götz stiftete in den Bogen des ro 
manischen Westportals der Kirche ein von ihm aus 
geführtes Tympanon sowie eine neue Tür. Prinz
        

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