Full text: Hessenland (26.1912)

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dren (Wenn die Mannsleute keine Klibber [— Holz 
stück von der Größe, wie es zum Brennen im Ofen 
benutzt twitb] im Hinteren haben, so haben sie doch 
eine Schimmer [— Holzsplitterl drin. Sinn Jeder 
Mann hat seine Eigenheiten). 
Aber so um die Dreißig muß Ernst mit der 
Fr ei er ei gemacht werden. Da heißt's dann: 
Bär Liew honn well, muß Liew lesse (Wer 
Liebe haben will, muß Liebe lassen) und wenn ein 
bestimmter jugendlicher Fehltritt vorliegt : Bo m’r 
met „feilt“, ste’it m’r om beste werre mefc of 
(Wo man mit „fällt", steht man am besten wieder 
mit auf, die heiratet man). Auch wenn die Heirat 
„in Ehren" vor sich geht, wird der Bräutigam 
geneckt M’r keeft sich kee Beizkapp, m’r baßt 
see äscht of (Man kaust sich keine Pelzkappe, man 
paßt sie erst auf). Oder: M’r keeft sich kee 
Peif, m’r blest iischt mol nen (Man kauft sich 
keine Pfeife, man bläst erst einmal hinein). 
Mutter und Vater rufen ihren Kindern jetzt 
alle die alten Freiregeln ins Gedächtnis, und 
die guten Freunde besorgend nicht minder: Bann 
gefreit wädd, da wädd geschwatzt (Wenn gefreit 
wird, dann wird geschwätzt). 
Da heißt’s in gewissem Falle Kef Nächbesch 
Bend, frei Nächbesch Kend, da wäscht~de net 
betroje (Kaufe Nachbars Rind, sreie Nachbars Kind, 
dann wirst du nicht betrogen). Oder: Brei ewwer 
die Mest, da weeßt Ä de bie see eß (Frei über 
die Miste, dann weißt du, wie sie (die Braut) ist). 
Wenn die jüngere Tochter vor der älteren zur 
Ehe begehrt wird, lautet’s: Äscht macht m’r 
Heiw, da Gräumet (Erst macht man Heu, dann 
Grummet). Aber bei der Freierei gilt oft: Die 
Beit mache die Oschlej, on de liewe Gott 
macht’s Wärer (Die Leute machen die Anschläge, 
und der liebe Gott macht das Wetter). 
Der älteste Sohn z. B. hat schon lange was 
Liebes, so eine schwarzbraune Schönheit, von der 
das Sprichwort sagt: Nach de schwazze Kasche 
steift m’r om hechste (Nach den schwarzen Kirschen 
steigt man am höchsten), obwohl andernteils das 
wahre Wort gilt: Schie eß-net schie, äwwer 
schiene Dujende, die seng schie (Schön ist nicht 
schön, aber schöne. Tugenden, die sind schön). Da 
sie aber von gerengem Härkommes (— arm) 
ist, meinen die erfahrenen Eltern, die nur mit 
dem Verstände bei der Sache beteiligt sind: Besser 
erfreit bie erarbeit (Besser erfreit töte erarbeitet); 
bär necbts erfreit on nechts erärbt, dä bleibt 
in Lomp, bis däß~e starbt (Wer nichts erfreit 
und nichts ererbt, der bleibt ein Lump [--- bleibt 
arm) bis daß er stirbt). Sie erinnern auch leb 
haft an den alten Schwülmer Grundsatz: 8chatzerei 
eß kee Freierei (Schätzern ist keine Freierei). 
Jedoch Zehwih - kee Wih, äwwer Schatzäbstih, 
dâs dut wih (Zahnweh [ist] kein Weh, aber Schatz- 
abstehen, das tut weh), so fühlt der Sohn, dieser 
sonst so schwerfällige Mensch, und meint: H’s Gäld 
gett sich äus, de Spuck bebellt m’r em Haus 
(Das Geld gibt sich aus, den Spuk behält man im 
Haus, on beim Gäld kann m’r net geschloffe 
(beim Geld kann man nicht schlafen). Wer weiß 
auch, ob sie, die ihm die Eltern vorschlagen, der 
Taufende so viel hat. Bekanntlich trääng, bann 
gefreit wädd, alle Ecker Wees (tragen, wenn 
gefreit wird, alle Äcker Weizen), aber die Stei 
gelt da bloß dreize Steck (die Steige gilt dann 
bloß dreizehn Stück). On bann~see~n met zwo 
Kerre obinge bie in Breilös (und wenn sie ihn 
mit zwei Ketten anbänden wie einen Brüllochs), setzte 
er seinen Starrköp (Starrkopf) aus und heiratet 
seinen Jugendschatz: Ahle Liew die rôstert net 
on bann^se sewe Johr em Schönnstee hengt 
(Alte Liebe rostet nicht und wenn sie sieben Jahre 
im Schornstein hängt). Das hat er nie zu bereuen 
gehabt. Sie hat gearbeitet die ee Mäd (wie eine 
Magd) und hat nie gedacht: Bann Kehrdräck 
Paffer (Bann Kuhdräck Botter) wädd (Wenn 
Kehrdreck [Kehricht] Pfeffer [wenn Kuhdreck Butter] 
wird). Und er ist zufrieden gewesen und hat für 
zweie geschafft. Eintracht und Liebe wohnen in 
ihrem bescheidenen Heim. 
Dies sind seine Wahlsprüche: Bie d’r Härr, 
so d’s Geschärr (Wie der Herr, so das Geschirr). 
Harrn Befähl, Knächte Arbeit (Herrn Befehl, 
Knechte Arbeit). Bo du net bist, Härr Oijelist, 
do schwele alle Flete (Wo du nicht bist. Herr 
Organist, da schweigen alle Flöten. Sinn: De Härr 
muß vero [Der Herr muß voran], sonst taugt die 
Arbeit nichts). Hie Katz on die Frä gehern 
ens Haus, de Hüngd on de Mann, die gehern 
näus (Die Katze und die Frau gehören ins Haus, 
der Hund und der Herr, die gehören hinaus). In 
gurrer Oheeßer eß besser bie in schläächter 
Ärwetsmann (Ein guter Anheißer ist bester als 
ein schlechter Arbeitsmann). 
Sein übergescheiter, leichtsinniger Bruder Peffe- 
gus denkt dagegen: Walpernschatz on Prowe- 
schatz, die durn äkescht drei Däj, on bär im 
bescheert eß, dä kreit m’r (Walpurgisschatz 
[— Liehschatz. Vgl. Heff. Volkskunde S. 308 u. 309] 
und Probetanzschatz, die dauern nur drei Tage, und 
wer einem bestimmt ist, den kriegt man). Häs 
Knechelcbe, dâs im bescheert eß, treet kee 
Hengelche wägg (Das Knöchelchen, das einem 
beschert ist, trägt kein Hündchen weg). Mangel 
an Weibsleuten wird übrigens auch nicht eintreten: 
He Himmel eß noch blo, eß gerr^er hei on do 
(Der Himmel ist noch blau, es gibt ihrer [Mädchen]
	        

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