Full text: Hessenland (26.1912)

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rot-weißen (oder weiß-rot-weiß-blau-weißen) Wulst 
trug zwei (dem Landgrafenhelme entnommene, 
aber nicht blätterbesteckte) rot-weiße übereck geteilte 
Büffelhörner, die Helmdecken waren rot-weiß (oder 
rot-weiß-blau). 
Am 29. März 1597 erhielt der Stammvater 
der Cornberge vom Kaiser Rudolf II, noch durch 
Vermittelung des inzwischen verstorbenen Land 
grafen Wilhelm, einen Legitimationsbrief?") Die 
Familie wurde immer als adelige angesehen und 
Ilse Anna v. Bortfeld mit seinen zu vereinigen, das 
untere Feld einfach als von blau und rot geschacht an 
gegeben. 
„Zur Geschichte der freiherrl. Familie von Cornberg", 
Karlsruhe 1881, S. 9. 
hat sich fast ausschließlich mit alten adeligen Ge 
schlechtern verschwägert. Am 12. Februar 1667 
erwirkte sie sich von der Kasseler Regierung eine 
offizielle Anerkennung ihres rittermäßigen Cha 
rakters, am 28. Januar 1777 gaben die Land 
grafen Friedrich von Hessen-Kassel und Ludwig 
von Hessen-Darmstadt die Genehmigung zu ihrer 
Aufnahme in den Verband der althessischen Ritter 
schaft?^ 1883 am 25. Juni endlich erhielten die 
Vettern Karl und Otto von Cornberg die An 
erkennung ihres Freiherrnstandes durch den König 
von Preußen. 
*') Staatsarchiv Marburg: Acta die Reception derer 
v. Cornberg zur Hessischen Ritterschaft betr. 1773 ff. 
Das Schloß Hriedewald. 
Ein Erinnerungsblatt zur 15Q. Wiederkehr des Tages seiner Zerstörung. 
Von Wilh. Neuhaus-Hersfeld. 
Die Kämpfe im siebenjährigen Kriege, die 
zwischen der alliierten Armee unter dem Herzog 
Ferdinand von Braunschweig-Lüneburg und den 
Franzosen ausgefochten wurden, haben manches 
Zeichen der Zerstörung im Hessenlande, das ihren 
Hauptschauplatz bildete, zurückgelassen. Keines ist 
gewaltiger und eindrucksvoller als die Ruinen 
der Stiftskirche zu Hersfeld, die 1761 von den 
Franzosen als Fruchtmagazin benutzt und bei 
einem eiligen Rückzüge niedergebrannt wurde, um 
die reichen Vorräte, die sie barg, nicht in die 
Hand des Feindes fallen zu lassen. Beschleicht 
uns aber bei bem Anblick dieses gewaltigen Werkes, 
das eines der edelsten Denkmäler frühromanischer 
Ballkunst auf deutschem Boden ist und das auf so 
unrühmliche Weise vernichtet werden mußte, weh 
mütige Trauer, so beseelen uns vor einem anderen 
Erinnerungsmale desselben Krieges, das nicht weit 
von ihm liegt, ganz andere Gefühle. Wandern 
wir von Hersfeld aus 13 km ostwärts dem Hoch 
plateau zu, das sich zwischen dem Seulingswald 
und dem Dreienberg ausdehnt! Hier liegt „in 
der vergessenen Ecke", wie F. L. Werner in seinem 
gleichnamigen schönen Buche die Gegend genannt 
hat, der Flecken Friedewald und in ihm die Reste 
eines Schlosses, das in furchtloser Verteidigung 
unter dem Donner französischer Geschütze, seinem 
Ehren-Grabgeläute, zusammenstürzte und nun 
dasteht als ein Denkmal deutschen Heldenmutes, 
der selbst dem Feinde Hochachtung abnötigte. 
Werfen wir einen kurzen Blick auf die Geschichte 
des Schlosses. Landgraf Heinrich III. von Hessen 
hatte das alte Jagdschloß seiner Vorfahren, das 
an dieser Stelle stand und schon 1302 erwähnt 
wird, im Jahre 1476 niederreißen lassen und an 
seiner Stelle dieses, nun in Trümmern liegende, 
festere gebaut. Es war eine Wafferburg, die ein 
Quadrat von etwa 37 m Seitenlänge bildete. An 
den Ecken standen feste Türme, die durch Mauern, 
an die sich die Wohngebäude anlehnten, verbunden 
waren. Die Gebäude hatten aber nur eine geringe 
Tiefe, so daß ein geräumiger Hof freiblieb und die 
Räume sowohl von außen wie vom Hof aus Licht 
erhielten. Diese in der Stille des wildreichen Seu- 
lingswaldes liegende kleine Festung, die in friedlichen 
Zeiten den Landgrafen als Jagdschloß diente, hat 
auch ihren großen Tag gehabt. Hier war es ja, wo 
im Herbst 1551 in aller Heimlichkeit jenes Bündnis 
zwischen Moritz, dem Kurfürsten von Sachsen, dem 
Markgrafen Albrecht von Brandenburg, Wilhelm IV. 
von Hessen und dem König Heinrich II. von Frank 
reich, vertreten durch den Bischof von Bayonne, Jean 
de Fresse, zustande kam, das sich gegen Kaiser 
Karl V. richtete und die Befreiung des Landgrafen 
Philipp von Hessen aus schmählicher Gefangenschaft 
herbeiführen sollte. Es ist auch bekannt, daß ein 
Blitzstrahl, der während der Verhandlungen vom 
heiteren Himmel herabzuckte, fast das Bündnis 
durchkreuzt hätte, da die Fürsten darin eine üble 
Vorbedeutung erblickten und allen Ernstes von 
ihrem Vorhaben abstehen wollten. Der vielgewandte 
Bischof aber wußte die erschrockenen Gemüter zu 
beruhigen und ihnen aus mehreren Beispielen der 
Geschichte zu beweisen, daß ein solcher Blitz- und 
Donnerschlag geradezu ein glückliches Vorzeichen 
sei. Er sollte ja auch Recht bekommen. — Nach 
den Tagen des Glanzes, wenn die Landgrafen hier 
Hof hielten und eine frohe Jagdgesellschaft die
	        

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