Full text: Hessenland (26.1912)

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Friedberg beschloß die Stadtverordnetenversammlung 
die Erbauung eines Stadtmuseums, das zugleich das 
Stadtarchiv mit seinen kostbaren Schätzen, die Stadt 
bibliothek und eine Volkslesehalle bergen soll. Die 
Kosten des Bauwerks sind auf 85 000 Mark ver 
anschlagt. 
Aus Schlüchtern. Der Heimatbund (Verein 
für Heimatkunde und Heimatpflege im Kreise Schlüch 
tern) hat auch iyr dritten Jahre seines Bestehens 
eine ersprießliche Tätigkeit entfaltet. Er setzt auch 
weiter die Herausgabe der in zwangloser Folge er 
scheinenden Zeitschrift „Unsere Heimat" fort. Das 
von ihm satzungsgemäß geplante Heimatmuseum ist 
im neuen Kreishause eingerichtet und erfreut sich 
eines regen Besuches. Der Verein veranstaltete im 
Berichtsjahre mit Hilfe des Rhein-Mainischen Theater 
verbandes in Schlüchtern zwei klassische Theateraus. 
sührungen und ein künstlerisches Konzert und in den 
umliegenden Ortschaften 14 Gemeindeunterhaltungs 
abende unter dem Namen „Heimatbund". Als neue 
Aufgaben hat der Heimatbund den Vogelschutz, die 
Herausgabe eines Heimatkalenders und die Prämi» 
ierung der schönsten und zugleich billigsten Blumen 
fenster (zunächst in 6 Gemeinden) begonnen. 
Aus der Wetterau. In den Ruinen der 
Burg Glauberg werden Ausgrabungen vorgenommen. 
Man fand 2 Meter starke Mauern, Tore und einen 
Brunnen. — In der Kirche der vormaligen Prä- 
monstratenserabtei zu Ilbenstadt wurden mittelalter 
liche Wandmalereien aus dem 14. Jahrhundert auf 
gedeckt, die das Martyrium der Zehntausend vom 
Berg Ararat darstellen. Die vier Stifter, die ihr 
Wappen auf den Gemälden anbringen ließen, Probst 
Konrad von Karben und die Ordensgeistlichen Merkele 
von Kebele, Albrecht von Ehringshausen und Werner 
von Hirzenhain, konnten auf Grund der Wappen 
festgestellt werden. 
Aus Schlitz. Die Schtitzer Textilwerke be 
gingen in diesen Tagen ihr 100 jähriges Geschästs- 
jubiläum. 
Vom Hanstein. Bekanntlich sind an der Ruine 
Hanstein in den letzten Jahren umfassende Erneue 
rungsarbeiten vorgenommen worden. U. a. wurde 
auch ein Empfangszimmer für die Kaiserin einge» 
richtet, die es liebt, gelegentlich ihres Sommeraufent 
halts in Wilhelmshöhe der Burg hier und da einen 
Besuch abzustatten. Die Familie Hanstein beabsichtigt 
nun, auch die zum Hanstein gehörige Kirche, die den 
Bewohnern des Dorfes Rimbach als Gotteshaus 
dient, auszubauen. Die Kirche soll zwei je 17 Meter 
hohe Türme nach der Werra zu erhalten. Mit dem 
Bau, für den auch die Kaiserin eine Summe ge 
stiftet hat, soll demnächst begonnen werden. Die 
Bewohner von Rimbach werden während des Baues 
die Kirche von Bornhagen besuchen. 
Prähistorische Funde. Eine bei Kernbach 
im Kreise Marburg gefundene Urne aus der Spät 
es löos-Zeit wurde vom Kasseler Landesmuseum 
angekauft. — Der Sandershäuser Fund, über den 
wir kürzlich berichteten, stammt aus der Hallstatt- 
Zeit und ist ohne sonderliche Bedeutung. 
Literarisches. Wilhelm Benneckes nach 
gelassener Kasseler Roman „Marien-Elend" gelangt 
jetzt im „Kasseler Tageblatt" zum Abdruck. — 
Arthur M o r i t o n s Schwank „Das Strohwitwer 
heim", besten Uraufführung in Basel auf den 
10. September angesetzt war, wurde von der Zensur 
verboten. 
Hessische Bücherschau. 
Hopf, Wilhelm. Kurhesfens Deutsche Politik 
im Jahre 1850. Ein Beitrag zur Geschichte der 
deutschen VerfastungSkämpfe. VI, 295 S. Marburg 
(Elwert) 1912. Preis broschiert 3 M. 
Ein Kapitel aus der traurigsten Periode der neueren 
Geschichte KurhestenS ist eS, das der Verfasser vor uns auf 
rollt. Mag eS auch richtig sein, daß Kurheffen damals 
dank der Führung HastenpflugS eine entscheidende und 
ausschlaggebende Rolle in der deutschen Politik spielte, so. 
find doch die widerwärtigen politischen Kämpfe im Innern 
drS Landes, die schließlich zur Steuerverweigerung führten 
und dann zu den Strafbahern führen mußten, etwas so 
Trauriges, daß man diese Blätter gern in der hessischen 
Chronik misten möchte. Die Folgen der damaligen Ge 
schehnisse find jetzt nach 62 Jahren noch immer nicht ganz 
verwunden, noch immer gehen die Ansichten über Hassen- 
pflugS Politik weit auseinander, noch immer wird die Zahl 
seiner Bewunderer in der starken Minderheit sein, und 
der berühmte Regmschirm, unter dem sie Platz finden sollten. 
ist mit der Zeit auch kaum größer geworden. Der Ver 
fasser des Buches, ein Neffe BilmarS (besten ausführliche 
Biographie demnächst von ihm erscheinen wird), leugnet 
nicht die Schuld, die HastenpflugS Regierung durch falsche 
Ausnutzung de« Sieges über ihre Gegner auf sich geladen 
hat, aber in dem Kampfe selbst steht er völlig auf der 
Seite des vielgehaßten Mannes, besten Energie eS gelang, 
die Erfurter Union zu zerbrechen, den Bundestag zu re 
aktivieren und mit feiner Hilfe die „Rebellen" im eigenen 
Lande niederzuwerfen und zu demütigen. Reiches hand 
schriftliches Material aus dem Nachlaste BilmarS und 
HastenpflugS stand ihm zu Gebote, und die Benutzung 
dieser Quellen gibt dem Buch einen besonderen Wert. Dem 
Titel entsprechend liegt der Nachdruck der Darstellung auf 
der Schilderung der äußeren deutschen Politik KurhestenS. 
Der 1. Abschnitt gilt der Erfurter Union. Besonders 
interessant ist daS 2. Kapitel, in dem die Legenden des 
Gothaifchen Herzog« Ernst über da« Auftreten des Kur 
fürsten und HastenpflugS in Berlin zerstört werden. Der
	        

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