Full text: Hessenland (26.1912)

§^L- 137 S«LL> 
Pfarrer Friedrich Hufnagel. 
Von A. Blum-Fechenheim a. M. 
Es ist zweifellos mit eine der Hauptaufgaben 
des „Heffenland", die Mitwelt auf die an Zahl 
immer geringer werdenden Originalgestalten, die 
gleichsam den letzten Rest des „alten Kmhessen- 
tums" in lebendiger Verkörperung darstellen, hin 
zuweisen. Dieser Aufgabe wollen auch die nach 
folgenden kurzen Ausführungen dienen. 
In unserer so entscheidungsschweren, von neuen 
Ideen und Gedankengängen, von Hoffnungen und 
Entwürfen besonders auf religiös-kirchlichem Ge 
biete geradezu überquellenden 
Zeit, da selbst die Edelsten und 
Besten unseres Volkes mit der 
kirchlichen Tradition und Auto 
rität nicht selten in schweren 
Konflikt geraten, heftet sich der 
Geistesblick vieler gerne auf solche 
Männer, die in ihrer ganzen 
Persönlichkeit und besonders in 
ihrer amtlichen Wirksamkeit eine 
lebendige Verkörperung und cha 
rakteristische Belebung des ganzen 
Inhalts des kirchentreuen Pro- 
testantisnlus darstellen. Zu ihnen 
gehört auch der Pfarrer und 
Königliche Kreisschulinspektor 
Friedrich Hufnagel in Hanau- 
Kesfelstadt, eine würdige Origi 
nalgestalt altkurhessischer Zeiten, 
ein echter Repräsentant kurhes 
sisch-hanauischer Eigenart und 
eine der sympathischsten Erschei 
nungen der Hanauer Synode so 
wie des ganzen Hanauer Landes! 
Ein Geistlicher, der seine Gedanken in Wort und 
Schrift klar und bestimmt zur Darstellung zu 
bringen versteht, tritt er als Kanzelredner sowie 
in Kreis- und Generalshnoden mit souveräner 
Beherrschung der Materie und mit schneidender 
Schärfe objektiver Kritik, vor allem aber mit 
jener aus tiefster Seele quellenden Wärme, die 
sich stets als der Ausdruck einer auf festestem 
Grunde ruhenden Überzeugung erweist, ein für 
die durch Tradition und eigenstes persönliches Er 
leben geheiligten christlichen Probleme sowie für die 
Würde und Autorität alter kirchlicher Ordnungen. 
Die vor einigen Jahren auf dem rechten Main 
ufer nahe dem landgräslichen Schlosse Philipps 
ruhe, dessen Grundstein einst Landgraf Reinhard 
von Hanau im Jahre 1701 gelegt, erbaute malerisch 
gelegene Friedenskirche, wohl das herrlichste monu 
mentale kirchliche Bauwerk des ganzen Hanauer 
Landes, ist sein Werk und wird sein Gedächtnis 
durch Jahrhunderte der Nachwelt erhalten. Von 
dem in unmittelbarer Nähe der Kirche gelegenen 
einfachen Pfarrhause aber ist seit Jahrzehnten viel 
Segen.ausgegangen, nicht nur in die eigne Ge 
meinde, sondern in das ganze Hanauer Land und 
noch weit über seine Grenzen hinaus. Wenn all 
jährlich besonders aus der Großstadt Frankfurt a.M. 
und deren näheren Umgebung Hunderte von blut 
armen und kränklichen Kindern 
,in der Kinderheilanstalt zu Bad 
Orb Gesundung und Genesung 
finden, so danken sie das nicht 
in letzter Linie dem Pfarrer von 
Kesselstadt - Philippsruhe, der 
Mitbegründer und ein stets 
warmherziger Freund und- eif 
riger Förderer der Anstalt ist. 
Eine besonders rege Tätigkeit 
entfaltete Pfarrer Hufnagel als 
Kreisschulinspektor auf dem Ge 
biete des Schulwesens. Hatte er 
doch — selbst aus einem Lehrer 
hause des Hanauer Landes her- 
vorgegangen — neben seinen 
pfarramtlichen Pflichten sich die 
Hebung und Weiterentwicklung 
des Volksschulwesens im Hanauer 
Lande als vornehmste Lebens 
aufgabe gesetzt. Nachdem er in 
früheren Jahren in Steinau 
a. d. Kinzig, in Kirchbracht im 
Vogelsberg und vor allem in 
Langenselbold sich mit großem Eifer der Schulen 
angenommen und besonders an letztgenanntem 
Orte als Ordinarius lange Jahre eine Klasse 
unterrichtet, leitet er nun schon zweiundzwanzig 
Jahre als nebenamtlicher Kreisschulinspektor das 
Schulwesen des Aufsichtsbezirks „Bergen" bei Frank 
furt a. M., das unter seiner Führung einen ganz 
außerordentlichen, oft anerkannten Aufschwung ge- 
nommen. Aber auch außeramtlich hat Pfarrer- 
Hufnagel stets anregend, vorbildlich und einfluß 
reich in nie ermüdender Tätigkeit gewirkt. Als 
warmherziger Förderer edler, gemeinnütziger, patrio 
tischer und humaner Bestrebungen war er prak 
tischen Reformen und neuzeitlichen, fortschrittlichen 
Anschauungen stets zugänglich, stets seine ganze 
Person für ideale Ziele einsetzend und stets un 
eigennützig und selbstlos dem Wohle der Gesamt- 
Pfarrer Friedrich Hufnagel.
	        

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