Full text: Hessenland (26.1912)

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städter Mühle durch den Nuderverein abreißen zu 
kaffen, der an ihrer Stelle ein Ruderboots- und 
Klubhaus errichten will. (Vorläufig steht der Aus 
führung noch die Verfügung des Kultusministers 
vom 19. April entgegen.) 
AusGrebenstein. Unsere Stadt hat den Burg 
berg vom Staat käuflich übernommen und beab 
sichtigt, die Anlagen aus dem Berg zu erwerben 
und diesen auszuforsten. 
Aus Marburg. Bezüglich des Abbruchs des 
Renaissance-Giebels an der rechten Seite des Rat 
hauses ist auf ergangene Beschwerde hin durch die 
Regierung verfügt worden, daß diese Abbruchsarbeiten 
ringestellt werden, bis eine Kommission ihr Gutachten 
abgegeben hat. Jetzt ist der Vorschlag gemacht worden, 
den neuen Anbau so weit zurückzustellen, daß der 
Giebel freisteht. Es kommen etwa 2 V» Meter in 
Betracht; selbstredend muß das ganze Projekt dann 
eine Abänderung erfahren, weil der Anbau dadurch 
eine Verkleinerung erfährt. — In den Tagen vom 
6.-8. Juli soll das 100jährige Bestehen der Erlen-' 
graben-Gesellschaft (Weidenhäuser Grabenfest) festlich 
begangen worden. — Am 11. Juni trafen die Burgen 
fahrer (vgl. Seite 142), etwa 200 an der Zahl, 
unter Führung des Professors Bodo Gbhardt hier 
ein und äußerten sich sehr befriedigt über die von 
ihnen besichtigten Altertumsschätze und die Schön 
heiten des Stadtbildes. Beleuchtung des Schlaffes, 
des Kaiser-Wilhelmsturms und eine Faßpartie trugen 
weiter zur Vertiefung des guten Eindruckes bei. 
Aus Hanau. Das abgebrannte Gymnasial 
gebäude soll durch einen Neubau an anderer Stelle 
ersetzt werden. Für den Unterricht während der 
Bauzeit ist ein Teil des alten Landgerichtsgebäudes 
auf fünf Jahre gemietet worden. — Die Stadtver- 
prdneten beschlossen, im Schloßpark ein Standbild 
Kaiser Wilhelms I. zu errichten und zum engeren 
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Wettbewerb die Bildhauer Prof. Künne-Berlin, Prof. 
Fr. Dorrenbach-Charlottenburg und den geborenen 
Hanauer Joseph Limburg-Berlin aufzufordern. Der 
Denkmalsonds ist auf 80000 Mark angewachsen. — 
Der aus dem Ende des 18. Jahrhunderts stammende 
Küchenbau des Kurhauses Wilhelmsbad ist nieder 
gebrannt. 
Aus Lauterbach. In der letzten Zeit find 
hier drei alte Fachwerks - Bauten von dem ihre 
Schönheit verhüllenden Verputz befreit und in ihrer 
ursprünglichen Art wiederhergestellt worden; sie ge 
reichen dem Städtchen jetzt zur hohen Zierde. 
Aus Büdingen. Baurat Thyriot-Hanau und 
Professor G. W o l f - Frankfurt a. M. haben im Nidder 
tale bei Eichen vor etlichen Monaten die Reste einer, 
wie es heißt, vorzüglich erhaltenen römischen Villa 
entdeckt. Um eine Freilegung des Baues zu er-, 
möglichen, setzten sich die Forscher mit den Grund 
besitzern im Verbindung, freilich ohne Erfolg. Auch 
den Bemühungen des Bürgermeisters gelang es nicht, 
eine Verständigung herbeizuführen. Die Ausgrabung 
der Villa, von der man sich die größten wiffenschaft- 
lichen Erfolge versprach, muß deshalb vorläufig 
unterbleiben. 
Aus Bad Sooden a. d. Werra. Die Ver- 
einigung der Stadt Mendorf mit Bad Sooden 
a. v. Werra ist nach einem Beschluffe der Gemeinde 
Sooden vorläufig abgelehnt worden, weil nach ihrer 
Anficht bei einer Zusammenlegung beider Gemeinden 
infolge der gegenseitigen Spannung das Solbad 
Sooden in seiner weiteren Entwicklung durch Allen- 
d'orf gehindert bzw. beeinträchtigt werden könnte. 
AuSBiedenkops. Der Minister der geistlichen 
und Unterrichtsangelegenheiten hat dem Geschichts- 
verein, für den Kreis Biedenkopf eine einmalige 
Staatsbeihilse von 1000 Mark zur Förderung seiner 
Bestrebungen bewilligt. 
Hessische Bücherschau. 
Gehrig-Helmkampf-KrauSbauer. Herd und 
Scholle. Lesebuch für ländliche Fortbildungsschulen. 
Ausgabe für Heffen-Naffau von H. .Gönnermann, 
Kreisschulinspektor 'und R. Teipel, Rektor. Leipzig 
(B. ©. Teubner). 2,60 Mark. 
Der Humanistenstolz mag seine Berechtigung haben. 
Wer weiß, wo wir heute noch ständen, wenn unser geistiges 
Leben nicht durch Griechen und Römer beeinflußt wäre. 
Aber ein deutsches Sprachbuch wie die Bibel konnte nur 
der deutsche Bauernjunge Luther schreiben. Und Bismarck 
hätte seinen Hammer gar nicht zu schwingen brauchen; 
die widerstrebenden BolkSatome wäre ohne die einigende 
Sprache stärker gewesen als die zusammenschweißende Faust. 
Aber nun wir die Einigung haben, sollen wir uns auch 
wieder «itf. uns selbst besinnen und aus der schaffenden, 
sprechendm Volksseele heraus unser oft langweiliges Schrift 
deutsch bereichern. Wer Gehörtes und Gesprochenes nieder 
schreibt. wird nie diese ellenlangen Sätze des .klassischen* 
Philologen bilden oder gar in oen Aktenstil der Juristen 
verfallen. 
An das alles mußte ich denken, als ich einen Teil der 
Stücke in .Herd und Scholle* gelesen hatte. Das frische 
Leben der Gegenwart durchflutet das ganze Buch. Was 
der Autor in seiner Umgebung geschaut hat, stellt er in 
einfachen lebenswahren Worten dar. Ob Gonnermann 
und Naumann über das hessische Bauernhaus,
	        

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