Full text: Hessenland (26.1912)

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Aufnahme von W. Becker, Marburg (Ansprache des Oberbürgermeisters Troje). 
Die Einweihung des Roserdenkmals in Marburg. 
Am 9. Juni fand in Marburg die Einweihung des von 
Univerfität und Bürgerschaft dem Ehrenbürger der Stadt 
gestifteten und von Professor Max Länge-Leipzig entwor 
fenen Wilhelm Rofer-DenkmalS statt. Es hat feinen Stand 
ort an der Ecke der Ketzerbach in der Umfassungsmauer 
der Parkanlage der UniverfitätS-Ohrenklinit an der Roser- 
straße. Die Anlage besteht aus einer halbkreisförmigen 
durchbrochenen Wand, deren Mittelpunkt die doppeltlebens 
große Bronzebüste RoserS in Hermenform auf einem Granit 
postament bildet. Eingefunden hatten sich der Studenten- 
Gefangverein „Fridericiana', die Chargierten sämtlicher 
studentischen Korporationen in Wichs und mit ihren Fahnen, 
der Lehrkörper der Universität, der Magistrat und die 
männlichen Mitglieder der Familie Roser. Die Weiherede 
hielt der Direktor der Chirurgischen Klinik, Profestor 
vr. König. Er gab ein Lebensbild des vor 95 Jahren 
in Stuttgart geborenen Gelehrten, der 1850 nach Marburg 
berufen wurde und der Alma mater Philippina trotz 
verlockender Berufung bis zu seinem aur 15. Dezember 
1888 erfolgten Tode treu blieb. In formvollendeter Weise 
schilderte Redner ihn als einen stets hilfsbereiten Arzt, der 
trotz seiner schwäbischen Derbheit — sei er doch bei feiner 
Antrittsaudienz in Kassel. als er allzulange auf den Kur 
fürsten warten mußte, einfach abgereist mit der lakonischen 
Empfehlung, er fei in Marburg notwendiger als in 
Kassel — Reichen wie Armen zu helfen bestrebt war. als 
einen jeder Phrase und allem Unechten abholden Lehrer, 
um den sich seine Schüler mit Begeisterung scharten, und 
als einen unermüdlichen Forscher, der ans seinen reichen 
anatomischen, phhfikalischen, physiologischen Schätzen uner 
meßliche, in seinen noch heute mustergültigen Werken nieder 
gelegte Schätze hob und so Schulter an Schulter mit 
Griesinger und Wunderlich zum Reformator der 
Heilkunde in Deutschland wurde. Er sei ein be 
geisterter und erfolgreicher Träger der Kulturanfgaben 
seiner Zeit auf seinem Gebiet gewesen. Ferneren Gene 
rationen noch solle das Denkmal zeugen „von Wilhelm 
Roser, dem Mann voll klaren Geistes, ausgezeichnet durch 
reiches Misten und ungewöhnliche Geschicklichkeit, mit nie 
ermüdender Arbeitskraft und zäher Energie, mit einem 
Herzen von der Weichheit eines Kindes und der Stahlhärte 
des kampferprobten Mannes, weit ausschauend, begeistert, 
ein Vorbild für alle, die nach der ewigen Wahrheit 
streben!' Oberbürgermeister Troje, der nunmehr das Wort 
nahm, legte im Namen der Stadt einen Kranz nieder, 
weitere Kränze Beigeordneter Schimpff im Namen der Stadt 
Stuttgart, Profestor Schenck namens der Universität, ebenso 
reihten sich Kränze an der Apotheker, der Studentenschaft, der 
Ärztevereinigungen Marburgs und HestenS, der deutschen Ge 
sellschaft für Chirurgie und der Nachkommen Rosers. Einge 
rahmt war die stimmungsvolle Feier durch musikalische Darbie 
tungen der Friderizianer und der Gießener Regimentskapelle.
	        

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