Full text: Hessenland (26.1912)

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Die Dreschflegel klappern beim Zweischlag: 
Ach du, ach du (nämlich: Gott), beim Dreischlag: 
Ach Gott half! (Oder: Du Dicksack, du Dick 
sack), dreschen vier: Spack ens Deppe (Speck in 
den Tops), sind fünf Drescher an der Arbeit: deckt 
dich de Bockei (Juckt dich der Buckel) und stehen 
endlich sechs Mann ans der Tenne: Dicke, satte 
Brocke (Oder Krut ö Fleesch ens Deppe (Kraut 
und Fleisch in den Hops). 
Die Mühle rumpelt: deckt dich deng Bockei, 
jeckt dich deng Bockei (juckt dich dein Buckel). 
Nämlich so Hatte die Mühle gedröhnt, als „jener" 
Bursche singend zum Tanz ging; und als er dort 
sich eine „barbarische" Tracht Prügel geholt und 
auf dem Rückwege an derselben Mühle ächzend 
vorbeischlich, da hatte sie gehöhnt 8öt dich deng 
Bockei gejeckt? (Hat dich dein Buckel gejuckt?) 
Hierher gehört auch das oben angeführte Verslein: 
Dieb! — Bär ess~en? (wer ist der Dieb?) — 
De Meller! (Der Müller!) 
Bei ihrem Ackerbau werfen die Verständigen, 
und wenn sie zehnmal Männer des landwirtschaft 
lichen Fortschrittes sind, jene alten Worte der 
Weisheit nicht über Bord, die von ihm handeln. 
Es steckt die Lebenserfahrung ihrer Väter darin, 
on die Ahle seng immer die allste! (und die 
Alten sind immer die ältesten und darum erfahrensten). 
So sagt ihnen die Kartoffel: Setzt d’r mich em 
Aprel, komm ich, bann ich well, setzt d’r mich 
em Mai, komm ich glich härbei (Setzt ihr mich 
im April, komme ich, wenn ich will; setzt ihr mich 
im Mai, komme ich gleich herbei). Beherzigenswert 
sind ihnen auch die Regeln: Stroh macht d's 
Laand froh, Löb macht’s döb (Stroh - (MW 
macht das Land froh, Laub-[MW macht’s taub). 
Eechelöb on Gensmest macht d’s Laand ärmer 
bi’s efi (Eichenlaub und Gänsemist macht das Land 
ärmer wie’s ist). Dicke Schänner — dicke 
Känner (dicke Schörner [Schollen^ — [geben) dicke 
Körner). Gebrore. Kraut — gerore Kraut (Ge 
braten Kraut — geraten Kraut. Sinn: Scheint 
die Sonne beim Krautsetzen, so daß die Pflanzen 
welk den Kops hängen, so gerät das Kraut, weil 
dann das Land schön locker wird). Meisjohr — 
Speisjohr (Mäusejahr — Speisejahr. Sinn: Ein 
Mäusejahr ist gewöhnlich ein trockenes und infolge 
dessen ein fruchtbares Jahr, denn die liewe Sonn 
on ee Treppche Schnaps verdärwe nechts [hie 
liebe Sonne und ein Tröpfchen Schnaps verderben 
nichts). Spart m'r sich ee Ruhr, spart m’r 
sich ee Fuhr (Spart man sich eine Ruhr [Ackerung), 
spart man sich eine Fuhr). 
(Fortsetzung folgt.) 
Seine Gehülfin. 
Von Lotte Gubalke. (Fortsetzung.) 
Oberförster Straub strich seinen grauen wehenden 
Bart und kniff das eine Auge zu und spähte nach dem 
Weg, der vom Wald ausgehend aus das HauS zuführte. 
„Da kommt ja unser schönes, gelehrtes Pflege 
kind ! Jammerschade, daß so etwas Feines sich zum 
jungen Manne ummodeln will!" 
„Das ist eine von Deinen sinnlosen Behauptungen! 
Die bleibt bis zu ihrem Ende das mütterlichste 
Mädchen der Welt." 
„Geb’s der Himmel!" 
„Warum streitet Ihr Euch?" fragte Kornette, 
die eben herzutrat. 
„Um Dich, mein Kind," sagte Babette „und um 
das Wesen der neuen Frau." 
„Aber warum nur! Die neue Frau ist doch 
nichts anderes als eine Verwirklichung des uralten 
Ideals! Eine Gefährtin des Mannes will sie sein — 
eines tüchtigen Mannes Gehülfin, nicht nur seine 
Dienerin." 
„Wenn man sie so reden hört!" 
„Wir verstehen uns nur scheinbar nicht, Onkel 
Sträub — aber wir haben uns lieb. Genügt das 
nicht eigentlich?" 
„Ja, das weiß Gott," rief der Alte, „ich habe 
Dich so lieb, wie ein eigenes Kind!" 
„Dann laß uns mal eine Zeitlang nicht von 
diesen Dingen reden. Vielleicht besiege ich doch 
noch einmal Deine Vorurteile. Meine Arbeit soll 
für mich zeugen." 
„Deine Arbeit! Was gedenkst Du eigentlich zu 
tun! Willst Du am Ende Doktor Hartmut hier 
Konkurrenz machen?" 
„Aber Vater Straub! Gewiß, im Anfang meiner 
Studienzeit spornte mich immer der Gedanke, das 
alte, liebe Haus zurückgewinnen zu können. Den 
gab ich längst auf. Ich will doch auch nicht das Un 
mögliche ! Meinst Du, ich kenne nicht die Schranken, 
die mir gefetzt sind? Diese Praxis in den Gebirgs- 
dörsern, die den Wendelsteiner Bezirk ausmachen, 
ist mir viel zu beschwerlich. Aber das wäre schon 
ein Lieblingswunsch von mir, auf der Wiese an der 
Wehra möchte ich ein Kinderkrankenhaus bauen. 
Dort möchte ich alle armen, elenden Kinder gesund 
machen und gleichzeitig den Müttern das Wissen 
beibringen, wie man mit Kindern umgeht."
	        

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