Full text: Hessenland (26.1912)

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Räume des Schlosses bevölkerten, kamen dann die 
düsteren Tage des dreißigjährigen Krieges. Wieder 
holt wurde es beschossen und erobert und befand 
sich bald in Freundes, bald in Feindes Hand 
— was allerdings fast gleichgültig war —, aber 
während Friedewald selbst zweimal in Flammen 
aufging, kam das Schlößchen glimpflich davon und 
war nach dem Frieden bald wieder instand gesetzt. 
Besonders rühmlich war seine Verteidigung im 
Jahre 1647. Da hielten 66 Mann so tapfer 
gegen den kaiserlichen General Graf Peter von 
Holzapfel (Melander), der mit 7 Stücken und 
2 Mörsern auf es einwetterte, aus, daß ihnen 
nicht nur völlig freier Abzug, sondern auch ehren 
volles Geleit bis Spangenberg bewilligt wurde. 
An diese Episode 
aus dem großen 
Kriege werden wir 
erinnert, wenn wir 
uns nunmehr der 
Schilderung von 
der Zerstörung des 
Schlosses zuwen 
den. Es war im 
letzten Jahre des 
7jährigen Krieges, 
1762. Hessen be 
fand sich wieder 
einmal in der Ge 
walt der Fran- 
zosen, derenHaupt- 
armee bei Kassel 
stand. Ihre Ober 
befehlshaber, die 
Marschälle Prinz 
von Soubise und 
d'Estreäs, hatten 
vom Versailler Hofe die Aufgabe erhalten, die 
besetzten Gebiete zu behaupten, während Ferdinand 
von Braunschweigs Feldzugsplan dahin ging, 
wenigstens Hessen vom Feinde zu säubern. Nun 
hatte er zwar bei Wilhelmstal (24. Juni) gesiegt 
und die Franzosen gezwungen, sich auf die rechte 
Seite der Fulda zurückzuziehen, aber bei ihrer 
großen Übermacht war ein Angriff auf ihre stark 
befestigte Hauptstellung bei Kaffel immerhin sehr 
bedenklich. Ferdinand konnte hoffen, sicherer zum 
Ziele zu kommen, wenn es ihm gelang, die Ver 
bindungen des Feindes mit seinen Magazinen, die 
hauptsächlich am Main lagen, zu zerstören; denn 
ohne Verpflegungszufuhren aus anderen Gebieten 
war an einen längeren Aufenthalt einer so starken 
Armee in Heffen, dem man schon in den vorher 
gehenden Jahren das Mark aus den Knochen 
gesogen hatte, nicht zu denken. So entsandte denn 
Ferdinand größere Heeresabteilungen in die Gegend 
von Hersfeld und Fulda, u. a. den General Luckner 
(6 Bataillone und 14 Schwadronen) und den 
General Freytag mit seinem hannoverschen Jäger- 
korps, 1600 Mann zu Fuß und 800 zu Pferde, 
die die dort liegenden feindlichen Magazine zer- 
störten, Transporte aufhoben, überhaupt die ihnen 
gestellte Aufgabe trefflich lösten. Damals war es, 
daß eine Abteilung Freytagscher Jäger — 60 Mann 
zu Fuß und 10 zu Pferde — unter ihrem Leut 
nant Steigleder das Friedewalder Schloß besetzten 
(27. Juli). — Durch dieses Vorgehen der Allierten 
wurden nun auch die französischen Marschälle ge 
zwungen, ein größeres Korps unter dem General 
Stainville in die Hersfelder Gegend zu entsenden, 
das die alten Ver 
bindungen wieder 
herstellen sollte. 
Anfang August 
lagerte Stainville 
bei Bebra. Ihm 
war die Festsetzung 
der Jägerabtei, 
lung, deren Zahl 
er bedeutend über 
schätzt haben muß, 
in seinem Rücken 
recht unbequem. 
Er beschloß, das 
Nest auszuheben. 
In der Nacht vom 
6. zum 7. August 
brach er deshalb 
von Bebra mit 
4000 Grenadie 
ren, 3000 Mann 
leichterKavallerie, 
100 Karabiniers, 8 Kanonen und 2 Haubitzen auf 
und zog durch den Seulingswald auf Friedewald zu. 
Das Schloß wurde sofort umzingelt, die umliegenden 
Höhen besetzt und der Kommandant zur Übergabe 
aufgefordert, die aber rundweg abgelehnt wurde. 
Nun schritt man zum Sturm. Vergeblich! Die 
70 Eingeschlossenen, die sich durch die gewaltige Über 
macht nicht einschüchtern ließen, wehrten sich wie 
die Löwen und hatten sogar, begünstigt durch die 
dunkle Nacht, die Dreistigkeit, einen Ausfall zu 
wagen, der Stainville einen solchen Respekt ein 
flößte, daß er, um seine Truppen nicht nutzlos 
aufzuopfern, von einem abermaligen Sturm Abstand 
nahm. Mittlerweile war es Tag geworden, und 
nun hatten die Geschütze das Wort. Den ganzen 
Tag über (7. August) brüllten sie an gegen die 
kleine Feste und ihre todesmutigen Verteidiger und 
überschütteten sie mit ihren Geschaffen, bis die 
Schloß Medervald in seinem heutigen Zustand. 
(Nach photographischer Ausnahme.)
	        

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