Full text: Hessenland (26.1912)

221 
gierung und Verein liegt dem Vorstand zur Prüfung 
vor. Neuerdings hat die Generalversammlung des 
Marburger Altertums- und Kunstvereins stattge- 
funden, der Bau eines Hauses ist in nahe Aussicht 
gerückt. Bei der Wahl des Vorstandes und des 
Redaktionsausschusses wurden auf Antrag des Land 
gerichtsrat Gleim die bisherigen Mitglieder Rosen- 
selb, Wenck, Heer, Giebel bezw. Schröder-Göttingen 
und Wenck wiedergewählt. Oberregierungsrat Firn 
haber dankte dem Vorstande für seine Wirksamkeit. 
Im Austrage des Museumsdirektors vr. Boehlau sagte 
Amtsgerichts-Sekretär Wessel zu, daß alle Doubletten 
der für das Kasseler Landesmufeum zusammenzu 
bringenden Sammlung an die Marburger Vereins 
sammlung abgegeben werden sollen. Zum Schluß 
wies Archivar Rosenfeld auf die schöne vor wenigen 
Tagen von der Elwertschen Buchhandlung ausgegebene 
Veröffentlichung hin, das erste Heft einer Sammlung 
„Alt Hessen": „Hessische Rathäuser, ihre Erhaltung 
und Entstellung von A. Holtmeyer". — In den 
Vorstand des Fulda er Vereins wurde als Ersatz 
für den verstorbenen Geheimrat Hoffmann Ober» 
bibliothekar vr. Scherer kooptiert. 
Hochschulnachrichten. Marburg: Geh.Re 
gierungsrat Professor vr. H e r m a n n Cohen be 
ging am 4. Juli seinen 70. Geburtstag (Vgl. 
Seite 215). — In Oberstdors in Bayern, wo er 
von langer Krankheit Genesung suchte, verschied am 
9. Juli 70 jährig der erste Professor am anatomischen 
Univerfitätsinstitut vr. Josef Dissen, der feit 
etwa 15 Jahren an der Universität wirkte. — Der 
praktische Arzt vr. Zeißler zu Marburg wurde 
zum Abteilungsvorsteher am Jnstitnt für Hygiene 
und experimentelle Therapie ernannt. — Gießen: 
Der außerordentliche Professor der indogermanischen 
Sprachwiflenfchaften an der Univerfität Leipzig 
vr. Hermann Hirt nahm einen Ruf als ordent 
licher Professor des Sanskrit und der vergleichenden 
indogermanischen Sprachwiffenschaften an. — Die 
philosophische Fakultät ernannte den Fabrikbesitzer 
E r n st L e i tz jon. zu Wetzlar wegen seiner Verdienste 
um die Förderung der Mikroskopie ehrenhalber zum 
Doktor. (Dem Seniorchef der Firma erteilte die 
Marburger philosophische Fakultät vor 1V- Jahren 
die gleiche Ehrung.) 
Todesfälle. Ein bekannter hessischer Geist 
licher, Metropolitan a. D. Ludwig Klein, hat 
nach längerem, schwerem Kranksein das Zeitliche im 
Alter von 73 Jahren gesegnet. Der Verblichene 
war feit Mitte der 80er Jahre als Pfarrer in 
Rauschenberg im Amt, von wo er nach seiner 
Pensionierung nach Marburg übersiedelte. Dm Feld 
zug 1870/71 machte er als Divisionspsarrer bei 
der 22. Division mit. Seine Mußestunden dienten 
ihm dazu, meteorologische Studien zu machen, deren 
Resultate er dann regelmäßig in der „Oberhess. 
Zeitung" veröffentlichte. — Im hohen Lebensalter 
verschied zu Kassel der Regierungs- und Baurat a. D. 
Friedrich Schwarzenberg. Als junger Ingenieur 
war er bei allen Eisenbahnen, die der kurhessische 
Staat baute, tätig gewesen, besonders zu Hünfeld 
und Schlüchtern beim Bau der Bebra-Hanauer Eisen 
bahn. Nachdem er 26 Jahre in Sachsen und Thü 
ringen gewirkt, trieb ihn das Hessenheimweh wieder 
nach Kaffel, wo er die letzten 18 Jahre seines Lebens 
verbrachte. Er entstammte der bekannten althessischen 
Familie, war ein Enkel des langjährigen Geistlichen 
an der Oberneustädter Kirche Georg Schwarzenberg, 
ein Sohn des zu Felsberg verstorbenen Metropolitans 
Wilhelm Schwarzenberg und ein Neffe des 1857 ver- 
storbenenLandtagspräsidentenLudwig Schwarzenberg. 
Aus Kassel. Am 15. Juli wurde durch den 
Regierungspräsidenten Grasen von Bernstorff der 
neue Oberbürgermeister, der seitherige erste 
Beigeordnete der Stadt Düsseldorf, vr. Scholz 
feierlich in sein Amt eingeführt. — Der Kultus 
minister hat durch Erlaß vom 29. Juni d. I. 
seinen Einspruch gegen den Abbruch der Unter 
neustädter Mühle fallen gelassen und den Re 
gierungspräsidenten ermächtigt, die Genehmigung 
zum Abbruch zu erteilen, mit dem Ersuchen, daraus 
hinzuwirken, daß die Gestaltung des Bootshauses 
und feiner Nebenanlagen im Einvernehmen mit dem 
Regierungspräsidenten erfolgt. Dieser hat nunmehr 
die Genehmigung zum Abbruch der Mühle erteilt 
und gleichzeitig den Magistrat ersucht, ihm die Bau 
zeichnungen über das projektierte Bootshaus vorzu 
legen und eine perspektivische Ansicht beizufügen. — 
Der von Frau Geh. Kommerzienrat Henschel zur 
Erinnerung an ihren verstorbenen Gatten gestiftete, 
von Hans Everding in Rom geschaffene Brunnen 
aus Travertiner Muschelkalk wurde am 6. Juli auf 
dem Ehrenhos des neuen Rathauses enthüllt. Er trägt 
die Figur einer vom Felde heimkehrenden und von ihren 
beiden Kindern begleiteten Frau und bildet eine neue 
hervorragende Zierde der Stadt und des neuen Rat 
hauses. — Geh. Kommerzienrat vr. Karl Hen 
schel stiftete anläßlich der Geburt eines Sohnes 
zu den bereits 1910 gestifteten 250000 M. noch 
mals 100VV0M. für ein städtisches S ch w i m m - 
bad. — Nach langen vergeblichen Verhandlungen 
zwischen der Stadtverwaltung und dem Kgl. Kon 
sistorium soll jetzt eine Einigung wegen der Er 
richtung eines Krematoriums aus dem zur Erweite 
rung des Hauptsriedhofes erworbenen Gelände erzielt 
sein. Zugleich wird ein Urnenhain von 7000 qm 
Größe geschaffen werden. Die Stadtverordneten
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.