Full text: Hessenland (26.1912)

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2. Abschnitt schildert die Niederlage der preußischen Sonder 
bundsbestrebungen, die schwankende Politik Preußens gegen 
über der hessischen Ständeopposition. die Friedrich Wil 
helm IV. zugleich verdammte und doch begünstigte, und- 
schließlich das Finale in Olmütz und in Kassel. Was 
Bismarck damals an seine Frau schrieb, „in Hessen werden 
wir uns furchtbar blamieren", ging in Erfüllung, aber 
weder Hasienpflug noch der Bundestag konnten sich des 
Sieges lange freuen. Der großdeutsche Standpunkt des 
Hopfsch^n BucheS wird zur Zeit wohl nicht viel BerstLnd- 
nis finden, dadurch wird aber fein Wert schon um der mit 
geteilten neuen Quellen willen nicht beeinträchtigt. Ph. L. 
Personalien. 
Verliehenr dem Organisten Paulstich in Hanau der 
Königliche Kronenorden 4. Kl. 
übertragen r die Verwaltung einer Postratstelle bei 
der Ober-Postdirektion in Stettin dem Postrat D r e ß l e r 
in Kassel; eine Stelle für Bezirks-Aufsichtsbeamte bei der 
Ober - Postdirektion in Kassel dem Ober - Postinspektvr 
Saeuberlichin Chemnitz; eine Telegrapheninspektorstelle 
bei dem Fernsprechamt in Düsseldorf dem Ober-Post 
praktikanten Neu rohr in Kassel. 
Erteilt: die Erlaubnis zum Anlegen des ihm ver 
liehenen Ritterkreuzes des Fürstlich Lippischeu Hausordens 
dem fürstl. Konzertdirektor Kramer-B angert zu Kassel. 
Wiedergewählt r Oberbürgermeister Dr. Gebeschus 
zu Hanau auf 12 Jahre. 
Versetzt: Oberzollkontrolleur des GrenzaufsichtsdienfteS 
Badenhausen in Leer (Ostfriesland) als Oberzoll 
kontrolleur des Bezirksdienstes nach Berlin-Pankow zum 
1. Oktober. 
Gebore« : ein Sohn: Hauptlehrer Frank und Frau 
Elise, geb. Grebe lFriedloS. 4. September); Regierungs 
baumeister Werner Bergmann und Frau Hanna, geb. 
Menfing (Halle (Saale). 12. September); Dr. K. Mer 
kel und Frau (Melsungen, 18. September); — eine 
Tochter: Staatsanwalt Dr. Bähr und Frau Gertrud, 
geb. Schlichting (Koblenz, September); Dr. Kirstein 
und Frau Meta, geb. Hülbrock (Marburg). 
Gestorbe«: Frau Luise Hertz er, geb. Flock auS 
Rinteln, 75 Jahre alt (BucyruS, Ohio, 13. August); 
Privatmann Wilhelm Hilgenberg. 71 Jahre alt 
(Kasiel, 29. August); Dr. pdil. Fritz Schreyer, 29 Jahre 
alt (Bochum, 3. September); Frau Bürgermeister Rüppel 
aus Großalmerode (HerSfeld, 3. September); Dr. rned. 
Georg Wichmann, 60 Jahre alt (Melsungen. 3. Sept.); 
Frau Mary Holmquist, geb. Everts, 38 Jahre alt 
(Kasiel, 4. September); Professor für Psychiatrie Dr. Au 
gust Cramer, 52 Jahre alt (Göttingen, 5. September); 
Charakter-Komiker Claudius Merten, 1877—80 als 
Nachfolger Varenas und Vorgänger Böllers an der Kasseler 
Hofbühne (Berlin, 5. Sept.); Frau Amalie Foerster, 
geb. Kampfmüller, 67 Jahre alt (Kassel. 6. September); 
Sekretär an der Landesbibliothek Wilhelm Jacob: 
(Kassel. 6. September); Privatmann Adam Schade, 78 
Jahre alt (Kasiel, 7. September);'Rechnungsrat Theodor 
Finkelde, 61 Jahre alt (Kasiel, 7. September); Rentner 
M. I Kircher, 65 Jahre alt (Fulda. 8. September); 
Rentner Fritz Voltz, 79 Jahre alt (Hanau, 9. Sept.); 
Apotheker F. W. Meyer (Marburg. 10. September); 
Frau Elise Fellmann, geb. Schultheis, 85 Jahre alt 
(Kasiel. 10. September); Gasthofbefitzer August Schom- 
bardt aus Kasiel, 38 Jahre alt (Nordhausen, 11. Sep 
tember) ; verw. Frau Elisabeth Strauch, geb. Schwartz- 
kopf (Kassel, 11. September); Chemiker Dr. phil. Bern 
hard Wackenroder (Kasiel, 18. September). 
Sprechsaal. 
Gestatten Sie mir zu dem jüngsten Heft des „Hesien- 
land" (Nr. 17) die folgenden Bemerkungen. 
1. In dem Aufsatz „Alte berühmte Rintelner Druck 
werke" sagt Herr Pfarrer Schuster (S. 258), die alte 
Univerfitätsdruckerei und als deren Fortsetzung die Böfen- 
dahlsche habe nie ihren Platz gewechselt, gibt dann aber 
in einer Fußnote zu, daß dies dennoch möglich sei. In 
der Tat verhält es sich so. Zu der Zeit, als ich Gymnasiast 
in Rinteln war (1846—1851), befand sich allerdings die 
Bösendahlfche Buchhandlung dem Kollegienplatz und 
altem Gymnasium, der ehemaligen Universität, gegenüber; 
die Druckerei jedoch war im Bösendahlschen Wohn 
haus. an der Weserstraße, der „Stadt Bremen" gegenüber, 
in einer Hinterstube, in der ich selbst mehr als einmal 
gewesen bin. 
2. Zu der „Anfrage" (S. 276), das Lied ,,0ù peut-on 
être mieux" betreffend, das hier — und wohl auch ander 
wärts — in der französischen Kolonie bei der „kête àu 
kekuge" noch immer gesungen wird, habe ich von einem 
geschätzten Mitglied derselben, dem Mufikalien-Verleger 
Herrn C. A. Challier. nachstehende Auskunft erhalten : 
Das Lied stammt auS der 1769 erstmalig aufgeführten 
Oper „Lucile" von Grätry. der Text ist. von Marmantel, 
d. h. nur die erste Strophe, wie die französischen Kolonisten 
das Lied fingen, die folgenden Strophen find ad hoc hin 
zugedichtet worden Eine sehr hübsche Ausgabe, Noten 
und Text, ist erschienen: Berlin, C. A Challier u. Co. 
Berlin W. Julius Rodenberg. 
„Où peut-on être mieux qu’au sein de sa famille“ 
ist ein Quartett aus der Oper „Lucile" von Grêtry aus 
dem Jahre 1769. Eine Ausgabe für eine Singstimme mit 
Klavier ist in jedem Mufikaliengefchäft erhältlich (Berlin. 
Challier, Verlagsnummer 2853). Daß dieser Chor jemals 
in Hessen als Nationalhymne gesungen sein soll, ist natür 
lich nur ein Witz der Pamphletisten der nachwestfälischen 
Zeit. Die Melodie war im Revolutionszeitalter ziemlich 
beliebt. Marie Antoinette ließ sie im Kreise ihrer Anhänger 
fingen und die Jakobiner sangen sie zum Preise Marals. 
— Eine eigentliche „hessische Volkshymne" hat es weder vor 
noch nach der französischen Fremdherrschaft gegeben. Seit 
1813 entwickelte sich wie in andern Ländern auch in Heffen 
der Brauch, den Fürsten mit der Melodie de8 Carehfchen 
„God save the hing“ anzusingen, der man eine ganze 
Reihe meist ebenso gut gemeinter wie schlecht gelungener 
Dichtungen untergelegt hat. — Die beste hessische Volks 
melodiensammlung ist die bekannte von Lewalter (1890 ff). 
Die Texte find älter und ursprünglicher in der Sammlung 
von Fr. L. Mittler (1854). die aber keine Melodien hat. 
Steglitz. Dr. Philipp Losch. 
Das vortreffliche englische Musik-Lexikon „Grove’s Dictio 
nary of Music“ (London 1907) hat dem französischen Ge 
sangsstück: Où peut-on être mieux qu’au sein de sa 
famille einen kurzen Artikel gewidmet, von dem ich eine 
.Übersetzung überreiche: „Où peut-on être mieux qu’au 
sein de sa famille?“ Ein Quartett auS GrstrhS 
„Lucile" (1769). Historisch berühmt geworden dadurch, 
daß eS bei verschiedenen Gelegenheiten gesungen wurde, wie 
z. B. in Versailles aut 15. Juli 1789 ; in Carleton Houfe 
beim ersten Besuch deS Königs George III. und der Königin 
Charlotte beim Prinzen von Wales am 3. Februar 1795 
nnd während des Rückzugs von Moskau am 15. November 
1812. Nach der Restauration wurde eS von den Bourbonm 
als königstreues Lied angenommen. 
Kaffel. Edward Holzapfel. 
Für die Redaktion verantwortlich: Paul Heidelbach, Kaffel. Druck und Verlag von Friedr. Scheel, Kaffel.
	        

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