Full text: Hessenland (26.1912)

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kamen, was bei den Beziehungen Kämpfers zu 
Holland' erklärlich ist, jedenfalls zuerst, und zwar 
in den Jahren 1724—34 dorthin und wurden, 
abgesehen von privaten Versuchen, die gemacht sein 
mögen, von denen aber nichts auf unsere Zeit 
kam, in den botanischen Gärten von Utrecht und 
Leiden gezogen. Von den drei Bäumen in Leiden 
ist vermutlich ein männlicher der älteste, der weib 
liche der nächstälteste in Europa. Der erstgenannte 
ist etwa 21 m hoch, die pyramidenartige Krone 
hat etwa 14 m Durchmesser, der Stamm, einen 
Meter über der Erde, 2,90 m Umfang. Der 
Baum in Utrecht soll ihn an Schönheit des Wuchses 
übertreffen. Er hat 3,18 m Stammumfang. Im 
Jahre 1754 brachte der Gärtner James Gordon 
in London (Mile End) vermutlich einen Pflänzling, 
und zwar männlichen Geschlechts, von Holland 
nach England. Wie I. E. Smith in dem Brief 
wechsel Linntzs, London 1821, bekundet, war er 
1758 „in cultivation" Erst 1779 wurde ein 
Ginkgo in dem berühmten Kew-Garten bei London 
gepflanzt. Vorher, 1771, hatte schon Petignh 
zwei Pflänzchen von London nach Paris gebracht, 
die im „Jardin des plantes“ aufgezogen wurden. 
Erst im Jahre 1788 wurde wiederum ein männ 
licher Steckling aus dem Besitz von Joseph Banks 
durch Aug. Broussonet von London nach Mont 
pellier gebracht und von Gouan, dem damaligen 
Direktor des dortigen Botanischen Gartens, gepflegt. 
Dieser Baum, zu Ehren seines Ziehvaters Ginkgo 
de Gouan genannt, blühte 1812, also etwa 
32 Jahre alt. 
Ebenfalls aus England, und zwar von dem 
Handelsgärtner Blakie, der vermutlich selbständig 
mit direkt von Japan oder von Holland bezogenen 
Samen Versuche anstellte, hatte 1790 Haussen 
de Chapeaurouge, Besitzer des Gutes Bourdigny 
bei Genf, ein Exemplar Ginkgo bezogen, das vor 
trefflich gedieh und noch jetzt eine Zierde des Parks 
ist. Augustin Pyramus de Candolle, der be- 
rühmte Botaniker, Profeffor in Genf, 
erkannte wohl an den Blüten seine 
weibliche Eigenart. Er pflegte 1818 
zwer Stecklinge dieses Baumes im 
Genfer Botanischen Garten, und Reiser 
davon wurden nach Montpellier ge 
bracht, wo der derzeitige Leiter des 
Gartens, Raffeneau-Delile, drei von 
ihnen 1830 dem dortigen männlichen 
Baume aufpfropfte (daß solche gärt 
nerische Tätigkeit recht lange bekannt 
ist, belegt das Wort, das aus dem 
lateinischen propagare entstanden ist) 
und ihn auf diese Art künstlich zu 
einem „einhäusigen- (mit männlichen 
und weiblichen Blüten getrennt auf 
einer Pflanze) machte. Der Versuch 
gelang vortrefflich, und seit dein Jahre 
1835 trägt der Ginkgo de Gouan, 
wie man bis jetzt annahm, der erste 
und einzige in der neuen westlichen 
Heimat, Früchte. Vielleicht hatte Velile 
davon gehört, daß auch im Vaterlande 
seit jeher ähnlich mit dem Baume 
verfahren wird. 
Was ich eben von Frankreich er 
zählen konnte, ging bis jetzt, wenn 
auch nicht in solcher Vollständigkeit 
und so genau, durch die in Betracht 
kommenden. Schriften. Von Deutsch 
land und Österreich wußte man nur, 
daß hier und da alte Säume ständen, 
von einem Baum in Wien erzählte 
aber nicht einmal Kerner von Mari- 
laun. Was ich über den intereffanten 
Prachtbaum von Ginkgo biloba im König!. Hofgartcn zu Wilhelmshöhe.
	        

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