Full text: Hessenland (26.1912)

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und der bloße „Stein" bekanntlich eine dem Mittel 
alter sehr geläufige Bezeichnung sür eine Burg, 
die auf einer Berghöhe mit felsigen, steil abstürzenden 
Hängen erbaut ist, deren voller Namen jedoch durch 
ein zusammengesetztes Wort gebildet wird (Falken 
stein, Ludwlgstein, Bilstein u. a.); wer aber einmal 
aus der Tiefe des Höllgrundes an den Felsklippen 
hinaufgeschaut hat, wird uns zustimmen, wenn der 
Fürstenstein auf dieser Klippe gesucht wird. 
Es ist also in hohem Grade wahrscheinlich, daß 
wir in der Burgstätte im Eichholz bei Lütersheim den 
Fürstenstein des Jahres 1269 wiedergefunden haben. 
vom Hornaffen zum Maulaffen. 
Eine kurzweilige Sprachstndie von Wirkl. Geh. Rat Professor Dr. Stölzel. 
(Schluß.) 
Laut „Naumburger Kreisblatt" vom 6. August 
d. I. besprach der Altertumsforscher K. P. Lepsius 
(+ 1853) im „Naumburger Wochenblatt" Februar 
1813 die im Februar bei altdeutschen Opferfesteu 
gebräuchlichen Trinkhörner; zu den Trinkhörnern 
kamen noch Weizenmehlgebäcke in Trinkhörnersorm; 
solche Hörnchen seien noch in Thüringen zur Fasten 
zeit üblich; das Gebäck sei wegen des Mummen 
schanzes und Affenwerks zu Fasten Hornaffe genannt, 
so auch in Naumburg; der Rat mußte jedesmal 
die Erstlinge probieren und genehmigen; das sei 
zuletzt am 26. Januar 1819 geschehen. 
Das schweiz. Idiotikon Bd. 1, Frauenfeld 1881 
Sp. 101 sagt: Horn ... das Glas, das den von 
runden Scheiben übrig gelassenen Raum ausfüllt, 
der Zwickel, ... bekanntlich bestanden die 
ältesten Fensterscheiben aus Horn; Aff 
mag sich auf -ie Gestalt der Zwischenstücke be 
ziehen, Männchen mit ausgespreizten Gliedern, 
wie eS in den Namen unförmlicher Gebäcke (Mul-, 
Teig-, anderwärts Horn-Affe) wahrscheinlich 
Zwerg, Kobold bedeutet. 
Dem oberhessischen Marburg war eigentümlicher 
weise das Wort wie das Gebäck Hornaff unbekannt. 
Man schuf indes hier, da man doch auch seinen 
gebackenen „Affen" haben wollte, das Gebäck der 
„Maulaffen". Während der Erfurter, Kasseler 
und Schmalkalder Hornaffe der Horn-, Ring- oder 
Kreisform huldigte, nahm der Marburger Maulaffe 
im Gegensatze dazu die Form der Ellipse oder des 
Vierecks für sich in Anspruch. Sollte etwa damit 
zum Ausdruck gebracht werden, daß man in Mar 
burg, einem Hauptfitze des Protestantismus, nichts 
mehr wiffen wollte von einem Zusammenhang mit 
der Lichtmeß im Hornung? Daß der Marburger 
Maulaffe einen auf die Kirche bezüglichen Hinter 
grund hat, ergibt deutlichst der Bericht Vilmars 
über den Maulaffen im kurhessischen „Idiotikon". 
Da heißt es: „1839 wurde die Bezeichnung Maul 
affe' in Marburg durch eine andere (,Apostel und 
Propheten') von Kassel her zeitweis verdrängt, kam 
indes nach einigen Jahren wieder zum Vorschein." 
Näheres über diesen gewiß interessanten Kampf 
Marburgs und Kassels fehlt. Ein vor kurzem 
aus Kaffel bezogener Hornaffe hat die Form eines 
geschloffenen oblongen Vierecks. 
Damit wären wir unversehens von den Horn 
affen zu den Maulaffen und so zu dem eigent» 
lichen Anlaß dieser Zeilen gelangt; denn sie sollen 
mehr der allgemein bekannten Sorte von Affen 
gelten, die der Volksmund Maulaffen nennt, als 
derjenigen Sorte von Affen, die nur lokal als 
Hornaffen ein spärliches Dasein fristen. Beide 
Sorten sind freilich himmelweit verschieden, aber 
doch durch den Vergleich, den sie untereinander 
ermöglichen, sehr nützlich. Der Ursprung der einen 
Sorte bringt den der anderen sonnenklar an das 
Licht. 
Einen Menschen als Affen zu bezeichnen, galt 
schon lange, ehe man den Menschen vom Affen 
herstammen ließ, nicht gerade sür eine Liebens 
würdigkeit. „Du Affe" ließ sich niemand gern 
nennen. Viel ärger konnte sich aber auch der 
nicht beleidigt fühlen, den man einen Maulaffen 
nannte. In dem Vorsetzen der Silbe „Maul" 
lag keinerlei Steigerung. Ein Maul hatte selbst 
verständlich jeder Affe, und daß er es hatte, war 
kein besonderer Schimpf für ihn. Wie wäre es 
denkbar, daß also jemand auf den Gedanken ver 
fallen sei, zu Beleidigungszwecken seinem Mit 
menschen den Maulaffen statt des Affen an den 
Kopf zu werfen? Der Maulaffe muß gegensätzlich 
zum Affen etwas ganz anderes bedeuten als einen 
Affen, der ein Maul hat. Es läßt sich von vorn 
herein mutmaßen, daß die dem Affen vorgesetzte 
Silbe Maul ihre ganz besondere Bedeutung hat. 
„Maulaffe ist seit dem fünfzehnten Jahrhundert 
nachweisbar" (Grimm). Besonders viel Gebrauch 
machte Luther von dem Worte, und er gibt uns 
auch davon eine äußerst wertvolle Definition: der 
Maulaffe ist „ein Mann, dem das Maul auf 
gesperrt stehet". Auch die Wortform „Mund 
affe" und Verwandtes kommt vor. „Maulaffen" 
sind ferner weder Schiller noch Goethe, noch Kotzebue 
oder Kleist fremd. Bei Keisersberg ist zu lesen:
	        

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