Full text: Hessenland (26.1912)

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Erzeugnisse vergangener Jahrhunderte umfaßt. Der 
viel Umsicht erfordernde und mit vielen Schwierig 
keiten verbundene Umbau des Hauses und dessen 
innere Einrichtung ist nach den Plänen und unter 
.der Leitung unseres aus Eschwege gebürtigen hessischen 
Landsmanns KarlSandtrock in mustergiltigster 
Weise erfolgt und hat die allseitige größte An 
erkennung gefunden nicht nur in den Worten der 
bei der Einweihung anwesenden Vertreter der Staats 
und Gemeindebehörden, sondern auch dadurch, daß 
aus Anlaß dieser Leistung der Kaiser Herrn Sandt- 
rock den Roten Adlerorden 4. Klasse verliehen hat. 
Hildesheim. O. G. 
K u n st n o t i z. Der aus Hersfeld gebürtige Bild 
hauer Arnold Rechberg, dessen Gruppe „Die 
Schatten" durch den Pariser Polizeipräsident aus 
der Ausstellung entfernt wurde, ries die öffentliche 
Meinung gegen diese Maßregel an, indem er das 
ausgewiesene Werk in einem Pribatlokal ausstellte. 
Übrigens hat ihn der Vorstand der Brüsseler Kunst 
ausstellung eingeladen, seine Gruppe in der belgischen 
Hauptstadt auszustellen. 
Der 22. hessische Städtetag findet am 
17 und 18. Mai in Bad Wildungen statt. 
Auf der Tagesordnung steht u. a. auch ein Vortrag 
des Museumsdirektors vr. Bo eh lau über das hes 
sische Landesmuseum. 
Ein gefährdetes Kasseler Architektur 
denkmal. Unter dieser Überschrift bringen auch 
die „Frankfurter Nachrichten" ihr Erstaunen zum 
Ausdruck über den „Zerstörungseifer", der in Kassel 
herrscht, und bezeichnen den drohenden Abbruch der 
Unterneustädler Mühle als „den Beginn einer plan 
mäßigen Beseitigung der Kasseler historischen Denk 
mäler". Auch sie hoffen, daß dieses vom Stadt 
bauamt geforderte „Opfer" nicht fallen möge; da 
neben bringen sie eine übersichtliche Darstellung des 
Werdeganges und der kunsthistorischen Bedeutung 
des gefährdeten Bauwerks. Der kurze Artikel schließt 
mit dem bezeichnenden Satze: „Wenn es in diesem 
Tempo weitergeht, so wird Kassel das Ortsstatut, 
das immer noch nicht heraus ist, nicht mehr nötig 
haben!" 
Oranienstein. Stabsarzt vr. H a s. 
Dem möchten wir in Ergänzung unserer früheren 
Notiz (Seite 112 s.) noch hinzufügen, daß von aus 
wärtigen größeren Zeitungen, soweit sie uns zu Gesicht 
kamen,auch die,,Franks.Ztg.",die „VossischeZtg.",die 
„Tägs. Rundschau", die„Rheinisch-Westfälische Ztg." 
sich mit dem Abbruch der Mühle beschäftigten und von 
Zeitschriften außer den bereits genannten „DerBurg 
wart", die „Bauhütte" und „Der Städtebau" (Monats 
schrift s. d. künstl. Ausgestaltung d. Städte nach ihren 
wirtschaft!., gesundheitl. und sozialen Grundsätzen). 
Diese geht auch sonst mit der neuzeitlichen Bauweise 
in Kassel scharf ins Gericht. Die Redaktion. 
Todesfälle. Am 8. d. M. starb zu Ems der 
Altbürgermeister dieser Stadt, August Spangen- 
b e r g, ein Sohn des Hessenlandes. Am 9. November 
1838 in Homberg a. E. als Sohn eines Pastors 
geboren, trat er am 10. November 1863 in kur 
hessische Staatsdienste und wurde 1866 als Assessor 
an der Negierung in Koblenz von Preußen über 
nommen. 1870 (1 Oktober) wurde ihm die Stadt- 
und Landbürgermeisterei der Kreisstadt Simmern 
übertragen, und am 16. Juli 1880 wurde er zum 
Bürgermeister des Bades Ems gewählt. Nach säst 
24jähriger Tätigkeit als solcher zog er sich aus 
Gesundheitsrücksichten am 9. November 1903 in das 
Privatleben zurück, nachdem er seine beste Arbeits 
kraft und sein ganzes Können für das Wohl der 
Stadt aufgewandt. Eine ganze Reihe wichtiger 
Fragen sind unter seinem Regime gelöst, so hat 
er sich mit dem Bau des Schlachthauses und der 
Einleitung einer modernen Kanalisation ein dauern 
des Denkmal gesetzt. 
Gräfin Henriette von Holnstein aus 
Bayern, die Gemahlin Ludwigs Grasen v.H. aus 
Bayern, kgl. bayrischen Kammerherrn und Majors 
a. D., die am 10. d. M. zu Kassel starb, entstammte 
einer uralten hessischen Adelsfamilie. Sie war am 
24. September 1827 zu Escheberg geboren als Tochter 
des hessen-kasselschen Rittmeisters a.D. und Kammer 
herrn Karl Freiherrn von der Malsburg (des Bruders 
des als Übersetzer des Calderon und Lope bekannten 
Ernst v. d. M.). Auf seinem idyllischen Landsitze 
zu Escheberg eröffnete er in den 30er und 40er 
Jahren des vorigen Jahrhunderts ein gastfreies 
Asyl für deutsche Dichter und Künstler. So zog 
er auch im Frühjahre 1841 den bedeutenden Lyriker 
Emanuel Geibel, mit dessen Vater er befreundet, 
zu sich heran, um ihm hier Gelegenheit zu geben, 
die von Ernst v. d. M. hinterlaffene reiche Samm 
lung spanischer Bücher zu seinen Zwecken zu be 
nützen. Mit Freuden war Geibel dieser Einladung 
gefolgt, und er selbst schildert diese Zeit^ die er in 
der edlen und geistreichen Familie zubringen durste, 
als die schönste und reichste seines Lebens. Zu der 
damals erst 14jährigen ältesten Tochter des Hauses 
Henriette aber faßte er eine tiefe Neigung, die ihn 
zu- mehreren seiner schönsten Lieder begeisterte. Auch 
nach seinem Scheiden aus Escheberg und der Ver 
heiratung Henriettes blieb er bis zu seinem Ende 
in herzlichem Briefwechsel mit ihr. 
Albertine Gräfin von Schaumburg, 
geb. Stäuber, die Gemahlin des jüngsten Sohnes
	        

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